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Nachhaltige Politik gefordert

Nachhaltiges politisches Handeln, das auf die Balance von Gegenwart und Zukunft ausgerichtet ist. Das fordern die Spitzenverbände der Wirtschaft zum Spitzengespräch auf der IHM.

Dennoch sei es irritierend, wenn mit dem Koalitionsvertrag mehr Erschwernisse und mehr Belastung auf Unternehmen und Betriebe zukommen, statt Flexibilität und Erleichterung, so die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft (Foto: © meinzahn/123RF.com)

Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich in einer Zeitenwende mit hoher Dynamik, Komplexität und Umwälzungen in vielen Lebensbereichen. Mehr denn je ist nachhaltiges politisches Handeln gefragt, das auf die Balance von Gegenwart und Zukunft ausgerichtet ist, fordern der Zentralverband des Deutschen Handwerks, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, der Bundesverband der Deutschen Industrie und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände anlässlich des Spitzengesprächs auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München.

Die Deutsche Wirtschaft sei sich darüber bewusst, dass gerade in Umbruchzeiten breite politische Kompromisse gefunden werden müssen. Dennoch sei es irritierend, wenn mit dem Koalitionsvertrag mehr Erschwernisse und mehr Belastung auf Unternehmen und Betriebe zukommen, statt Flexibilität und Erleichterung. "Erst recht in Zeiten, in denen die globale Konkurrenz wächst, die Verunsicherung bei Bürgern, Betrieben und Unternehmen zunimmt und der demografische Wandel immer spürbarere Ausmaße annimmt. Von daher muss die Politik der Leitlinie folgen: Deutschland zusammenhalten. Modernisieren. Sicherheit geben", so die Verbände.

Allianz für Aus- und Weiterbildung weiterentwickeln

Zu Recht werde das Zukunftsthema Bildung von der künftigen Bundesregierung groß geschrieben. Dazu müssten nach Auffassung der Deutschen Wirtschaft die Allianz für Aus- und Weiterbildung weiterentwickelt und der geplante Berufsbildungspakt analog zum Hochschulpakt mit ausreichenden Mitteln ausgestattet werden. Berufsorientierung sollte an allen Schulen verpflichtend stattfinden und die vielfältigen Chancen der beruflichen Bildung aufzeigen.

"Die großen Herausforderungen, vor denen unser Land steht – wie der demografische Wandel, der Erhalt unserer Wettbewerbsfähigkeit im globalen Maßstab und die Digitalisierung –, erfordern den politischen Willen zu nachhaltigen und zukunftsgewandten Lösungen. Die Deutsche Wirtschaft hätte sich hier in zentralen Politikfeldern mehr Mut gewünscht. In der Sozialpolitik sind zukunftsorientierte und generationengerechte Weiterentwicklungen notwendig. Die Wirtschaft bekennt sich zum sozialen Zusammenhalt und zur Teilhabe in unserem Land."

Steuerpolitik als Standortpolitik nutzen

HandwerkIhre Leistungsfähigkeit könne sie aber nur dann dauerhaft sichern, wenn die Betriebe und Unternehmen nicht zusätzlich belastet werden. Der Gesamtsozialversicherungsbeitrag dürfe auch langfristig die 40-Prozent-Marke nicht übersteigen. Konstruktives Miteinander sollte auch Leitmotiv in der Arbeitsmarktpolitik sein. Unser Land braucht ein modernes Arbeitsrecht, das auf Tarifpartnerschaft setzt und passgenaue Regelungen vor Ort. Dazu gehören gesetzliche Öffnungsklauseln für die Tarifpartner – insbesondere für die Ausgestaltung der Arbeitszeit – sowie ein moderner Datenschutz.

Die Deutsche Wirtschaft appelliert an die neue Bundesregierung, Steuerpolitik als Standortpolitik zu nutzen: "In der aktuellen Lage reicht ein Verzicht auf Steuererhöhung nicht aus. Deutschland kann sich hier vom internationalen Wettbewerb um die besten Rahmenbedingungen für die Betriebe und Unternehmen nicht abkoppeln. Eine strukturelle Modernisierung der Unternehmensbesteuerung muss deshalb auf der Agenda bleiben." Ziel müsse es sein, die Steuerbelastung der Unternehmen zu senken, Finanzierungs- und der Rechtsformneutralität herzustellen und Sonderbelastungen – wie die durch den Solidaritätszuschlag – so schnell wie möglich zu beseitigen.

Bundesregierung soll Impulse setzen

Ein Schlüsselbereich für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sei die Digitalisierung. Da nahezu alle Politikbereiche davon betroffen seien, sei die Verortung der politischen Gesamtkoordination im Bundeskanzleramt ein wichtiger Schritt. "Prioritär ist die deutliche Beschleunigung des flächendeckenden Glasfaserausbaus mit Gigabitnetzen. Daneben sind zentrale Elemente: die Sicherung fairen Wettbewerbs in der Plattformökonomie, die digitale Verwaltung, Gründungsförderung und ein entschlossenes gemeinsames Vorgehen bei der Cybersicherheit. In der Innovationspolitik sollten Schlüsseltechnologien im Rahmen einer ambitionierten Hightech-Strategie vorangetrieben werden. Die direkte Forschungsförderung muss zusätzlich um eine steuerliche Komponente ergänzt werden."

Deutschland müsse weiterhin Wegbereiter in Sachen Klimaschutz und Energieeffizienz bleiben. Hier seien die Betriebe und Unternehmen auf verlässliche und passgenaue energie- und klimapolitische Rahmenbedingungen angewiesen. Dazu gehörten wirtschaftlich vertretbare Kostenbedingungen, die Weiterentwicklung bestehender Förder- und Anreizmechanismen sowie Regulierungen mit Augenmaß. Die nächste Bundesregierung müsse wichtige Impulse für die Stärkung von Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität in der EU setzen. "Strukturreformen in der Wirtschaft, die Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion und die Verhandlungen zum mehrjährigen Finanzrahmen bieten exzellente Chancen, Wachstum und Stabilität in der ganzen EU zu erhöhen. Unverzichtbar bleibt dabei die Wahrung der Einheit von Risiko und Haftung für alle Mitgliedstaaten."

Text: Rainer Fröhlich
Fotos: © meinzahn/123RF.com; bacho12345/1223RF.com

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