Willi Weitzel packt bei seinem Multivisionsvortrag auch unbequeme Themen – wie etwa die Folgen der Dürre in Afrika – an. (Foto: © 2017: Welterforscher Film und so weiter GmbH)

Ganz schön beeindruckend: Willi Weitzel in Düsseldorf

Panorama

Sie kennen doch bestimmt den Willi. Das ist der, der immer alles wissen will. Der mit dem unverwechselbaren Lachen. Willi geht jetzt wilde Wege. Dafür sucht er noch Begleiter. Wie wär’s am 30. Juni?

Jeder hat seinen Namen schon gehört. Willi Weitzel ist eine Institution des deutschen Kinderfernsehens. "Willi wills wissen" ist Kult. In 180 Folgen hat der Welterforscher gezeigt, was andere erlebt haben. Nun geht der 45-Jährige wieder auf Entdeckungsreise. Aber wohin? Seine Stimme senkt sich ab. Mit einem Mal ist es, als ob wir im Wald unter einem Tarnnetz hocken und gemeinsam Grizzlybären beobachten, er mir aber unbedingt etwas anvertrauen will. "Ich möchte vor allem, dass die Menschen mich besser kennenlernen. Sie sollen an meinen Träumen und Ideen teilhaben, die ich mir in den Kopf gesetzt und ins Leben gebracht habe", sagt Willi Weitzel ernst, den viele an seinem herzlichen Lachen erkennen. Das ist ihm bei seinem aktuellen Projekt mitunter zum Verhängnis geworden.

"Willis wilde Wege" heißt der Multivisionsvortrag, mit dem der gebürtige Hesse durch Deutschland tourt. "Die Besucher erwartet eine Art Kinofilm, bei dem der Hauptdarsteller gleichzeitig auf der Bühne steht", erklärt Willi Weitzel. Für einen seiner vier Programmpunkte hat er sich in Nordrhein-Westfalen aussetzen lassen. Getarnt mit Brille, Bart und Mütze sollte er ohne Hilfsmittel den Weg zurück nach Hause finden. "Unerkannt zu bleiben, hat nicht immer funktioniert", sagt er verblüfft. Seine Art sich zu freuen und sein Lächeln hätten ihn entlarvt. Er klingt wirklich überrascht. Orientierungslos umherzuirren, verängstigt manchen schon genug. Noch mehr fürchtet sich Willi Weitzel aber davor, durch einen See zu schwimmen. Korrigiere: fürchtete. Denn er springt über seinen Schatten und nimmt diese Mutprobe an.

Willis wilde Wege auf YoutubeMut braucht es auch, die hässlichen Dinge in der Welt zu zeigen. Für sein Bühnenprogramm hat Willi Weitzel einen Film über die Folgen des Klimawandels in Ostafrika gedreht, für die jährliche Sternsinger-Aktion einen Beitrag über die Kinderarbeit in Indien produziert. "Manchmal komme ich schon sehr desillusioniert von diesen Reisen zurück und glaube nicht mehr daran, dass man überhaupt noch etwas verändern kann." Doch dann sind da wieder die Kinder – diesmal die aus Deutschland. Wenn bei der Premiere seines Films im Kinosaal 400 Sternsinger vor ihm sitzen, alle hochmotiviert, dann hat sich all die Mühe wieder gelohnt. "Denen liest man in den Gesichtern ab: Jetzt gehen wir es an! Wir laufen von Tür zu Tür und sammeln Geld, um diesen armen Kindern in Indien zu helfen!"

Zurzeit nur noch halb so wild

Auf der Bühne sind Willis Wege wild, ansonsten lässt er es ruhiger angehen. Seit Anfang des Jahres moderiert er im Bayerischen Rundfunk die Sendung "Gut zu wissen". Dass er nur noch im Studio steht und die Filme anderer ankündigt, enttäuscht seinen Interviewpartner massiv. "Sie klingen ja wie meine Mutter!", erwidert Willi Weitzel leicht verschüchtert, als ob man einen kleinen Jungen beim verbotenen Griff ins Bonbonglas erwischt hätte. Doch der mediale Rückzug hat seinen Grund. Als Vater von drei Kindern – das jüngste knapp ein Jahr alt – könne und wolle er nicht mehr so viel durch die Welt reisen und die Hälfte des Jahres im Hotel verbringen. "Momentan fahre ich einmal die Woche ins Studio und bin am Abend wieder zu Hause. Aber es kommen ja wieder andere Zeiten ...", sagt er ernst. Kurze Pause. Dann beendet er den angefangenen Satz mit dem typischen Willi-Lachen und "... hoffe ich jedenfalls".

Einem anderen auf der Großleinwand dabei zuzuschauen, wie er seine Bequemlichkeit überwindet, sich den eigenen Ängsten stellt und seine Träume wahr werden lässt, ist unterhaltend, im besten Falle aber auch lehrreich. "Auf der Bühne frage ich mich selbst, warum ich das alles mache", erklärt Willi Weitzel. Wegen der Belohnung. Einer einzigartigen Belohnung, die für jeden anders ausfällt. Eben weil jeder seine eigenen Ängste und Träume hat. Letztlich sollen die kleinen und großen Besucher nicht nur Willi Weitzel, sondern sich selbst besser kennenlernen. Aber dafür müssen sie raus aus ihrer Komfortzone und rein ins wilde Leben. Ein Satz fasse zusammen, worum es eigentlich geht: "Beeindrucke nicht die anderen, beeindrucke dich selbst!"

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Text: / handwerksblatt.de

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