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Junges Handwerk baut Geburtsklinik in Ghana mit

Zwölf junge Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region haben in Ghana am Bau einer Geburtsklinik im Dschungel mitgewirkt.

Sonja Riedrich (l.) von Engagement Global sowie Thomas Schaplik (3.v.l.) und Franz Klein-Wiele (vorn l.) von der PBSA überreichten den jungen Handwerkerinnen und Handwerkern die Zertifikate der Zusatzqualifikation in der Entwicklungszusammenarbeit. Knut Heine, stv. HWK-Hauptgeschäftsführer (r.), freute sich mit ihnen. Foto: © teamfoto Marquardt

Die Auszubildenden und Fachkräfte unterstützten die Bauarbeiten zusammen mit Architekturstudierenden der Peter Behrens School of Arts (PBSA) in Düsseldorf, Schülern der lokalen Handwerkerschule und Dorfbewohnern. Die Junghandwerker eigneten sich in ihrem Einsatz neben neuen persönlichen und beruflichen Erfahrungen auch Wissen über andere Kulturen und globale Zusammenhänge, interkulturelle Kompetenzen und Fremdsprachenkenntnisse an. Sie erwarben dadurch die Zusatzqualifikation "Junges Handwerk in der Entwicklungszusammenarbeit". 

Die Teilnahme an dem Projekt hatte die Kontaktstelle Ausland der Handwerkskammer (HWK) Münster vermittelt. Lehrlinge und Gesellen bis 27 Jahren haben 2018 erneut die Gelegenheit zur Mitwirkung an Projekten der Entwicklungszusammenarbeit: In Ghana steht die Errichtung des Klinikwohnheim für Ärzte und Hebammen an und in Kapstadt (Südafrika) sollen eine Schule und ein Kindertheater unterstützt werden. 

Ansprechpartnerin bei der Handwerkskammer (HWK) Münster ist Anita Urfell Tel.: 0251/ 705-1460.

Text: HWK Münster Pressestelle, Fotos: © teamfoto Marquardt; © Peter Leßmann

Kommentar:

Entwicklung von Werten

Rund 30 junge Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Kammerbezirk Münster haben in den vergangenen zwei Jahren die Chance wahrgenommen: Sie wagten den Schritt nach Afrika und Asien, um in einem geförderten Projekt der Entwicklungszusammenarbeit fachlich und persönlich über sich hinauszuwachsen – sie haben "Kopf und Herz geweitet", wie viele Rückkehrer berichteten.

Am beeindruckendsten war für die meisten Junghandwerker aus Deutschland die Bescheidenheit von Menschen in Nepal, Ghana und anderswo, die, auch wenn sie in Armut leben, Zufriedenheit ausstrahlen. Bei der partnerschaftlichen Errichtung von Gebäuden mit  Einheimischen verschiebt sich oftmals das eigene Wertegefüge hin zu mehr Verständnis und Menschlichkeit. Man lernt fernab vom europäischen Zuhause das Wesentliche noch einmal anders zu schätzen.

Darüber hinaus sehen wir bei der Handwerkskammer regelmäßig (die HWK unterstützt die Organisation eines solchen Vorhabens), dass die jungen Menschen nach ihrer Heimkehr von mehrwöchigen Einsätzen flexibler im Denken und Handeln geworden sind. Sie wissen jetzt mehr denn je, dass Ziele erreichbar sind, vielleicht auch auf anderen Wegen als den vertrauten. Dieses Selbstbewusstsein ist höchst kostbar für den eigenen Lebens- und Berufsweg.

MS HUND2Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster. Foto: © Peter LeßmannIn interdisziplinären Teams der Entwicklungszusammenarbeit erfahren die Teilnehmer, dass sie bei diesen Einsätzen sehr begehrte Kräfte sind. Handwerkern kommt ein hoher Stellenwert im Entwicklungsdienst zu. Oft arbeiten sie Hand in Hand mit Studierenden zusammen. Da zählt dann allein das Projekt, Unterschiede zwischen Bildungsgängen verwischen. Insofern tragen solche Einsätze auch zur Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung bei. Nicht zuletzt zeigen sie, dass Handwerker mehr als Humankapital sind, sondern eine Wirtschaftsgruppe, die Verantwortung übernimmt: vor Ort, in der Region, im Heimatland und sogar weltweit.

Von den jungen Handwerkern, die ihren Horizont in einem Entwicklungsprojekt ausdehnen konnten, profitieren auch Betriebe: Der Fach- und eventuell Führungskräftenachwuchs kommt mit höheren sozialen und handwerklichen Kompetenzen zurück. Das ist eine Bereicherung für  den Umgang mit neuen Problemstellungen, dem Kollegenkreis und Kundenstamm. Es ist gut und  richtig, dass die Zusatzqualifikation "Junges Handwerk in der Entwicklungszusammenarbeit" diese Kompetenzen für die berufliche Vita bescheinigt.

Ich möchte noch mehr Handwerker auf diese Chance aufmerksam machen und Betriebe dafür gewinnen, Auszubildende und junge Fachkräfte zur Teilnahme an den spannenden Projekten zu ermuntern und zu begeistern, auch wenn sie dann einige Wochen bei der Arbeit hier fehlen. Das Engagement lohnt sich in vielerlei Hinsicht für beide auf Dauer.

Hans Hund

Präsident der Handwerkskammer Münster

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