Handwerksblatt Logo

Anzeige

Mehr Mitarbeiter, mehr Pflichten

Ihr Betrieb wächst? Gut so! Ab zehn Leuten gibt es allerdings auch mehr Rechtliches zu beachten. Eine Übersicht.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Was Sie als Chef im Handwerk wissen müssen
Mitarbeiter, Arbeitsrecht, Kündigung
Ab 10 Mitarbeitern gilt das Kündigungsschutzgesetz, Foto: © pkanchana/123RF.com


Die steigende Konjunktur, eine verbesserte Auftragslage oder die Erweiterung des eigenen Unternehmens: Es gibt viele Gründe, mehr Personal einzustellen. Mit der wachsenden Anzahl der Mitarbeiter erhöhen sich jedoch auch die rechtlichen Pflichten von Unternehmern.

1. Kündigungsschutz
Die Zahl der Arbeitnehmer (AN) spielt beim Kündigungsschutz eine große Rolle. Sobald das Kündigungsschutzgesetz gilt, müssen Unternehmer etliches beachten. Die gute Nachricht für Kleinbetriebe mit weniger als fünf Mitarbeitern: Hier gilt das Kündigungsschutzgesetz nicht. Seit dem 1. Januar 2004 besteht allgemeiner Kündigungsschutz sogar erst bei mehr als zehn AN im Betrieb. Hier wird es ein wenig kompliziert, denn das Gesetz unterscheidet zwischen Alt- und Neu- Arbeitnehmern. Alt-AN, die bereits vor dem 1. Januar 2004 beschäftigt waren, genießen Kündigungsschutz, wenn der Betrieb zehn oder weniger Mitarbeiter hat.
Sobald es mehr als zehn Mitarbeiter (egal ob alte oder neue) sind, gilt das Kündigungsschutzgesetz für alle. Voraussetzung: Das Arbeitsverhältnis muss seit mindestens sechs Monaten bestehen.

Beispiele:

  • Im Betrieb sind vier AN beschäftigt, die vor dem 31. Dezember 2003 eingestellt wurden, spätere Neueinstellungen gab es nicht: Hier gilt kein Kündigungsschutz, da der Schwellenwert von mehr als fünf AN nicht überschritten wird.
  • Im Betrieb werden sieben AN beschäftigt; die vor dem 31. Dezember 2003 eingestellt wurden, spätere Neueinstellungen gab es nicht: Alle sieben AN genießen Kündigungsschutz, da der Schwellenwert von mehr als fünf AN überschritten wird:
  • Der Betrieb hat zehn Mitarbeiter, davon wurden fünf vor dem 31. Dezember 2003 und fünf danach eingestellt: Kein AN genießt Kündigungsschutz, da beide Schwellenwerte (fünf und zehn) nicht überschritten werden.
  • Im Betrieb werden 13 AN beschäftigt. Davon wurden sechs vor und sieben nach dem 31. Dezember 2003 eingestellt: Alle AN genießen Kündigungsschutz. Für die sechs Alt-AN gilt der Wert von mehr als fünf AN und für die Neu-AN der Wert von mehr als zehn AN, der in beiden Fällen überschritten wird. Für den Schwellenwert von zehn zählen Alt- und Neu-AN gleichermaßen.
Abwandlung: Es werden drei AN gekündigt.
a) Werden drei Neu-AN gekündigt, verlieren alle Neu-AN den Kündigungsschutz, da der Schwellenwert von zehn AN nicht mehr überschritten wird. Die Alt-AN behalten dagegen ihren Schutz.
b) Betreffen die Kündigungen drei Alt-AN, verlieren sämtliche AN den Kündigungsschutz. Die Alt-AN, weil der Wert von fünf nicht mehr überschritten wird und die Neu-AN, weil der Wert von zehn nicht mehr überschritten wird.
Praxistipp: Alle Neueinstellungen nach dem 1. Januar 2004 können den Kündigungsschutz von Alt-AN nicht wieder aufleben lassen. Es gilt dann ausschließlich der Wert von zehn.
Was Sie sonst noch interessieren könnte
Foto: © Andreas Buck
Unternehmensführung 
Der Chef darf sich Zeit lassen
Das Bundesarbeitsgericht hat die Regeln für Videoüberwachung von Mitarbeitern gelockert. Arbeitgeber dürfen auch alte Aufnahmen verwenden, wenn sie aus einer offenen Überwachung stammen.
Service & Infos > Themen-Specials 
Heimliche Aufzeichnung kostet den Job
Mit Start der neuen Datenschutzregeln im Mai müssen persönliche Daten extra vorsichtig behandelt werden. Aber schon jetzt ist ein Mitschneiden von Gesprächen ohne Wissen des Gegenübers verboten.
Service & Infos > Themen-Specials 
Arbeitsrecht: Keine dreijährige Kündigungsfrist
Schreibt der Arbeitgeber eine dreijährige Kündigungsfrist in eine Klausel des Arbeitsvertrags, ist diese unwirksam. Das hat das Bundesarbeitsgericht jetzt entschieden.
Unternehmensführung 
Krankes Kind ist kein Kündigungsgrund
Einem Mitarbeiter, der sein krankes Kind betreut, darf deshalb nicht gekündigt werden. Das wäre eine unzulässige Maßregelung.
Unternehmensführung 
Wie man Zoff unter Kollegen vermeiden kann
Pöbeleien und Handgreiflichkeiten am Arbeitsplatz kommen auch im Handwerk vor. Wie Chefs Übergriffe ihrer Mitarbeiter bestrafen und vor allem verhindern können.
Unternehmensführung 
Chef darf Privatmails nicht lesen
Arbeitnehmer können auch am Arbeitsplatz grundsätzlich ein Recht auf Schutz ihrer privaten Korrespondenz geltend machen. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden.

Leserkommentare

nach oben