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Unschuldiges Opfer der Gesetzeslücke

Ein Fensterbauer muss Insolvenz anmelden, obwohl er nichts falsch gemacht hat. Die Haftung für fehlerhaftes Material zwingt ihn dazu. Die Politik löst ihr Versprechen nicht ein, das Gesetz zügig zu ändern.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Recht
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Foto: 123rf
Volker Odenbach, Glaser und Fensterbauer aus Landau, ist verzweifelt: Ihm droht die Insolvenz. Und das, obwohl seine Auftragsbücher voll sind und er immer alle Kundenwünsche einwandfrei erledigt hat. Aber jetzt soll der Handwerker 26.000 Euro berappen, die er nie mehr wieder sehen wird.

Grund ist ein Materialfehler bei seinem letzten Auftrag. Er baute das Atelier eines Künstlers zu einer Stahl-Fensterfront aus; mit Fenstern eines Schweizer Herstellers, bandverzinkt. Zumindest lautete so die Bestellung, die er bei seinem Händler aufgegeben hat. Erst als sich sechs Wochen nach dem Einbau Rost bildet, stellt sich heraus: Die Fenster sind keineswegs verzinkt, und damit für den Außenbereich ungeeignet. Weil sie endbehandelt geliefert wurde, war dies vorher nicht erkennbar. Das Gutachten eines unabhängigen Instituts bestätigt diesen Mangel.
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Zwar ist der Hersteller bereit, neue Fenster zu liefern, für Odenbach ist das eigentliche Desaster aber: Er muss die komplette Fenster-Konstruktion ersetzen, also die alten Fenster entfernen und die neuen einbauen. Dafür muss er einen Kran anmieten, die gesamten Kosten belaufen sich auf 16.000 Euro. Hinzu kommt, dass der Künstler und 10.000 Euro Schadensersatz fordert, weil er während des Umbaus sein Atelier nicht nutzen kann. Dieses Geld kann der Handwerker sich aber weder vom Händler noch vom Hersteller zurückholen. So will es die aktuelle Rechtslage.

Aussichtslose Lage

"Ich habe mit einem ehemaligen Bundesrichter gesprochen: Der meinte, ich hätte da einfach die A…karte gezogen!", berichtet Odenbach von seinen Versuchen, die aussichtslose Lage mit Hilfe von Experten zu retten. Natürlich hat sein Rechtsanwalt Manfred Pauly versucht, Händler und Hersteller in die Pflicht zu nehmen – ohne Erfolg. Denn: "Alle haben sich ja nur der geltenden Rechtslage entsprechend verhalten und keine Pflicht verletzt", erklärt der Jurist. "Es ist einfach ein tragischer Fall, der so nicht wieder passieren sollte!" Odenbachs Betrieb hatte einmal 20 Mitarbeiter, nun steht er vor dem Ruin – ganz ohne eigenes Verschulden.

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