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Schlichterspruch im Baugewerbe

Die harten und zähen Tarifverhandlungen für das Bauhauptgewerbe sind mit einem Schlichterspruch beendet worden. Ein Streik scheint abgewendet. Ein Facharbeiter bekommt 1,1 Euro mehr die Stunde.

Foto: © ginasanders/123RF.com
Es gibt eine Einigung im Tarifkonflikt des Baugewerbes.

"Es waren harte und zähe Verhandlungen, die immer mal am Rande des Scheiterns waren. Das hat sich durch alle Verhandlungsrunden inklusive Schlichtung gezogen", sagt  Uwe Notiz, Vorstandsmitglied beim Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und Verhandlungsführer für die Arbeitgeber zum Ergebnis der Schlichtung. Die betrifft die rund 800.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe. 

Schlichter war der frühere Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement. Dem Kompromiss, der in der zweiten Schlichtungsrunde gefunden wurde, müssen beide Gremien noch zustimmen. 14 Tage haben sie dafür jetzt Zeit.

Der Schlichterspruch sieht folgendes vor:

  • Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten im Baugewerbe werden im Westen ab 1. Mai 2018 um 5,7 Prozent steigen, bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von 26 Monate.

  • Die Beschäftigten im Tarifgebiet West erhalten zum 1. November 2018 eine Einmalzahlung von 250 Euro, zum 1. Juni 2019 eine weitere von 600 Euro und zum 1. November 2019 noch einmal 250 Euro.

  • Angleichung der Löhne und Gehälter im Tarifgebiet Ost wird in zwei Schritten von 6,6 Prozent zum 1. Mai 2018 und um 0,8 Prozent zum 1. Juni 2019 weiter voran getrieben, so dass die Beschäftigten 7,4 Prozent höhere Löhne und Gehälter erhalten.

  • Die Beschäftigten im Tarifgebiet Ost erhalten zum 1. November 2019 eine Einmalzahlung von 250 Euro.

  • Das 13. Monatseinkommen wird in den Tarifbereichen, die bereits seit 2005 dem Tarifvertrag über ein 13. Monatseinkommen unterfallen, in 2020 um 10 Gesamttarifstundenlohn (GTL), in 2021 um 20 GTL, in 2022 und um 30 GTL erhöht. In den übrigen Tarifgebieten wird ein 13. Monatseinkommen in folgender Höhe eingeführt: 2020 18 GTL, 2021 36 GTL und 2022 54 GTL. Hier kann das 13. Monatseinkommen 2021 auf max. 390 Euro abgesenkt werden und in 2022 auf max. 500 Euro. 
     
  • Die Ausbildungsvergütungen werden in den ersten drei Lehrjahren im Westen um 65 Euro und im Osten im 60 Euro angehoben. Zudem bekommen die Auszubildenden nun bundesweit ein 13. Monatseinkommen. Im Hinblick auf die Erstattung von Unterbringungs- und Fahrtkosten der Auszubildenden beim Besuch von Landes- bzw. Bundesklassen der Berufsschulen wurde ein Pauschalbetrag von 60 Euro pro Monat vereinbart. Ziel ist es, mittelfristig eine Erstattung der Kosten über die Berufsbildungsumlage der Branche zu finanzieren. 
     
  • Es soll eine Expertenkommission eingerichtet werden, die insgesamt über eine Modernisierung des BRTV (Bundesrahmentarifvertrags) diskutieren soll, mit dem Ziel Änderungsbedarf zu ermitteln. 

 

Absolute Obergrenze für die Unternehmen

"Mit den 5,7 Prozent haben wir die absolute Obergrenze dessen erreicht, was unsere Unternehmen zu leisten vermögen", sagt Uwe Notiz nach der langen Verhandlung. Auf der anderen Seite biete die lange Laufzeit von 26 Monaten den Unternehmen Planungssicherheit, was es der Zustimmung der Arbeitgeber wiederum leichter gemacht habe.

"Wir waren uns bewusst", so Notiz, "dass die Beschäftigten hohe Erwartungen an diese Tarifrunde hatten, denen wir mit einer guten prozentualen Lohnerhöhung, mit Einmalzahlungen sowie dem 13. Monatseinkommen nachgekommen sind." Gleichzeitig hätten die Arbeitgeber im Hinblick auf die Annäherung der Ost- an die Westlöhne sowohl in Bezug auf die Lohntabelle wie auch auf die Einführung eines 13. Monatseinkommens einen großen Schritt gemacht.

Zusammengefasst sagt Notiz: "Wir haben uns die Zustimmung nicht leicht gemacht. Nun müssen wir um Zustimmung bei unseren Mitgliedern werben."

"Höchster Abschluss in diesem Jahr"

Foto: © IG BAU Foto: © IG BAU Wolfgang Clement (Mitte) erläutert den Schlichterspruch.Auch die IG Bau spricht von einem "zähen Ringen", ist aber zufrieden mit dem Ergebnis. "Mehrmals standen die Verhandlungen Spitz auf Knopf", sagte der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger. "Deutschland verzeichnet ein starkes Wirtschaftswachstum, und die Baubranche nimmt dabei einen Spitzenplatz ein. Entsprechend hoch waren die Erwartungen der Baubeschäftigten an diese Lohnrunde. Jetzt haben wir einen Durchbruch erzielt, wonach ein Facharbeiter ab sofort 1,11 Euro mehr die Stunde bekommt. Pro Monat bedeutet das ein Plus von rund 200 Euro. Das ist bundesweit der höchste Abschluss in diesem Jahr."

Quellen: ZDB; IG Bau

Text: / handwerksblatt.de

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