Blick in die Bonner Ausstellung. Das ganze Spektrum der Farbe ist bis zum 7. August zu sehen.

Blick in die Bonner Ausstellung. Das ganze Spektrum der Farbe ist bis zum 7. August zu sehen. (Foto: Simon Vogel, 2022 © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH)

Farbe ist Programm

Ausstellung: Die Welt ist bunt. Vor mehr als 100 Jahren nahm die Farbe auch in der künstlerischen Auseinandersetzung immer mehr Raum ein. Die Bonner Ausstellung zeigt aktuell die Sogwirkung der Farbe auf unser aller Leben.

Farbe auf Knopfdruck. Am 25. August 1967 wurde die Welt des Fernsehens bunt. Für 11 Uhr sollte zumindest in West-Deutschland der Startschuss fallen. Der damalige Vizekanzler Willy Brandt hatte die ehrenwerte Aufgabe, den roten Knopf zu drücken. Was damals keiner wusste: Der Knopf war lediglich eine Attrappe. Wenige Sekunden bevor Willy Brandt dann tatsächlich den Knopf drückte, hatte ein nervöser Techniker bereits die graue Mattscheibe in eine kunterbunte Farbwelt verwandelt.

Die Ausstellung "Farbe ist Programm" nimmt diesen Tag zum Anlass, einmal mehr die Farbe als künstlerisches Medium anhand von kunst- und kulturgeschichtlichen Exponaten aus weit mehr als 100 Jahren zu beleuchten. Weniger der kunsthistorische Kontext von Farbe spielt dabei eine Rolle. Vielmehr ging es den Ausstellungsmachern der Bundeskunsthalle in Bonn um die künstlerische Auseinandersetzung mit der Wirkkraft von Farbe. Künstler und Co-Kurator Liam Gillick dazu: "Farbe ist in dieser Ausstellung immer auch ein Träger von Ideen. Farbe ist und ist nicht das, was sie zu sein scheint. Farbe ist ein Mittel, um Widersprüche und Subjektivität auszudrücken."

Historischer Rückblick

Judy Chicago, Women and Smoke, 1971–72 Foto: © VG Bild-Kunst/ Courtesy of Through the Flower ArchivesJudy Chicago, Women and Smoke, 1971–72 Foto: © VG Bild-Kunst/ Courtesy of Through the Flower Archives

Der Rundgang durch die Welt der Farben beginnt mit einem historischen Blick auf die frühesten Farbfotografien und Farbfilme. Zu sehen ist das berühmte Experiment des Physikers James Clerk Maxwell. Bei einem Vortrag über seine Forschungen zur Farbwahrnehmung und Farbenblindheit 1861 bewies er erstmals das Prinzip der additiven Farbmischung in Form einer Projektion durch rotes, blaues und grünes Licht.

Ein weiterer bunter Moment wird mit einem der ersten handkolorierten Filme dargestellt. Annabelle Serpentine zeichnet in dem Film Dance aus dem Jahr 1895 in einer Choreografie mit der amerikanischen Tänzerin Loïe Fuller die Inszenierung durch farbige Lichtprojektionen auf der Leinwand nach.

Die Ausstellung zeigt zudem auf, wie Farbe verwendet wurde, um Machtverhältnisse und Wirtschaftsinteressen hervorzuheben, zu hinterfragen oder aufzudecken. Beispielhaft steht dafür der Farbeinsatz in politischen Spektren. So hatte der Künstler KP Brehmer (1938–1997) in einem großen Werkkonvolut der 1970er-Jahre die Visualisierung faschistischer Tendenzen nach 1945 untersucht. Gezeigt wird ebenso, wie Farbe Sprache und Poesie verstärkt, In den vergangenen Jahrzehnten globaler Migration und deren politischen Herausforderungen haben Künstler beispielsweise Farbe eingesetzt, um Identität und Differenz darzustellen.

Vielfalt Farbe

Von Nivea bis IKEA zeigt Rozbeh Asmani (*1983) in wöchentlich wechselnden Plakatserien die Pfründe der Farbsetzungen aus der "schönen" Markenwelt mit den bekannten Farbtönen und Kombinationen. Die Ausstellung streift bis zum 7. August beispielhaft ebenso die kulturgeschichtlichen Meilensteine wie die bereits erwähnte erste TV-Übertragung in Farbe in der BRD. Der freie, nicht geleitete Parcours durch die Ausstellung wie auch die assoziative Herangehensweise sind bewusster Teil der Bonner Inszenierung.

Allesamt unterstreichen sie die Vielfalt in der Ausstellung, die durch eine raumgreifende, eigens für die Große Halle von Liam Gillick gestaltete Architektur erlebt werden kann. Damit wurde erstmals in der Geschichte der Bundeskunsthalle mit "Farbe ist Programm" eine Ausstellung vom gesamten Team der Kuratorinnen entwickelt und spiegelt – das so "bunte" wie umfassende Sujet Farbe angemessen wider. 

Farbe ist Programm

Ausstellung bis 7. August 2022
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Helmut-Kohl-Allee 4
53113 Bonn

Eintritt 11 Euro/ermäßigt 7 Euro
Eintritt frei bis einschließlich 18 Jahre
bundeskunsthalle.de

DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale DHB registrieren!

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: