Mit Erika über den Hafen schweben

Für das Kunstfestival Ruhrtriennale hat die Firma Osterholt aus Castrop-Rauxel eine Stahlgondel gebaut, mit der Besucher über den Dortmunder Hafen schweben können.

Die "erika violette" Stahlplattform meistert den Belastungstest. Foto: Volker Hartmann/Urbane Künste Ruhr

Die Grenzen von Kunst und Handwerk sind bekanntlich bisweilen fließend. Den Beweis für diese These liefert in diesen Tagen die Castrop-Rauxeler Stahlbau-Firma Osterholt: Für das diesjährige Kunstfestival Ruhrtriennale hat das Unternehmen eine Stahlgondel gebaut, mit der Besucher über den Dortmunder Hafen schweben können – und für dieses Gebilde ist die Bezeichnung "Kunstwerk" nicht zu hoch gegriffen.

Nicht Pink, sondern "Erika violett"

"Erika" heißt die 4,5 Tonnen schwere Konstruktion, an der die Castrop-Rauxeler in den vergangenen Wochen gearbeitet haben – "Erika"? Thomas Osterholt lacht. "Der Name ist eigentlich eine Notlösung", erzählt der Geschäftsführer. "Wir hatten lange keine Bezeichnung für die Gondel – dann kam uns der Farbkatalog zur Hilfe."

Laien würden die Farbe, in der "Erika" angestrichen ist, als ein kräftiges Pink bezeichnen, in Wirklichkeit wird der Farbton "Erika violett" genannt. "Es wurde eine Farbe gesucht, die im Dortmunder Hafen auffällt, da haben wir uns dann für diesen Farbton entschieden", erzählt Thomas Osterholt – und legt Wert darauf, dass sich "Erika violett" vom "Telekom-Magenta" durchaus unterscheidet. Der Name blieb hängen – jetzt ist es also die "Erika", von der aus die Besucher der Ruhrtriennale den Ausblick auf den Dortmunder Hafen genießen können.

15 Gäste passen in die Stahlgondel

Die Stahlgondel, die 15 Besucher fasst und die von einem Kran in die Höhe gehoben wird, ist Teil der Installation "well,come" der Künstlergruppe osa – office for subversice architecture. Osa wurde von der Gelsenkirchener Kunstorganisation "Urbane Künste Ruhr" beauftragt. Die multimediale Installation ist noch bis zum 24. September 2016 auf dem Gelände des SAZ (Stahlanarbeitungszentrum Dortmund GmbH & Co. KG) zu sehen. Die Kunstfahrten in der Gondel heben das Publikum unter die Überdachung einer Werkhalle, dort erleben die Besucher eine Sound- und Videoperformance.

Anfang Juni hatte die Osterholt Stahlbau GmbH den Auftrag erhalten. "Wir haben da ein interessantes Projekt für Sie" – Thomas Osterholt kann sich noch an den Anruf von Carola Kemme von "Urbane Künste Ruhr" erinnern. Geplant hatte die Gondel die Künstlergruppe osa aus London und Berlin. Gemeinsam mit der Dortmunder Ingenieurgesellschaft W+G machte man sich bei Osterholt daran, die Pläne in die Wirklichkeit umzusetzen. Die langen Stahlausleger, die von der Plattform aus diagonal nach oben ragen, geben "Erika" ein fast insektenhaftes Aussehen – die Aluminiumbleche an den Seiten erwecken den Eindruck eines Schuppentieres.

Ungewöhnliche Aufträge sind keine Seltenheit

Was ihren Zweck und ihr Aussehen angeht, unterscheidet sich "Erika" erheblich von den Arbeiten, die sonst bei Osterholt erledigt werden – allerdings sind die Castrop-Rauxeler mit ungewöhnlichen Aufträgen durchaus vertraut. "Wir machen den schweren Stahlbau, den sonst nicht jeder macht", lautet die Faustformel von Thomas Osterholt, "in der Regel also alles, wozu man zum Transport einen Kran braucht." Dazu gehören etwa Stahlkonstruktionen für Fuß- und Radwegbrücken, Stützen für Lärmschutzwände, Parkhäuser und Parkhausspindeln, der 42 Meter hohe Aussichtsturm am Möhnesee und vieles mehr.

Die Firma gibt es seit über 40 Jahren

Die Firma Osterholt gibt es seit 1974: Damals gründete Gisbert Osterholt in Oer-Erkenschwick eine Bauschlosserei in einer kleinen Werkstatt. Das Unternehmen wuchs schnell, und schon bald wurden die Räume in Oer-Erkenschwick zu eng – 1983 wurde der Firmensitz an den heutigen Standort nach Castrop-Rauxel verlegt. Im Jahr 1987 wurde die Osterholt Stahlbau GmbH gegründet. Bernd und Thomas Osterholt, die Söhne des Firmengründers, stiegen 2005 in den Betrieb ein, Bernd Osterholt als Maschinenbau- und Schweißfachingenieur, Thomas Osterholt als Metallbaumeister und Betriebswirt des Handwerks. Seit 2013 sind die beiden Geschäftsführer. Durch den Kauf des Nachbargrundstücks wurde 2014 die Betriebsfläche auf 3600 Quadratmeter erweitert. Der Betrieb beschäftigt nun 25 Mitarbeiter.

Matthias Heselmann

Foto: Volker Hartmann/Urbane Künste Ruhr

Leserkommentare

nach oben