EU-Kommission startet Initiative für Berufsbildung

Die berufliche Ausbildung soll mit den sich verändernden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt Schritt halten. Dazu verabschiedet die EU-Kommission eine Initiative für Berufsausbildungen.

Der ZDH begrüßt die Initiative der Europäischen Kommission (Foto: © goodluz/123RF.com)

Um mit den sich verändernden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt Schritt zu halten, hat die Europäische Kommission eine Empfehlung mit 14 Schlüsselkriterien für hochwertige und nachhaltige Berufsbildung vorgestellt. Die Initiative gibt den Mitgliedstaaten und Akteuren aus dem Berufsbildungsbereich Vorschläge an die Hand, wie Berufsausbildung hochwertig und nachhaltig an die Anforderungen des Arbeitsmarkts angepasst werden kann.

"Durch die Schaffung einer direkten Verbindung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt bieten hochwertige und nachhaltige Berufsausbildungen jungen Menschen konkrete Möglichkeiten für den Einstieg in die Berufswelt und eine gute Position im Leben und stärken gleichzeitig Europas Humankapital. Dies wiederum ist entscheidend für eine höhere Wettbewerbsfähigkeit unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft", sagt Kommissionsvizepräsident Jyrki Katainen.

Lernende und Arbeitgeber sollen profitieren

Die für Beschäftigung und Qualifikationen zuständige EU-Kommissarin Marianne Thyssen ergänzt: "Wir wollen sicherstellen, dass junge Menschen die Qualifikationen erwerben, die sie für das Berufsleben brauchen. Zwei von drei Auszubildenden gelingt nach dem Ende ihrer Ausbildung der nahtlose Übergang in den Beruf. Mit dem heute vorgestellten neuen Rahmen definieren wir, was eine gute Berufsausbildung ausmacht. Wenn der Rahmen angenommen ist, wird er gewährleisten, dass Lernende und Arbeitgeber gleichermaßen von hochwertigen Berufsausbildungen profitieren."

Für die Bewertung der Qualität und Nachhaltigkeit einer Berufsausbildung sieht der vorgeschlagene Rahmen sieben Kriterien für Lern- und Arbeitsbedingungen vor:

  • (1) Schriftlicher Vertrag,
  • (2) Lernergebnisse,
  • (3) Pädagogische Unterstützung,
  • (4) Arbeitsplatz-Komponente,
  • (5) Bezahlung und/oder Aufwandsentschädigung,
  • (6) Sozialschutz,
  • (7) Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit.

 

Außerdem werden sieben Kriterien für Rahmenbedingungen vorgeschlagen:

  • (8) Regulierungsrahmen,
  • (9) Einbeziehung der Sozialpartner,
  • (10) Unterstützung für Unternehmen,
  • (11) Flexible Lernpfade und Mobilität,
  • (12) Berufsberatung und Sensibilisierung,
  • (13) Transparenz,
  • (14) Qualitätssicherung und Werdegang-Nachverfolgung.

 

Die Kommission unterstützt die Umsetzung dieser Kriterien durch EU-Finanzmittel. Der Vorschlag für einen Europäischen Rahmen für hochwertige und nachhaltige Berufsausbildungen ist Teil der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen und soll die Qualität und Relevanz des Kompetenzaufbaus verbessern. Ein Ziel besteht darin, mehr Menschen zu motivieren, sich für eine Berufsausbildung zu entscheiden. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der stärkeren Einbeziehung von kleinen und mittleren Unternehmen.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüßt die Initiative der EU-Kommission. "Besonders erfreulich ist, dass die Bedeutung der betrieblichen Komponente als Bestandteil der Berufsbildung hervorgehoben wird. Der betriebliche Praxisbezug während der Berufsausbildung ist für das deutsche duale Ausbildungssystem charakteristisch und durch die Kombination mit der theoretischen Wissensvermittlung ein entscheidender Erfolgsfaktor dieses Ausbildungsweges", so der ZDH.

Besondere Rolle der Sozialpartner wird anerkannt

Positiv sei auch, dass die besondere Rolle der Sozialpartner in der beruflichen Aus- und Weiterbildung anerkannt wird. "Die Empfehlung führt 14 Qualitätskriterien für ein gute Berufsausbildung auf. Dass unsere duale Berufsausbildung diese Kriterien weitestgehend abdeckt, unterstreicht aus ZDH-Sicht den Vorbildcharakter des deutschen dualen Systems im europäischen Berufsbildungskontext. Die Kommissionsempfehlung stellt somit eine gute, wenn auch sehr allgemeine Orientierungshilfe für die EU-Mitgliedsstaaten dar, die ihre Berufsbildungssysteme erfolgreich neu ausrichten möchten."

Um EU-Mitgliedstaaten bei der Gestaltung ihrer Berufsbildungssysteme gezielt zu begleiten, entwickelt der ZDH aktuell im Projekt SCIVET (Skilled Crafts Sector – International Vocational Education and Training) bildungspolitische Qualitätsstandards und ordnungspolitische Instrumente. "Der ZDH kommt damit seinem Anspruch nach, die EU-Mitgliedsstaaten bei der Transformation von Bildungssystemen konstruktiv zu unterstützen."

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