Mehrwertsteuer-Reform soll Betriebe entlasten

Mit einer Reform der Mehrwertsteuer-Regeln will die Europäische Kommission den Online-Handel erleichtern und Steuerverluste der Mitgliedstaaten ausgleichen.

Unternehmen sollen in der EU Verwaltungskosten von jährlich 2,3 Milliarden Euro einsparen (Foto: © maridav/123RF.com)

Die EU-Kommission hat neue Mehrwertsteuer-Regeln für den Online-Handel vorgeschlagen. Durch ein EU-weit einheitliches Portal für die auf Online-Umsätze fällige Mehrwertsteuer ("einzige Anlaufstelle") sollen Unternehmen in der EU Verwaltungskosten von jährlich 2,3 Milliarden Euro einsparen. Gleichzeitig sollen die neuen Vorschriften gewährleisten, dass die Mehrwertsteuer in dem Mitgliedstaat entrichtet wird, in dem der Endverbraucher ansässig ist. Das führe zu einer gerechteren Verteilung der Steuereinnahmen und helfe den Mitgliedstaaten, die derzeit auf 5 Milliarden Euro jährlich veranschlagten Steuerverluste bei Online-Umsätzen auszugleichen.

Neue Mehrwehrsteuervorschriften für Online-Verkäufe von Waren und Dienstleistungen: Derzeit müssen sich Online-Händler in allen Mitgliedstaaten, in denen sie Umsätze tätigen, für die Mehrwertsteuererhebung anmelden. Aus diesen Mehrwertsteuerpflichten, die oft als eines der größten Hindernisse für den grenzüberschreitenden elektronischen Geschäftsverkehr angeführt werden, entstehen Unternehmen Kosten in Höhe von rund 8.000 Euro für jedes EU-Land, in dem sie Verkäufe tätigen. Die Kommission schlägt nun vor, dass Unternehmen nur noch eine einfache vierteljährliche Steuererklärung für die gesamte von ihnen in der EU geschuldete Mehrwertsteuer einreichen müssen und dafür die einzige Anlaufstelle für die Mehrwertsteuer im Internet nutzen können. Der Verwaltungsaufwand für Unternehmen soll damit um 95 Prozent vermindert werden.

Vereinfachung der Mehrwertsteuervorschriften für Kleinstunternehmen und Start-ups: Die Kommission will einen neuen Schwellenwert von jährlich 10.000 Euro für Online-Verkäufe eingeführen, unter dem im grenzüberschreitenden Handel tätige Unternehmen weiter die ihnen aus ihrem Heimatland bekannten Mehrwertsteuervorschriften anwenden dürfen. Damit wird die Einhaltung der Mehrwertsteuervorschriften für EU-weit für 430.000 Unternehmen erleichtert, die 97 Prozent aller grenzüberschreitend tätigen Kleinstunternehmen ausmachen.

Ein zweiter neuer Schwellenwert von 100.000 Euro jährlich soll kleinen und mittleren Betrieben das Leben erleichtern, wobei die Vorschriften dafür vereinfacht werden, wie die Ansässigkeit ihrer Kunden festzustellen ist. Die Grenzwerte könnten bereits ab 2018 auf elektronische Dienstleistungen und bis 2021 auf Online-Verkäufe von Waren angewendet werden. Andere Vereinfachungen würden es den Kleinstunternehmen ermöglichen, die aus dem Heimatland vertrauten Mehrwertsteuervorschriften weiter anzuwenden, etwa die Vorschriften für die Rechnungstellung und das Führen von Aufzeichnungen. Die erste Anlaufstelle wird stets die Steuerverwaltung jenes Mitgliedstaats sein, in dem das betreffende Unternehmen ansässig ist; zudem wird die Buchführung der Unternehmen nicht mehr von jedem Mitgliedstaat, in dem sie Verkäufe tätigen, geprüft werden.

Maßnahmen gegen Mehrwertsteuerbetrug von außerhalb der EU: In die EU eingeführte Kleinsendungen mit einem Wert von weniger als 22 Euro sind derzeit von der Mehrwertsteuer befreit. Mit rund 150 Millionen Paketen, die jedes Jahr mehrwertsteuerfrei in die EU eingeführt werden, sei dieses System für massenhaften Betrug und Missbrauch anfällig, womit beträchtliche Wettbewerbsverzerrungen zulasten von Unternehmen in der EU entstehen würden. Erstens seien die EU-Unternehmen gegenüber ihren nicht in der EU ansässigen Wettbewerbern eindeutig benachteiligt, da sie vom ersten Eurocent an mehrwertsteuerpflichtig sind. Zweitens enthielten die Einfuhrunterlagen für hochwertige Waren systematisch zu niedrigere Wertangaben oder falsche Warenbeschreibungen, damit diesen die Mehrwertsteuerbefreiung gewährt wird. Die Kommission will diese Befreiung daher abschaffen.

Foto: © maridav/123RF.com

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