Skontozahlung lohnt sich fast immer

Der Lieferantenkredit ist zwar bequem, aber in der Regel auch eine der teuersten Formen der kurzfristigen Finanzierung. Wenn dagegen ein Lieferant Skontozahlung anbietet, sollte man sofort zuschlagen.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Banken und Kredite: Was Handwerker wissen müssen
Skontozahlung lohnt sich fast immer
Der Zinsvorteil kann sich sehen lassen. (Foto: © mizar21984/123RF.com)

Die zwei oder drei Prozent Skonto, die sich zunächst vielleicht nach nicht viel anhören, sind übers Jahr gesehen ein äußerst attraktiver Zinssatz. Oder umgekehrt: Der Lieferant hat den Abzug in der Regel einkalkuliert, und wer nicht darauf eingeht, der zahlt drauf.

Trotzdem wird der Lieferantenkredit – also der Zahlungsaufschub, den der Verkäufer anbietet – immer noch sehr gerne genutzt. Er ist nach dem Eigenkapital und neben der Bankfinanzierung die wichtigste Quelle für die kurzfristige Finanzierung neuer Anschaffungen. Der Lieferantenkredit ist eben sehr einfach zu handhaben – man bekommt die Ware, kann sie sofort nutzen, zahlt sie aber erst Wochen später. Was viele Gründer und vereinzelt auch gestandene Unternehmer nicht bedenken: Dieser Zahlungsaufschub ist eine der teuersten Finanzierungsformen.
Selbst der Kontokorrent-Kredit ist immer günstiger
"Eine Skontozahlung lohnt sich fast immer, selbst wenn ich den teuren Kontokorrent-Kredit oder einen Betriebsmittel-Kredit in Anspruch nehmen muss, um die Rechnung zu bezahlen", sagt Ulrich Lippe, Unternehmensberater bei der Handwerkskammer Düsseldorf. Der Zinsvorteil kann sich sehen lassen. Ein Beispiel: Der Lieferant bietet bei einer Rechnung über 10.000 Euro und einem Zahlungsziel von 30 Tagen zwei Prozent Skonto, wenn der Kunde innerhalb von zehn Tagen zahlt.

"Der Handwerker kann von der Rechnung 200 Euro abziehen, wenn er den Skontovorteil nutzt. Muss er für die restliche Summe von 9.800 Euro für 20 Tage sein Firmenkonto überziehen und zahlt 12,5 Prozent Jahreszins für den Kontokorrent, fallen 68 Euro an. Er hat dann aber immer noch 132 Euro gespart", erklärt Ulrich Lippe. Bei mehreren Rechnungen summiere sich das auf einen stolzen Betrag.

Der kleine, aber feine Unterschied ...
SkontozahlungNimmt der Handwerker alternativ für die Zwischenfinanzierung einen langfristigen Betriebsmittel-Kredit in Anspruch, für den die Bank sechs Prozent Zinsen im Jahr verlangt, kostet ihn das 33 Euro. Gespart werden dann bei Skontozahlung sogar 167 Euro. Der kleine, aber feine Unterschied: Bei den Zinsen für den Bankkredit handelt es sich um Jahreszinsen, die zwei oder drei Prozent Skonto beziehen sich nur auf zehn oder 14 Tage. Das macht den Skonto so attraktiv.

Selbst wenn man den Restbetrag für die neue Anschaffung mit Hilfe der Hausbank zwischenfinanziert. Eine Faustformel besagt: solange der Zinssatz des Kontokorrent- oder Betriebsmittel-Kredits knapp unter 38 Prozent liegt, lohnt es sich, das angebotene Skonto zu nutzen. Noch einen Vorteil haben Schnellzahler: Sie stehen beim Lieferanten in einem guten Ruf als zuverlässige Partner.

Muss man auf den Preisnachlass verzichten, etwa weil keine liquiden Mittel vorhanden sind und der Kontokorrent am Anschlag ist, dann zahlt man über den Lieferantenkredit eine Art Zins an den Verkäufer, der es in sich hat (siehe Beispielrechnung). Ulrich Lippe: "Der Lieferantenkredit rechnet sich deshalb nur bei extremen Zinsbedingungen und wenn das Zahlungsziel gleichzeitig ungewöhnlich lang ist, beispielsweise 90 Tage oder mehr." Eine Kombination, die so gut wie nie vorkommt.

Kunden haben übrigens nur die Möglichkeit, eine Rechnung zu skontieren, wenn der Verkäufer dies ausdrücklich in der Rechnung beziehungsweise den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vermerkt. Von selbst die Rechnung um zwei Prozent oder drei kürzen, nur weil man fix bezahlt – das ist nicht möglich.

Skonto ist besser als Preisnachlass!
"Umgekehrt kann es auch sinnvoll sein, seinen eigenen Kunden Skonto anzubieten", gibt Kammerberater Lippe zu bedenken. "Skonto ist für das Marketing ein viel interessanteres Mittel als beispielsweise der Preisnachlass. Beim Nachlass wird das eigene Produkt abgewertet, aber mit Skonto kann ich meinen Kunden ein attraktives Angebot machen, ohne mit ihnen über einen Rabatt verhandeln zu müssen." Natürlich sollte der Preisnachlass dann beim Angebot berücksichtigt werden. Der Kunde hat nun ein schlagendes Argument, seine Handwerker-Rechnung schnell zu bezahlen.

Text: Kirsten Freund; Fotos: © mizar21984/123RF.com,  © picsfive/123RF.com

Die Kosten:

Es gibt eine Formel zur annähernden Berechnung des effektiven Zinssatzes eines Lieferantenkredits. Daran kann man erkennen, wie    teuer der Lieferantenkredit im Vergleich zum Bankkredit für den Kunden sein kann:
Effektiver Jahreszins = Zahlungsziel x 360             
                                     Zahlungsziel - SkontofristBeispiel: Der Lieferant bietet drei Prozent Skonto bei Zahlung innerhalb von zehn      Tagen und einem Zahlungsziel von 30 Tagen:

3 % Skonto x 360 Tage/Jahr                              = 54 %
30 Tage Zahlungsziel - 10 Tage Skontofrist

Dieser Zinssatz bezieht sich allerdings nur auf die Zeit zwischen dem Ende der Skontofrist und dem Zahlungsziel, also auf 20 Tage.  Der Zinssatz für die gesamte Kreditfrist (30 Tage) liegt im obigen Beispiel bei rund 37 Prozent im Jahr, ist also deutlich niedriger.

Quelle für das Rechenbeispiel: Wikipedia

 

Leserkommentare

10.02.2015 01:23:12 Uhr
dbauer

Rechnungen von Zulieferer kann man innerhalb 30 Tagen zahlen ---da ist nix verdient bei - ich zb habe 4 % Skonto innerhalb 10 Tagen bei einem Jahresumsatz von ca 250 T euro --= ca 10 T euro ersparniss- das gibts auf keiner Bank IM JAHR bitteschoen.

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12.02.2013 12:03:17 Uhr
Peter333

Hallo Freunde,

ich schreibe meine Abschlussarbeit und möchte gerne Wissen, wie oft Unternehmen überhaupt ihre Skontorechte in Anspruch nehmen.

Arbeitet jemand in der Finanzabteilung, weiß jemand bescheid?

MfG

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