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GroKo: Gemischte Gefühle beim SHK-Handwerk

Das SHK-Handwerk sieht im Koalitionsvertrag von Union und SPD nichts Wegweisendes. Aufbruchsstimmung vermittelten die Parteien am ehesten in der Energiepolitik.

Wirklich Wegweisendes finde sich nicht im Koalitionsvertrag, sagt Andreas Müller (Foto: © Alexander Raths/123RF.com)

Das SHK-Handwerk blickt mit gemischten Gefühlen auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD: "CDU/CSU und SPD haben sich geeinigt. Der Koalitionsvertrag für die Bildung einer neuen – diesmal nicht so großen – GroKo steht. Wirklich Wegweisendes findet sich nicht darin", sagt Andreas Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Die nahezu 180 Seiten enthielten dafür jede Menge Absichtserklärungen und Versprechen. Eine letzte parteipolitische Hürde müsse allerdings noch genommen werden: der Mitgliederentscheid, den SPD-Chef Martin Schulz der Parteibasis versprochen hat.

"Während die Themenfelder Bauen, Umwelt und Klima ziemlich weit hinten im Koalitionsvertrag angesiedelt sind, hat es die Energie immerhin knapp ins erste Drittel geschafft. Wir können weitgehend zufrieden sein damit, dass die neue alte Regierung die bisherige Förderung der energetischen Gebäudesanierung fortführen will. Wir haben uns erfolgreich dafür stark gemacht, dass der Austausch von alten Heizungen ebenfalls weiter gefördert wird – auch der Brennwertkessel. Und die steuerliche Förderung ist als Wahlrecht zwischen der bekannten Zuschussförderung und der Reduzierung der Steuerlast angekündigt. Soweit so gut."

Steilvorlage für die SHK-Branche

Aufbruchsstimmung allerdings vermittele da schon eher beim Passus Energie das Thema Sektorkopplung. Denn der Ort, wo Sektorkopplung stattfinden soll, sei das Gebäude. Gebäude seien der Dreh- und Angelpunkt für effiziente Wärmeerzeugung und grüne Energie. "Nirgendwo kommen mehr unterschiedliche Sektoren an einem Punkte zusammen und können effizient gekoppelt werden als im Gebäude. Das ist genau die Steilvorlage, die unsere Branche ausnutzen sollte; getreu der Maxime: Machen wir das Beste aus dem Koalitionsvertrag", sagt Müller.

Denn wer sonst als die im Markt dafür zuständigen Spezialisten für die Gebäudetechnik, könnten die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sektorkopplung schaffen. "Hier stehen das qualifizierte SHK-Handwerk und die Hersteller für die Produktentwicklung Seite an Seite. Das Gebäude bietet genügend Raum für die Energie- und Wärmebereitstellung in Form von effizienten Wärmeerzeugern, grüner Solarwärme und Fotovoltaik, Geothermie und Kraft-Wärme-Kopplung." Nirgendwo könne dezentral ergänzend mehr Energie und Wärme erzeugt werden als im, am oder auf dem Gebäude. Und die Kopplung der Sektoren Wärme, Mobilität und Elektrizität soll jetzt nach Willen der Großkoalitionäre in Verbindung mit Speichertechnologien spürbar vorangebracht werden. Auch KWK und Fernwärme sollen ausgebaut und effizienter werden. Die Gebäudetechnik wird auch der zukünftige neue Zugriffsort auf die E-Mobilität sein.

Absichtserklärungen wahr werden lassen

"Wenn aber das Gebäude dieser neuen Kopplungsfunktion gerecht werden soll, muss es den Bedarf an Wärme und Strom in Einklang bringen mit den Bedürfnissen der Nutzer. Die SHK-Branche kann damit die gesamtwirtschaftliche Aufgabe für sich reklamieren, die politisch gewollte Energie- und Wärmewende in den Gebäuden endlich entscheidend voranzubringen. Koalitionsverträge sind aller Erfahrung nach schon kurz nach ihrer Unterzeichnung durch die Mächtigen nur mehr grobe Handlungsanleitungen für die Bundesministerien. Unsere Branche sollte sich anstrengen, die Absichtserklärungen der GroKo zur Energie- und Wärmewende im Gebäudebestand endlich wahr werden zu lassen. Packen wir es an!"

Text: Rainer Fröhlich
Foto: © Alexander Raths/123RF.com

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