Arbeitende Rentner: Betriebe zahlen umsonst

Die Unternehmer zahlen Sozialversicherungsbeiträge für arbeitende Rentner. Doch die Ruheständler haben nichts davon, sie erwerben keine höheren Rentenansprüche. 

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Was Sie als Chef im Handwerk wissen müssen
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Foto: © Artem Samokhvalov/123RF.com

Ein Handwerksunternehmer erwägt eine Musterklage gegen diese Regelung. Die Rente mit 63 ist in aller Munde. Und sie wird zum Leidwesen vieler Handwerksunternehmer auch rege genutzt: 109.000 Arbeitnehmer haben sie bis Ende August schon beantragt – verheerend angesichts des Fachkräftemangels in etlichen Betrieben.

Nahezu unbemerkt blieb dagegen ein anderer Teil des Rentenpaketes, der gerade für die Firmen interessant ist, die verzweifelt nach qualifizierten und erfahrenen Mitarbeitern suchen: Die sogenannte Flexi-Rente soll die Weiterbeschäftigung von Arbeitnehmern erleichtern, die das Rentenalter erreicht haben, aber noch weiterarbeiten wollen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können seit dem 1. Juli vereinbaren, den Eintritt in den Ruhestand hinauszuschieben – wenn gewünscht, ist das auch mehrfach möglich.

Abfindungsrisiko entfällt
Für die Arbeitgeber entfällt damit eine Rechtsunsicherheit. Wer bislang ein bestehendes Arbeitsverhältnis über die Regelaltersgrenze hinaus fortsetzte, ging als Unternehmer das Risiko ein, im Falle einer späteren Trennung eine hohe Abfindung zahlen zu müssen. Dadurch, dass die Flexi-Rente eine zeitlich von vornherein begrenzte Vertragsverlängerung ermöglicht, wird dieses Risiko praktisch beseitigt.

Ungelöst bleibt dagegen ein anderes Problem: Unternehmer müssen für arbeitende Ruheständler weiter Sozialversicherungsbeiträge zahlen, auch wenn die Beschäftigten dafür keine zusätzlichen Ansprüche erwerben. Experten der Großen Koalition in Berlin beraten derzeit über eine Reform dieser umstrittenen Regel. Sollte diese nicht zustande kommen, so will Heinrich Traublinger, Ehrenpräsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, eine Musterklage dagegen einreichen.

Text: bs/ulo
Foto: © Artem Samokhvalov/123RF.com

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