Handwerk

Florian Frey (r.) mit Mitarbeitern in einer Londoner Filiale von "Herman ze German". (Foto: Meike Stolp)

London liebt die "German Wurst"

Auch im "Swinging London" liebt man Brühwurst – etwa im Restaurant "Herman ze German". Die Würste kommen aus einem Handwerksbetrieb aus dem Schwarzwald.


Brühwurst schmeckt gut, frisch vom Grill, als Currywurst oder gebraten aus der Pfanne. Das ist hierzulande kein großes Geheimnis, in der britischen Hauptstadt London schon. Möchte man meinen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die Londoner gehen gerne in eine der mittlerweile drei Filialen des Restaurants "Herman ze German" von Florian Frey und Azadeh Falakshahi und essen dort typisch deutsche Würste. Drei verschiedene Wurstsorten gibt es dort: Kalbsbratwurst, die klassische Bockwurst und eine scharfe Chiliwurst mit hohem Rindfleischanteil, die "Beef Chili". Die Würste kommen aus einem Handwerksbetrieb im Schwarzwald, der Metzgerei Hug aus Steinen.

Christoph Hug ist kaufmännischer Leiter im Familienbetrieb: "Wir sind ein kleiner handwerklicher Betrieb, der mit mir in die dritte Meistergeneration kommt. Gegründet wurde der Betrieb von meinem Großvater im Jahr 1952", sagt Hug. Doch wie kommt die Wurst aus Steinen in die Weltmetropole London? "Florian Frey ist ein alter Freund von mir, wir kennen uns schon sehr lange. Als seine Freundin Azadeh etwa 2008 nach Brighton zum Fotografiestudium gegangen ist, ist er ihr nachgezogen und hat dort im Pub und als Friseur gearbeitet", erinnert sich Hug an die Anfänge von "Herman ze German".

Der Anfang einer Lawine



Von dem Restaurant war damals indes noch nicht die Rede gewesen. "Florian hat sich immer mit unseren Würsten eingedeckt, wenn er wieder einmal in Deutschland war. Die haben seine englischen Freunde dann probiert und Geschmack daran gefunden, denn sie sagten: Hey, das müsst ihr mal hier im Pub anbieten", sagt Hug. Die englische Wursttradition sei lange nicht so ausgeprägt wie die deutsche. Die klassische Brühwurst, die man hier so gerne isst, kennt der Brite nicht.

Es war der Anfang einer Lawine, die bis heute nicht zum Stopp gekommen ist. Denn die "Deutschen Wochen", die Frey dann im Pub initiiert hat – selbstverständlich beliefert von der Metzgerei Hug – kamen so gut an, dass ein Eventmanager, der zufällig anwesend war, Frey einen Auftrag für ein Fest gab. Weitere Aufträge folgten, zunächst im Cateringzelt, später in einem Trailer, mit dem das Duo Frey/Falakshahi durch England und Wales tourte. Immer mit dabei: die Schwarzwälder Würstchen.

Experimente im Geschmack 

"Herman ze German" hat eine eigene Internetpräsenz. Dort sind Öffnungszeiten, Angebot und weitere Informationen zu finden.

Auch die Metzgerei Hug aus dem Schwarzwald ist im Internet zu finden


"Wir haben zu dieser Zeit sehr viel herumexperimentiert und die Geschmacksrichtungen verändert“, sagt Hug. Mal wurde etwas mehr Schärfe in die Wurst gemacht, dann wieder etwas weniger: "Das Feedback der Kunden ist in die Rezepte eingeflossen." Schließlich wurde das erste Restaurant "Herman ze German" in London eröffnet – Frey und seine Freundin hatten einen Investor gefunden.

Seitdem gibt es in London Würstchen aus dem Schwarzwald, exklusiv. Christoph Hug: "Wir legen großen Wert auf höchste Qualität. Dafür haben wir in diesem Jahr schon zum neunten Mal den Preis für langjährige Produktqualität der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) verliehen bekommen." Zum Bewusstsein der eigenen Verantwortung passt auch, dass die Metzgerei Hug stark mit Produkten aus der eigenen Region verbunden ist und an die "Macht der kurzen Wege" glaubt, wie Christoph Hug sagt.

Würstchen – exklusiv aus dem Schwarzwald



"Herman ze German", glaubt Hug, wird weiter expandieren. Derzeit sei man noch exklusiver Lieferant, aber wenn Frey Angebote aus Übersee oder dem arabischen Raum bekomme, dort Lizenzrestaurants zu eröffnen, dann sei das für die Metzgerei aus dem Schwarzwald uninteressant. "Das ist von den dortigen Einfuhrbestimmungen und auch der Entfernung nicht sinnvoll für uns. Wenn es aber ein 'Herman-ze-German’-Restaurant etwa auf Ibiza geben würde, dann wäre das für uns schon noch interessant", sagt Hug.

Das Hauptaugenmerk der Metzgerei bleiben aber die Kunden in Deutschland, vor allem in der Region. So beliefert man kleinere Metzgereien, aber auch zwei große Supermarktketten. "Uns ist wichtig, breitgefächerte Abnehmer zu haben, so können wir unabhängig bleiben", sagt Hug. Trotzdem wird es auf lange Sicht weiterhin die Schwarzwälder Würstchen auch in London geben.

Foto: Meike Stolp

Text: / handwerksblatt.de