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Bürgschaften – mit und ohne Bank

Wenn die Sicherheiten für eine Kreditbewilligung bei der Hausbank nicht ausreichen, können Unternehmer eine Ausfallbürgschaft von der Bürgschaftsbank ihres Landes erhalten. Jede vierte Bürgschaft in Deutschland wird an einen Handwerker vergeben.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Banken und Kredite: Was Handwerker wissen müssen
Foto: © gajus/123RF.com
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Eine Bürgschaft kommt für Gründer wie auch für etablierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) infrage. Sie können damit Existenzgründungen, Investitionen für Geschäfts- und Betriebserweiterungen,Betriebsverlagerungen, Gewährleistungen sowie Innovationen und Betriebsmittel absichern. Für bis zu 80 Prozent eines Kredits haftet die Bürgschaftsbank bei Investitionen, maximal ist das eine Million Euro. Bei Betriebsmittel- und Avalkrediten ist die Haftung auf 60 Prozent der Kreditsumme begrenz Stephan Jansen, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken, sagt: "Das Geschäftsmodell der Bürgschaftsbanken setzt genau da an, wo es am nötigsten ist. Sie verhelfen mittelständischen Unternehmen zu Krediten, indem sie für tragfähige Vorhaben Bürgschaften stellen und fehlende Sicherheiten ersetzen." Tatsächlich kommen die Bürgschaftsbanken nur dann ins Gespräch, wenn es keine andere Möglichkeit der Sicherheitenstellung gegenüber der Hausbank gibt und die Finanzierung somit scheitern würde.


"Jeder Bürgschaftsantrag wird als Einzelfall betrachtet"

Dabei werden nur betriebliche Aktivitäten unterstützt, bei denen der Investitionsort im Bundesland der jeweiligen Bürgschaftsbank liegt. Investitionsvorhaben außerhalb Deutschlands sind grundsätzlich ausgeschlossen. Wer eine Bürgschaft haben will, muss wie bei einem Kreditantrag auch hier "ordentliche wirtschaftliche Verhältnisse und positive Zukunftsperspektiven" nachweisen. Nicht verbürgt werden Kredite für Sanierungen.

"Jeder Bürgschaftsantrag wird als Einzelfall betrachtet, es gibt kein starres Kreditentscheidungsraster", betont Jansen. Entschieden wird in einem Ausschuss, dem auch Gesellschafter der Bürgschaftsbank und Vertreter der Landesministerien angehören. Antragsteller, die Arbeitsplätze schaffen oder sichern, haben gute Karten für eine Zusage.

Die Konditionen werden von den einzelnen Bürgschaftsbanken in den Bundesländern festgelegt. Sie haben eine gewisse Bandbreite, unterscheiden sich aber nur minimal. Bei einer Zusage müssen die Unternehmer folgende Kosten einplanen, die je nach Bundesland variieren: eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 1,0 bis 1,5 Prozent auf die Höhe der Bürgschaft oder des Kreditbetrags und 0,8 bis 1,7 Prozent auf den verbürgten Kreditbetrag als jährliche Bürgschaftsprovision. Die Laufzeit der Bürgschaft beträgt bei Investitionen bis zu 15 Jahre (bei Betriebsmitteln bis zu acht Jahre). Bei Programmkrediten der öffentlichen Hand und gewerblichen Baufinanzierungen ist auch eine längere Laufzeit möglich.

Im Erfolgsfall kommt das Geld zügig

Der klassische Bürgschaftsantrag wird über die Hausbank gestellt. Für Bürgschaften bis zu 100.000 Euro gibt es aber auch eine andere Variante: die Bürgschaft ohne Bank (BoB) oder auch Bürgschaft Direkt (Rheinland-Pfalz). Dabei reicht der Antragsteller sein Gesuch direkt bei der Bürgschaftsbank ein. Das geht auch online. Der Vorteil: Er erhält innerhalb von drei bis vier Wochen die Entscheidung über die Bewilligung und Handwerkkann im Erfolgsfall zügig das Geld ausgezahlt bekommen.

Vor allem für Gründer, die noch gar keine Hausbank haben, ist die BoB-Variante interessant. Falls ihr Plan als erfolgversprechend eingestuft wird, erhalten sie eine vorläufige Bürgschaftszusage, mit der sie leichter eine Hausbank für Ihre Finanzierung finden können. Durch die Bürgschaftszusage bringen sie ihre Sicherheit gleich mit.

Bürgschaften über Versicherungen

Bei der Bürgschaft ohne Bank entfällt die Bankberatung. Handwerkliche Gründer werden ohnehin durch ihre Handwerkskammern beraten, damit sie ein möglichst tragfähiges Unternehmenskonzept entwickeln. In den ersten drei Jahren nach einer Bürgschaftszusage erhalten die Jungunternehmer von den Betriebsberatern der Kammern zusätzlich einen kostenlosen Check-up zur Risiko-Früherkennung. Der sogenannte StarterScheck soll sie vor finanziellen Problemen bewahren.

Vergleichsrechner für Bürgschaftsversicherungen Viele Vorteile im Vergleich zu den Bürgschaften über Banken bieten Bürgschaften über Versicherungen. So muss eine Bank nach den Kreditvergaberichtlinien handeln und möchte das Aval-Geschäft eigentlich gar nicht machen. Die Kautionsversicheurng kann hingegen das Risiko nach Versicherungsprinzip verteilen. Weitere Vorteile sind: 
– mehr Liquidität (das schafft Reserven, verringert Betriebsmittelkredite oder Kontokorrentkredite oder bietet die Grundlage für Investitionen)
– Sicherheit gegen Insolvenz des Auftragebers
– keine Anrechnung auf die Gesamt-Kreditlinie (d.h. es verbessern sich die Gesamt-Kreditkonditionen und es werden Kreditlinien frei)
– Einfache Abwicklung über das Online-Portal einer Kautionsversicherung

Allerdings sind die Kosten bei Bürgschaften über Versicherungen relativ hoch (0,8-2,5 Prozent, sogenannter Avalzins). Zudem ist die jeweilige Jahresprämie von der Bonität des Betriebes abhängig.

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