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Checken Sie Ihre Altersvorsorge!

Die Hauptrisiken für Altersarmut hat ein Experte schnell ausgemacht: Neben dem Konkurs gehören eine Scheidung und die Hoffnung auf den Betriebsverkauf dazu. Wie Handwerksunternehmer am besten vorsorgen:

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Machen Sie Ihre Lebensversicherung insolvenzsicher – das ist einer der wichtigsten Ratschläge von Klaus-Jörg Diwo. Der Fachanwalt für Versicherungsrecht ist Arbeitskreisleiter Personen- und Krankenversicherung in der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht des Deutschen Anwaltsvereins.

DHB: Wie hoch ist das Risiko der Altersarmut für Handwerksunternehmer?
Diwo: Das kommt auf die Art der Absicherung an. Viele ältere Handwerksunternehmer haben mit der klassischen Kapital-Lebensversicherung vorgesorgt. Das Problem: Sie ist nicht insolvenzgeschützt. Wenn der Betrieb in finanzielle Bedrängnis gerät, ist sie im Insolvenzfall weg. Sie wissen als Selbstständiger ja nie, was passieren wird. Denn Banken verlangen Lebensversicherungen und Immobilien – die ja auch für die Altersvorsorge gedacht sind – als Sicherheiten für Kredite. HandwerkViele übertragen deshalb das Einfamilienhaus auf die Ehefrau – aber die Banken fordern häufig, dass als Sicherheit für den Kredit darauf eine Grundschuld eingetragen wird. Wenn der Unternehmer zum Beispiel einen Kredit will, muss er nicht nur die bestehende Kapitallebensversicherung an die Bank abtreten, sondern häufig auch noch eine Risiko-Lebensversicherung bei der Bank abschließen. Das ist ein beliebtes Nebengeschäft der Banken.

DHB: Wie können sich Handwerksunternehmer dagegen schützen?
Diwo: Am wichtigsten ist, die Kapital-Lebensversicherung insolvenzsicher zu machen, das ist auch bei einer bereits bestehenden Versicherung seit der Reform des Versicherungsrechts im Jahr 2008 möglich. Das muss die Versicherung bis zu einer Summe von 238.000 Euro mitmachen. Viele hoffen außerdem, dass sie durch den Verkauf ihres Betriebes sich für das Alter absichern können. Das geht aber häufig nicht gut aus. Denn sie wissen nie, was ihr Betrieb wert ist. Gerade bei den kleinen Handwerksbetrieben sind die Geschäftsbeziehungen eng an die Persönlichkeit des Unternehmers geknüpft. Außerdem wird der Wert des Betriebs oft weit überschätzt.

DHB: Welche weiteren Gefahren gibt es aus Ihrer Sicht?
Diwo: Das zweite große Risiko neben der Insolvenz ist eine Scheidung. Dann müssen die Ehepartner die vorhandene Altersvorsorge teilen, wenn nicht beide über etwa gleich hohe Versorgungsansprüche verfügen. Hat etwa der Betriebsinhaber das Häuschen auf seine Frau übertragen – was bleibt ihm dann für das Alter? Wenn er klug ist, hat er ein lebenslängliches Wohnrecht vereinbart oder nur die Hälfte des Hauses übertragen. Empfehlenswert ist ein Ehevertrag, damit beide Seiten wissen, was im Fall einer Scheidung auf sie zukommt, das vermeidet auch unnötigen Streit. Denn ein Streit bindet Kräfte und Zeit, die im Betrieb Handwerkdringender gebraucht werden. Muss im Fall der Scheidung ein Zugewinnausgleich durchgeführt werden, zieht dies meist erhebliche liquide Mittel aus dem Unternehmen ab, die Firma kann an den Rand der Insolvenz geraten.

Auch die betriebliche Altersvorsorge (bAV) hat ihre Tücken. Sie ist vom Grundsatz zwar gut, muss aber wohlüberlegt sein. Wenn man etwa seine Altersvorsorge über die GmbH abschließt – was viele machen, um Steuern zu sparen – muss die bAV auch regelmäßig bedient werden, und die Rücklage der Gewinne muss tatsächlich und nicht nur virtuell erfolgen. Eine GmbH muss finanziell auch in der Lage sein, die bAV zu bedienen. Wer monatlich dadurch 3.000 Euro Rente beziehen will, sollte bedenken, dass kaum ein Mensch eine Firma kauft, die solche Verbindlichkeiten hat. Jedem Unternehmer, der eine betriebliche Altersvorsorge hat, sollte regelmäßig die Werthaltigkeit der Rückdeckung überprüfen, damit nicht eines Tages die Firma wesentlich mehr an Altersvorsorgeleistungen erbringen muss, als sie aus der Rückdeckung erhält.

Die Fragen stellte Ulrike Lotze/ Fotos: 123rf
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