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Für das Wohl der Frauen und das Wohl der Betriebe

Sie sind eine Stimme fürs Handwerk, die man nicht überhören sollte – das machten die Unternehmerfrauen im Handwerk bei ihrer Bundesverbandstagung in Berlin sehr deutlich.

Für das Wohl der Frauen und das Wohl der Betriebe
Die Unternehmerfrauen im Handwerk sind eine Stimme, die gehört werden sollte. Das wurde beim Bundesverbandstag in Berlin sehr deutlich. (© UFH Berlin/Foto: Kerstin Jana Kater)

Es geht – wie immer – nicht nur um die Frauen im Handwerk, wenn sich die Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) treffen. Das machte UFH-Bundesvorsitzende Heidi Kluth auf dem Bundeskongress Mitte Oktober in Berlin sehr deutlich: "Uns liegt nicht nur das Wohl der Frauen, sondern auch das Wohl der Betriebe am Herzen." Die oberste Unternehmerfrau zeigte direkt, was sie damit meint. Reform der Erbschaftssteuer? "Das Ergebnis ist unbefriedigend, Familienbetriebe werden künftig deutlich stärker belastet!" Minuspunkte verteilte Heidi Kluth auch für die Vorfälligkeitsregelungen bei den Sozialversicherungsbeiträgen ("Die Neuregelung ist überhaupt nicht ausreichend"), dem unzureichenden Abbau von bürokratischen Regelungen und der kalten Progression.

Aber natürlich setzt sich die UFH auch für die Frauen im Handwerk ein. Da habe sich zwar vieles zum Positiven entwickelt, "aber es gibt noch Luft nach oben. Vor allem müssen wir uns von stereotypen Rollenbildern wegbewegen". Besonders ärgerlich seien dabei Äußerungen in der Handwerksorganisation, die Unternehmerfrauen seien eine überflüssige Organisation. "Ich gehe davon aus, dass das Einzelmeinungen sind!", erklärte Heidi Kluth. "Wir sind eine zusätzliche Stimme für den Wirtschaftsbereich, die man nicht überhören sollte!"

In ihrer Begrüßungsrede stellte die UFH-Bundesvorsitzende fest, dass es dem Handwerk derzeit zwar wirtschaftlich gut gehe, es aber vor großen Herausforderungen steht. „Es mangelt an Fachkräften und Auszubildenden, und es mangelt an Nachfolgern – nicht in der Zukunft, sondern schon jetzt“, so Kluth. Zwar steigt der Frauenanteil im Handwerk, trotzdem sei das Handwerk gefordert, sich von stereotypen Rollenbildern wegzubewegen und eine gelebte Willkommenskultur für Mädchen und Frauen zu schaffen.

ZDH-Präsident Wollseifer: "Ohne Frauen geht nichts mehr"


HandwerkDa passte es, dass die CDU-Bundestagsabgeordnete Marie-Luise Dött in ihrem Grußwort an die Anfangszeiten erinnerte, als die Unternehmerfrauen noch keine Stimme im Handwerk gehabt hätten. Für ihren Einsatz dankte ihr UFH-Bundesvorsitzende Kluth. "Frau Dött hat schon früh den Frauen aus dem Handwerk eine Plattform gegeben!"

Dass diese Zeiten lange vorbei sind, dafür steht heute auch der oberste Repräsentant des Handwerks: ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. Er ist nicht nur Fördermitglied des Verbandes, sondern teilt auch dessen Einschätzung über den Stellenwert des weiblichen Geschlechts im Handwerk. Ohne Frauen gehe nichts mehr, so habe sich ihr Anteil bei den Meisterprüfungen in den letzten 25 Jahren verdoppelt. Aber das reicht auch Wollseifer nicht: Das sei zwar eine Steigerung, aber auch er meint, dass es dabei "noch gehörig Luft nach oben" gebe. Frauen brächten oft eine große Neugierde mit, seien offen für innovative Entwicklungen und echte Kommunikationsexperten. "Das macht deutlich, wie stark Frauen auch im Handwerk sein können."

 


Eine Win-win-win-Situation

Erfreut zeigte sich der ZDH-Präsident, dass sich die UFH-Organisation des Zukunftsthemas Energieeffizienz angenommen hat (siehe "Starke Handwerkerinnen"). Wer hier investiere, spare nicht nur Energie, sondern biete Mitarbeitern auch ein attraktiveres Arbeitsumfeld und sorge für eine positive Außenwirkung hin zum Kunden – "praktisch eine Win-win-win-Situation". Handwerkerinnen seien dabei die idealen Botschafterinnen und Partner der Energiewende vor Ort, betonte Wollseifer, denn sie seien direkt an der Schnittstelle zum Verbraucher tätig. Er forderte in dem Zusammenhang eine "diskriminierungsfreie Zulassung" der Handwerker als Gebäudeenergieberater, die steuerliche Absetzbarkeit von energetischen Sanierungsmaßnahmen sowie einfachere Förderprogramme.

 


 

Starke Handwerkerinnen

Die Berliner Unternehmerfrauen und das Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung GmbH haben das Projekt "Starke Handwerkerinnen – Energie + Effizienz" gemeinsam durchgeführt. Die Unternehmerfrauen im Handwerk wollen damit einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im Team mit IZT-Wissenschaftlerinnen haben sie marktreife energieeffiziente Dienstleistungen entwickelt und getestet. Die Ergebnisse wurden in einer Abschlussveranstaltung auf der UFH-Bundesverbandstagung vorgestellt, Gastredner war ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer.

Dabei wurden kürzlich die Essener Unternehmerfrauen im Rahmen der "Initiative Energieeffizienznetzwerke", die auch vom ZDH unterstützt wird, im Bundeswirtschaftsministerium ausgezeichnet. Wissenschaft und Handwerk seien ein effektives Team, sagte die Berliner UFH-Vorsitzende Beate Roll in einem Resümee. Das Projekt habe auch ihr Verhalten als Unternehmerfrau nachhaltig verändert: "Viele sagen, sie wollen etwas für die Umwelt tun, verschieben ihr Engagement aber auf morgen. Wir Unternehmerfrauen stoßen dagegen konkret etwas an. Seitdem gehe ich umweltbewusster einkaufen, spreche anders mit Lieferanten, Mitarbeitern und Kunden."

 

Ein Interview mit Marie-Luise Dött gibt es hier zu lesen.

Weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet.

Text: Ulrike Lotze; Fotos: © UFH Berlin/ Kerstin Jana Kater

 

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