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Cannes ist längst kein Luxus mehr

Panorama - Reise

Cannes - das bedeutet für die meisten Menschen "Filmfestspiele". Dabei hat die kleine Schwester von Nizza viel mehr zu bieten: ein elegantes, gemütliches Städtchen und eine reizvolle Umgebung.



Es schüttet wie aus Eimern. Wenn Lord Brougham das an jenem Tag im Jahr 1834 so erlebt hätte, wäre er womöglich schnell in seine englische Heimat zurückgekehrt - Regen kann er auch dort haben. Doch bei seiner Ankunft tauchte die Sonne das kleine Fischerdorf Cannes und sein bergiges Hinterland in strahlendes Licht - so wie an 300 anderen Tagen des Jahres. Und der Lord, der eigentlich ins 35 Kilometer entfernte Nizza wollte, entschloss sich spontan, Cannes mit seinem milden Klima zu seinem Winterquartier zu machen. Er ließ sich eine schicke Villa im italienischen Stil bauen und seine internationalen Kontakte spielen. Wirkte auf den französischen König Louis Philippe ein, das neue Hafenbecken zu finanzieren.

Den authentischen Charakter bewahrt
HandwerkSchon bald machte der (Geld-)Adel den Ort berühmt. Um die Jahrhundertwende entstanden Grand-Hotels wie das Carlton, Martinez und Splendid. In den 1920er und 1930er Jahren folgten die Künstler; Cannes wurde zur mondänen Sommerfrische. Und nach dem Zweiten Weltkrieg auch Ziel des Massentourismus, der inzwischen noch durch die Kreuzfahrtschiffe gesteigert wird. Jedes Jahr im Mai überfluten zudem über 200 000 Besucher der Filmfestspiele die Stadt.

Trotzdem hat sie mit ihren rund 74 000 Einwohnern ihren authentischen Charakter bewahrt und behauptet sich selbstbewusst gegen das große Nizza (ca. 350 000 Einwohner). "Wir haben beste Voraussetzungen für einen entspannten Aufenthalt mit Strand- und Stadtleben. Bei uns kann man alles zu Fuß erreichen - den Bahnhof, den Hafen, die Croisette und die Altstadt", sagt unsere Reiseführerin Karin und betont: "Cannes ist nicht nur ein Ziel für die Reichen und Prominenten, sondern auch für Touristen mit kleinerem Geldbeutel. Es gibt preiswerte Unterkünfte, und für 1,50 Euro kann man mit dem öffentlichen Bus die ganze Küste entlang fahren."




Der Weg zu den Filmfestspielen
HandwerkErstes Ziel für jeden Touristen ist der berühmte Boulevard de la Croisette mit den Millionärsjachten auf der einen, den Luxushotels und Edelboutiquen auf der anderen Seite - das Gegenstück zur Promenade des Anglais in Nizza. Mittendrin erhebt sich das 1982 erbaute Palais des Festivals, in dem nicht nur die Filmfestspiele, sondern das ganze Jahr über Kongresse und kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Vor dem unspektakulären Gebäude verläuft die "Allée des Stars", wo sich die berühmtesten Schauspieler der Welt mit ihren Handabdrücken verewigt haben. Beim Rückweg geht man dann  über die bunt gemischten Einkaufsstraßen Rue d'Antibes und Rue Meynardier in Richtung Altstadt "Le Suquet", passiert dabei die Markthalle Marché Forville mit ihren regionalen Köstlichkeiten (jeden Vormittag außer Montag). Ein leckerer,  sättigender Imbiss ist die "Socca", ein im Holzofen gebackener Pfannkuchen aus Kichererbsenmehl.

Architektur und Sandstrände
HandwerkDie schmale Gasse St. Antoine, gesäumt von unzähligen kleinen Restaurants, windet sich den Hügel hinauf zur trutzigen Kirche Notre-Dame-d'Espérance und dem Musée de la Castre mit einer sehenswerten archäologischen und ethnografischen Sammlung. Von dort hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und das Meer mit seinen schönen Sandstränden.
Beliebte Ausflugsziele sind die beiden winzigen Iles de Lérins, von Cannes aus mit dem Schiff in 20 Minuten zu erreichen. Im Fort Royal der Ile Sainte-Marguerite saß von 1687 bis 1698 der "Mann mit der eisernen Maske" gefangen. Bis heute weiß man nicht, wer er wirklich war. Ein Bruder Ludwigs XIV.? Ein adeliger Hugenotte? Dichter wie Alexandre Dumas d.Ä. und Marcel Pagnol sowie etliche Filme (zuletzt mit Leonardo diCaprio) beschäftigten sich mit dem Schicksal des berühmten Unbekannten.

Der Wein der Zisterziensermönche

HandwerkHeute dienen die kleinen Naturstein-Kasernen des Forts als Jugendbegegnungsstätte. Im "Musée de la Mer" kann man antike Unterwasserfunde und die Zelle des "Mannes mit der eisernen Maske" besichtigen. Idyllische Spazierwege, versteckte Badebuchten und Picknickplätze laden zum Entspannen ein. Die benachbarte Ile Saint-Honorat, ebenfalls ein Naturparadies, wird von Zisterziensermönchen bewirtschaftet, die dort vielfach preisgekrönten Wein  anbauen. An jedem ersten Freitag im Monat (auch im Winter!) gibt es die Schiffsfahrt inklusive Weinprobe für 18 Euro. Wunderschön am Wasser gelegen ist das zugehörige Restaurant "La Tonnelle" mit preisgünstigen Mittagsmenüs.



Info: Französisches Fremdenverkehrsamt "Atout France", rendezvousenfrance
Anreise: z.B. mit Germanwings mehrmals wöchentlich ab Köln und Düsseldorf nach Nizza, Flughafen-Express-Bus nach Cannes alle 30 Min. (20 Euro; hin und rück 30 Euro)
Übernachten: z.B. Hotel Belle Plage Brougham, große Zimmer (teils Meerblick), Dachterrasse mit Pool, nahe Zentrum; günstig buchbar bei Olimar Reisen (DZ/F ab 56 Euro p.P.). cannes-hotel-belle-plage.Hotel Radisson Blu 1835, im Zentrum, mit modernem Thalasso- und Spa-Bereich; tolles Dach-Restaurant und Lounge "360°" mit Rundum-Blick; DZ für zwei ab 145 Euro. radissonblu.com/hotel-cannes
Essen: "La Mirabelle", Altstadt, 24, Rue St. Antoine, innovative südfranzösische Küche. "Plage Royale", elegantes Strandrestaurant direkt an der Croisette
Ausflüge: Von Mai bis September werden auch Katamaran-Tagestouren nach Monaco und St. Tropez angeboten.
Literatur: Der neue Baedeker Smart "Côte d'Azur" für die "perfekten Tage an der blauen Küste"; handlich mit Spiralbindung und Karte, 196 S., 14,99 Euro

Foto: Tomasz Zajda/Fotolia/SEMEC/Kelagopian/Text: Barbro Schuchardt

Text: / handwerksblatt.de