100.000 E-Kilometer sparen 14.000 Euro

E-Mobile sind im Kommen. Am Rande der Veranstaltung "Zukunftssicher mobil im Handwerk" der Handwerkskammer Münster erzählen zwei Unternehmer, die auf E-Mobilität setzen, aus der Praxis.

Handwerk
Der Hagener Gebäudereinigermeister Hans-Peter Scheene (r.) setzt bereits heute auf Elektroautos. Der Unternehmer sieht aber noch erheblichen Verbesserungsbedarf für die Technologie. Foto: © Volker Wiciok

Hans-Peter Scheene ist Geschäftsführer des Hagener Gebäudereinigungsbetriebs Werner Scheene mit 75 Mitarbeitern und zehn Autos. Und überzeugter E-Mobilist: "Seit 2012 stellen wir unseren Fuhrpark um", erzählt er. Der erste Stromer war ein Renault Twizy: "Unseren Stadtflitzer", nennt ihn der Gebäudereinigermeister. "Den haben wir angeschafft, um nicht ganz so stinkend von A nach B zu kommen ..." Da man im Betrieb auf den französischen Hersteller setzt und zudem vom Twizy begeistert war, wurde schon ein Jahr später ein "echtes" Elektroauto angeschafft: "Wir haben einen Renault Kangoo als E-Mobil gekauft." Bereits vorhanden war der Kangoo in der Maxi-Version als Dieselfahrzeug: "Wir wussten also, was uns erwartet", betont Scheene.

Trotzdem war man ganz neu begeistert: "Er fährt sich auch als Elektroauto sehr komfortabel", urteilt Scheene. Sukzessive wurde der bestehende Verbrenner-Fuhrpark nun auf Elektroautos umgestellt: "Wir haben zwei Kangoos, den Twizy, einen Mitsubishi i-miev, zwei Renault Zoe, einen kia Soul, dazu noch einen Transporter und ein Ersatzdieselfahrzeug", zählt der Handwerksmeister auf. Zu den großen Vorteilen gehöre die Kostenersparnis: "Wir fahren mittlerweile 100.000 elektrische Kilometer im Jahr bei einer Ersparnis von 14 Cent pro Kilometer – also 14.000 Euro pro Jahr." Dazu kämen zwölf Tonnen eingespartes CO2. Die geringe Reichweite von 100 bis 130 Kilometern habe sich im Alltag bislang noch nicht negativ bemerkbar gemacht, wie Scheene sagt: "Wir sind rund 400.000 Kilometer mit den E-Mobilen gefahren – liegengeblieben bin nur ich einmal, mit dem Twizy." Dennoch sieht Scheene auch Nachteile bei den Elektroautos: "Abgesehen von Tesla gibt es keinen Hersteller, bei dem es nicht irgendeine Krux gibt", sagt der Hagener. Zubehör wie Anhängerkupplungen gebe es etwa kaum. Auch die Ladegeräte seien nicht optimal: "Die Mittagspause reicht nicht zum Aufladen: Wir kommen in der Regel mit der Reichweite klar – wenn es mal weiter weggeht, müsste man schneller aufladen können", kritisiert der Gebäudereiniger, der dennoch von der Technik absolut überzeugt ist: "E-Autos kommen, es dauert halt nur noch ein wenig, bis sie gänzlich praktikabel sind."

Großer Vorteil: Bremsvorgang

HandwerkDer Bocholter Elektromeister Jürgen Willing setzt bereits heute auf Elektroautos. Der Unternehmer sieht aber noch erheblichen Verbesserungsbedarf für die Technologie. Foto: © Volker WiciokAuch Jürgen Willing, Elektromeister und geschäftsführender Gesellschafter von Tekloth Energie- und Gebäudetechnik aus Bocholt, fährt seit Jahren elektrisch: "Wir haben 130 Mitarbeiter und sind im Umkreis von 70 Kilometern um Bocholt tätig", so Willing. Im Betrieb gibt es seit fünf Jahren einen umgebauten Pkw Suzuki Splash. Zudem fährt der Handwerker seit vier Jahren einen Tesla, Modell S. "Ich mache das, um langfristig von den fossilen Brennstoffen wegzukommen", sagt er. Ein Nebeneffekt sei der authentische Marketingeffekt: "Man sieht, wir reden nicht nur von Ökologie und erneuerbaren Energien – wir tun auch was." Geplant sei die Anschaffung eines Nissan e-NV200, möglichst noch in diesem Jahr: "Das ist ein Kastenwagen für die Monteure." Der Fuhrpark umfasst 70 Fahrzeuge, 50 sind Kastenwagen, der Rest normale Pkw. Darunter sind auch acht Erdgas-Fahrzeuge: "Die Ansage ist: Wir schaffen keine neuen Verbrenner-Autos mehr an", so der Handwerker.

Für ihn ist ein Vorteil der E-Autos der Bremsvorgang: "Die Energie verpufft nicht, sie geht in die Batterie. Außerdem ist das Fahrverhalten sehr angenehm", sagt er. Gleiches gelte für die Beschleunigung: "Von 0 auf 100 in 4,4 Sekunden ohne Schaltvorgang und Ruckeln – das ist schon toll." Ebenfalls als Vorteil sieht Willing die Geräuscharmut. Dagegen stehe die geringe Reichweite: "Außer bei Tesla und dem Opel Ampera E, den wir auch anschaffen wollen, ist das ganz klar ein Problem", bedauert Willing. Auch die Dauer des Ladevorgangs müsse sich verbessern: "40 Minuten für den Tesla sind erträglich. Aber vier bis acht Stunden an den normalen E-Tankstellen – das geht im Alltag nicht", klagt er. Für ihn hat die Mobilität der Zukunft drei Richtungen: "Neben der E-Mobilität wird es auch in den Bereich Erdgas und Wasserstoffzellen gehen", ist der Bocholter überzeugt.

Text: Wolfgang Weitzdörfer; Fotos: © Volker Wiciok

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