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"Handwerkspolitik ist mehr als Handwerksförderung"

Im Gespräch mit dem DHB über den zweiten Handwerksbericht der Landesregierung berichtet Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart über seine Pläne für die künftige Handwerkspolitik und -förderung.

Andreas Pinkwart will das Handwerk bei den Themen Fachkräfteentwicklung, Innovation und Übergang in das digitale Zeitalter unterstützen (Foto: © MWIDE NRW/R. Pfeil)

Im vergangenen Jahr hatte die rot-grüne Landesregierung einen Handwerksbericht veröffentlicht und gab damit erstmals einen Überblick über die Maßnahmen für das Handwerk in Nordrhein-Westfalen. Die schwarz-gelbe Regierung führt das nun mit dem zweiten Handwerksbericht fort. Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sprach über seine Pläne für die künftige Handwerkspolitik und -förderung.

Herr Pinkwart, Sie veröffentlichen weiterhin einen Handwerksbericht. Grundlage für den aktuellen Bericht sind noch Zahlen der alten Landesregierung. Wie lautet Ihr Fazit zu den Fördermaßnahmen?
Pinkwart: Der Handwerksbericht gibt einen Überblick über alle Aktivitäten der Landesregierung. Das beinhaltet natürlich klassische Förderprojekte. Aber Handwerkspolitik ist mehr als Handwerksförderung. Bei anderen Maßnahmen, zum Beispiel in der Aus- und Weiterbildung, sind die bereitgestellten Haushaltsmittel nicht besonders ausgewiesen. In den kommenden fünf Jahren wollen wir die Förder­instrumente weiter schärfen und die Handwerker dabei unterstützen, innovative und digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Was wollen Sie besser machen als die alte Regierung?
Pinkwart: Wir wollen das Handwerk bei den Themen Fachkräfteentwicklung, Innovation und Übergang in das digitale Zeitalter unterstützen. Zudem wollen wir es von unnötiger Bürokratie befreien. Beim Entfesselungspaket I haben wir das mit der Abschaffung der Hygieneampel und den Vereinfachungen beim Tariftreue- und Vergaberecht bereits getan. Beim digitalen Wandel müssen wir für Nordrhein-Westfalen die besten Rahmenbedingungen schaffen. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Branche die digitale Transformation schon selbst ambitioniert angeht. Viele Handwerkerinnen und Handwerker arbeiten bereits "smart". Vor einiger Zeit konnte ich mir eine Schreinerei in Köln ansehen, die dank modernster Fertigungstechniken nach den individuellen Wünschen des Kunden Möbelstücke baut, die auch noch bezahlbar sind. Als Politik wollen wir diesen Prozess unterstützen und das Handwerk zum Schrittmacher für den gesamten Mittelstand machen.

Das Handwerk hatte sich vor der Landtagswahl ein stärkeres Wirtschaftsministerium gewünscht. Das hat es bekommen. Abzulesen ist das auch am steigenden Ausgabenanteil am Haushalt, der sich im Entwurf für 2018 im Vergleich mit 2016 mehr als verdoppelt hat. Warum ist ein starkes Wirtschaftsministerium wichtig für Nordrhein-Westfalen?
Pinkwart: Für die Zukunft der Unternehmen in Nordrhein-Westfalen brauchen wir eine Wirtschaftspolitik aus einem Guss. Deshalb habe ich die Bereiche Innovation und Digitalisierung in das neu zugeschnittene Ministerium geholt. Wir stimmen Maßnahmen besser aufeinander ab und können früh ansetzen: Weil die Zuständigkeit für die Flächenausweisung mit der Landesplanung ins Wirtschaftsministerium gekommen ist, können wir die richtigen Steine ins Rollen bringen, im wahrsten Sinne des Wortes. Dadurch werden Prozesse unkomplizierter und schneller. Wir arbeiten aber natürlich mit allen Ministerien eng zusammen, nehmen die Anliegen der Unternehmen ernst und versuchen, wo nötig, ressortübergreifend Lösungen zu finden. Das gelingt uns in der neuen Landesregierung sehr gut.

Wie werden sich der größere Einfluss und die bessere finanzielle Ausstattung Ihres Ministeriums auf die Handwerksförderung auswirken?
Pinkwart: Wir arbeiten an zukunftsweisenden Rahmenbedingungen und Verbesserungen für Handwerk und Mittelstand. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Bereiche digitale Infrastruktur, Innovationsförderung, Energie und Bürokratieabbau. Um die Digitalisierung unserer Wirtschaft zu unterstützen, investieren wir gemeinsam mit dem Bund in den nächsten Jahren viel Geld in Breitband- und Gigabitinfrastruktur. Mit unseren Entfesselungspaketen schaffen wir Vereinfachungen für die Betriebe. Wir setzen zudem auf Fördermaßnahmen und entwickeln diese weiter. Der Abschlussbericht der Enquetekommission enthält Handlungsempfehlungen, die wir unserer Handwerkspolitik zugrunde legen wollen. Die Meistergründungsprämie ist ein gutes Beispiel: Jede Prämie schafft durchschnittlich vier Arbeitsplätze und löst private Investitionen in dreifacher Höhe aus. Wir werden die Förderlandschaft durch neue Programme, insbesondere im Bereich von Innovationen und Digitalisierung, ergänzen.

Die Fragen stellte Lars Otten

Foto: © MWIDE NRW/R. Pfeil

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