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Wenn Mitarbeiter lange krank sind

Arbeitgeber sind zu einem betrieblichen Eingliederungsmanagement verpflichtet, wenn ihre Mitarbeiter längere Zeit arbeitsunfähig sind. Acht Tipps für die Praxis.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Unternehmensführung
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Foto: © kurhan/123rf.com



Arbeitgeber müssen ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) durchführen, wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind. Ziel ist es, Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen oder zu überwinden und den Arbeitsplatz zu erhalten. Die zuständigen Interessenvertretungen müssen beteiligt werden. Das BEM muss übrigens auch durchgeführt werden, wenn eine Kündigung nicht angedacht ist.

Für wen gilt das BEM?
Das BEM gilt für alle Arbeitnehmer und ist nicht auf Behinderte beschränkt.

Wann muss ein BEM angeboten werden?
Arbeitgeber sind zur Durchführung eines BEM verpflichtet, wenn der Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig ist. Die Pflicht besteht also auch, wenn mehrere kürzere Phasen in der Summe mindestens sechs Wochen ergeben. Entscheidend sind dabei nicht das Kalenderjahr, sondern die letzten zwölf Monate. Die sechs Wochen entsprechen 42 Tagen. Alle Tage der Arbeitsunfähigkeit muss der Arbeitgeber bei der Berechnung berücksichtigen, also auch Kuren und Rehabilitationsmaßnahmen. Auch Feiertage und Wochenenden werden dabei einbezogen. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss nicht vorliegen.

HandwerkGibt es für das BEM bestimmte formale Anforderungen?
Das Gesetz sieht lediglich die Durchführung des BEM im konkreten Einzelfall vor, weitere Voraussetzungen legt es nicht fest. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in einer Entscheidung die Anforderungen konkretisiert: "Es ist ein nicht formalisiertes Verfahren, das den Beteiligten jeden denkbaren Spielraum lässt." Ziel sei ein "faires und sachorientiertes Gespräch", dessen Verlauf und Ergebnis sich nach „den Erfordernissen des jeweiligen Einzelfalles zu richten haben" (Az.: 2 AZR 198/09). Damit bleibt es dem Arbeitgeber überlassen, ob er ein formalisiertes BEM einführen will, etwa mit einer Betriebsvereinbarung.

Welche Stellen müssen beteiligt werden?
Beteiligt werden müssen der Arbeitgeber, der erkrankte Mitarbeiter, der Betriebsrat, die Schwerbehindertenvertretung (wenn schwerbehinderte Personen betroffen sind), betriebsinterne Stellen (etwa Vertreter anderer Unternehmensbereiche, Arbeitssicherheitskraft), externe Partner (Rehabilitationsträger wie die Agentur für Arbeit und die Rentenversicherung), Reha-Kliniken, Einrichtungen der beruflichen Reha, Integrationsämter und örtliche Fürsorgestellen bei schwerbehinderten Menschen sowie Integrationsfachdienste.

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