Schick im Schlamm

Von den Straßen sind sie nicht mehr wegzudenken: Jedes vierte neu zugelassene Fahrzeug ist mittlerweile ein SUV, sie sind damit die beliebteste Fahrzeuggattung.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Schick im Schlamm - SUV-Spezial
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SUV stehen für Freiheit und Erfolg. Die Autos sind bei den Neuzulassungen die beliebteste Fahrzeuggattung. Foto: © Nick Dimbleby

Die diesjährige Internationale Auto-Ausstellung, besser bekannt als IAA, hatte eine Überraschung parat. Wer im Jahr 2017 bei seinem Gang über das Messegelände erwartet hatte, in der hitzigen Diskussion um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge jede Menge neue Elektro- oder zumindest Hybridfahrzeuge zu sehen, wurde bitter enttäuscht. Zwar stellte die Autoindustrie jede Menge Weltpremieren vor – doch zwei Drittel der Neuvorstellungen waren SUV. SUV steht für Sport Utility Vehicle, was sich grob mit Sport- und Nutzfahrzeug übersetzen lässt. Sie haben durchaus den Charakter einer Geländelimousine, weil sie die Fahreigenschaften eines Geländewagens mit denen einer Limousine kombinieren. Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede zwischen diesen beiden Kategorien – auch wenn die Grenzen immer mehr verschwinden.

SUV haben vor allem optische Geländeeigenschaften: eine höhergelegte Karosserie, die mehr Bodenfreiheit (eine wichtige Eigenschaft für das Fahren im Gelände) bietet, einen angedeuteten Unterbodenschutz und verbreiterte Radkästen. Auch den Antrieb haben sie bei den Geländegängern abgekupfert: Viele Modelle bieten heute einen Allradantrieb, ansonsten ist ein Frontantrieb üblich. Gerade in Sachen Offroad-Qualitäten unterscheiden sich die echten Geländegänger aber deutlich von den SUV. Sie haben mehr Bodenfreiheit, höhere Watt-Tiefe, andere Böschungswinkel und eine stabilere Karosserie (mehr zu den technischen Unterschieden können Sie hier lesen). Vor allem aber sind SUV eher für den Großstadtdschungel und damit für die Straße gebaut als für Fahrten ins Gelände – und damit ist echtes Gelände gemeint, keine Schotterpisten oder Feldwege, die sich mit jedem herkömmlichen Fahrzeug bewältigen lassen.

SUV-Zielgruppe: Mütter

Aber gerade die optischen Merkmale wie eine höhergelegte Karosserie sind es, die den SUV auf dem Automarkt weltweit zum Durchbruch verholfen haben. Das zeigt die Statistik des Kraftfahrtbundesamts in Flensburg. SUV und Geländewagen hatten im Monat August zusammen einen Marktanteil von mehr 25 Prozent bei den Neuzulassungen. Damit haben sie den früheren Spitzenreiter der Kompaktwagen auf Platz 2 abgedrängt. Ihr Marktanteil beträgt "nur" noch 24 Prozent. Der Trend gilt nicht nur für Deutschland: Weltweit lag der Anteil der SUV bei den Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres 2017 bei 36,7 Prozent. Das hat das Marktforschungsinstitut focus2move ermittelt. Dabei streiten sich der Honda CR-V und der Toyota RAV4 um die globale Führungsposition, auf Platz 3 folgt der VW Tiguan. Der Boom geht vor allem auf drei Zielgruppen zurück: den Millennials, also bei den 17- bis 34-Jährigen, Müttern mit Kindern im eigenen Haushalt und den Quintastics, den über 50-Jährigen. Das hat eine Studie des Autoherstellers Ford gezeigt, die 2016 5.000 Teilnehmer aus fünf verschiedenen europäischen Ländern befragt hatte. Dabei zeigte sich: Rund ein Drittel der Mütter erwägt den Kauf eines SUV, ähnlich sieht es in den anderen beiden Zielgruppen aus.

Erstaunlich ist, dass die SUV einen Imagewandel hingelegt haben. Ursprünglich von Spöttern gern als "Super unnützes Vehikel" wegen ihrer einst horrenden Verbräuche tituliert, werden sie zunehmend europaweit als umweltfreundlich und erschwinglich angesehen. Für Mütter ist ein SUV ein stylisches und sicheres Familienauto, Millennials sehen sie als eine "attraktive Wahl" und für die Quintastics symbolisiert ein SUV aktiven Lifestyle und Freiheit. "SUV sind genau die richtigen Fahrzeuge für verschiedene Gruppen, da sie maßgeschneiderte Lösungen bieten – genau wie ein Smartphone, das gleichzeitig Kamera, Media Player und Taschenlampe ist", sagt Roelant Christian de Waard, Vizepräsident für Marketing, Verkauf & Service bei Ford Europe, bei der Vorstellung der Studie im letzten Jahr. "Sie bieten vernünftige Ansätze für Abenteurer, für das Fahren der Kinder zur Schule oder einfach ein tolles Fahrzeug, mit dem man gesehen werden möchte, wenn man Freunde trifft." Fest steht, dass sich das Angebot laufend erweitert und mittlerweile in jedem Segment und in allen Preisklassen Modelle angeboten werden.

 

Beliebtheit: 63 Prozent der befragten Mütter, so die Ford-Studie, sind der Meinung, dass ein SUV bei widrigen Wetterverhältnissen ideal ist. Schließlich kommt es für vier von fünf Müttern darauf an, dass sie ein Fahrzeug haben, das bei schlechtem Wetter gute Fahreigenschaften bietet. Außerdem meinen 46 Prozent, dass ein SUV für Fahrfreude steht.

Komfort: Bei den Quintastics steht dagegen eher der Komfort im Vordergrund. Zwei Drittel (in Deutschland sogar 71 Prozent der 50- bis 59-Jährigen) schätzen die höhere Sitzposition, 54 Prozent glauben, dass ein SUV besser als andere Fahrzeugtypen sie überall hinbringen kann – da bricht der Lifestyle- und Freiheitsgedanke durch. Den hegt auch jeder Zweite der befragten Millennials: 52 Prozent sind der Meinung, dass kein anderes Fahrzeug einen aktiven Lebensstil so unterstützt wie ein SUV. Für jeden Dritten ist diese Fahrzeugkategorie auch ein Erfolgssymbol.

Text: Stefan Buhren; Foto: © Nick Dimbleby

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