Das kommt 2018 auf das Baugewerbe zu

Umsätze auf Zehnjahreshoch, Baulandverknappung, Digitalisierung und Betriebsübergabe: die Bauverbände Westfalen starten in das neue Jahr mit neuem Präsidenten. 

Foto: © Bauverbände Westfalen
V.l.: neuer Präsident Karlgünter Eggersmann mit Ehrenpräsident Walter Derwald und Hauptgeschäftsführer Hermann Schulte-Hiltrop. Foto: © Bauverbände Westfalen

Das Baugewerbe in Nordrhein-Westfalen boomt schon seit einiger Zeit. Der Baugewerbeverband Westfalen sieht die Betriebe gut gestärkt durch die aktuellen Umsatzraten, blickt aber mit gedämpften Erwartungen in die Zukunft. "Wir sind im Augenblick nach einer unheimlich langen Aufwärtsbewegung an einer Stelle, wo wir diesen Aufwärtstrend bestimmt nicht mehr lange weiter fortsetzen können", sagte Karlgünter Eggersmann bei Jahresauftaktpressekonferenz des Verbandes.

Sowohl die Umsätze als auch die Auftragseingänge seien auf einem Zehnjahreshoch, so der Präsident des Baugewerbeverbandes. Allerdings seien die Wohnungsgenehmigungen in NRW rückläufig (minus 23,3 Prozent). Besonders betreffe das den Einfamilienhausbau.

Förderung auch auf Einfamilienhausbau ausrichten

Grund hierfür sei nicht nachlassendes Interesse der Bauherren, sondern die Verknappung von Bauland, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes, Hermann Schulte-Hiltrop. "2014 bis 2016 waren starke Jahre für den Wohnungsbau. Freies Kapital und freier Baugrund fanden schnell zusammen, die Preise stiegen. Jetzt ist der Einfamilienhausbau auf freien Baugrundstücken und in Baulücken nicht mehr wirtschaftlich. Zwei- und Mehrfamilienhäuser laufen dem Einfamilienhausbau deutlich den Rang ab."

Verbandspräsident Karlgünter Eggersmann forderte deswegen: "Das Land muss seine Förderung auch auf Einfamilienhausbau ausrichten. Nur so können Familien die stark erhöhten Baulandpreise und die Lasten der hohen Grunderwerbssteuer kompensieren." Die wirtschaftsstarken Ballungsräume müssten nachdenken, wie sie den Wohnungsbau mit ihren Nachbargemeinden realisieren. Dazu gehöre mehr Verkehrswegebau und bessere Mobilität.

Ausblick auf die Amtszeit des neuen Präsidenten

Für Eggersmann (56) war es die erste Pressekonferenz nachdem er das Präsidentschaftsamt von Walter Derwald (74) zu Jahresbeginn übernommen hatte. Derwald stand knapp 30 Jahre lang an der Spitze des Verbandes. "Ich kann ein gut bestelltes Haus mit gutem Gewissen übergeben", sagte er bei der Pressekonferenz. "30 Jahre habe ich in Verantwortung für das Baugewerbe das Baugeschehen in NRW mitgestalten dürfen. Das war mir eine Herzensangelegenheit."

Eggersmann dankte Derwald für seinen langjährigen Einsatz und wagte einen Ausblick auf seine laufende Amtszeit. Besonders wichtig für alle Betriebe sei hier die Digitalisierung. "Da wird einiges an Bewegung kommen." Viele Prozesse würden sich in Zukunft verändern. Aufgabe des Baugewerbeverbandes sei es, die Mitgliedsbetriebe auf diese Veränderungen vorzubereiten und sie fit zu machen für die Digitalisierung.

Mitglieder auf Betriebsnachfolge vorbereiten

Ein weiteres Zukunftsthema sei die Nachfolge. Fast vierzig Prozent der Mitgliedsbetriebe stünden in den kommenden zehn Jahren zur Übergabe an, berichtete Schulte-Hiltrop. Das Problem sei auf der einen Seite, dass einige Betriebsinhaber sich schlecht von ihrem Geschäft trennen können. Andererseits finden nicht alle den passenden Nachfolger. "Das wird von vielen nicht rechtzeitig in der Bedeutung gesehen", so Eggersmann. "Darüber muss unser Verband definitiv rechtzeitig mit unseren Mitgliedsbetrieben sprechen. Denn eine falsche Übergabe kann auch ein Lebenswerk zerstören und echte Probleme mit sich bringen."

Text: Lars Otten

Foto: © Bauverbände Westfalen

 

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