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Argumente gegen die Billigkonkurrenz aus dem Internet

Immer mehr Handwerker beobachten, dass ihre Kunden sich Ersatzteile oder Baumaterialien aus günstigen Quellen im Internet besorgen.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Ersatzteile aus dem Internet?
Foto: © kzenon/123RF.com
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Auf diese Entwicklung sollte das Handwerk reagieren. Die Handwerkskammer Cottbus hat Argumente zusammengestellt.

Ersatzteile werden Im Internet billig gekauft und der Handwerksbetrieb soll dann nur noch die Montage erledigen? Schwierig, denn der Handwerker verliert dadurch das Ersatzteilgeschäft und einen Teil seiner Einnahmen. Oft kann der Kunde das Ersatzteil tatsächlich günstiger im Internet kaufen, aber er geht dabei ganz erhebliche Risiken ein. Hierüber sollte der Handwerker informieren.

Die HWK Cottbus hat die vielen Argumente zusammengetragen, die für den klassischen Weg der Leistung aus einer Hand sprechen. Wer Montageleistung und Ersatzteil aus einer Hand bezieht, geht auf Nummer sicher.

Das Argumentationspapier stellt die Kammer auch zum Download bereit.

Risiko "richtiges Ersatzteil"
Oft sehen Ersatzteile gleich aus und doch unterscheiden sie sich im Detail. Im Automobilbereich werden zum Beispiel ganz unterschiedliche Komponenten verbaut, auch wenn das Auto von außen vollkommen gleich aussieht und die gleiche Modellbezeichnung hat. Wird dem Handwerker das falsche Bauteil zur Verfügung gestellt, kann man den Handwerker dafür nicht verantwortlich machen. Kommt dieser zum Beispiel vergeblich zum Kunden, ist letzterer verpflichtetet, die vereinbarten Kosten für den Handwerkereinsatz zu zahlen (Berechnung des Zeitaufwands oder der Anfahrtspauschale).

Risiko "fehlende Beratung"
Handwerker sind Fachleute, die wissen, welches Produkt für den konkreten Einsatz am besten geeignet ist. Regelmäßig stellen sich Fragen wie: Ist das Produkt für die Installation in feuchter Umgebung geeignet? Ist die Holzart des Parketts für den Eingangsbereich die richtige? Die Beratung durch den Fachmann, der das passende Produkt entsprechend der Bedürfnisse seiner Kunden auch gleich besorgt, schützt vor teuren Fehlkäufen.

Risiko "Fälschungen"
Viele Markenprodukte sind im Internet nur deshalb so billig, weil es sich um Plagiate handelt. Gerade im Kfz-Bereich, aber zum Beispiel auch bei Badezimmerarmaturen, sind diese zunehmend verbreitet. Solche Produkte haben eine geringe Qualität, oftmals bestehen ganz erhebliche Sicherheitsbedenken. Kommt es zu einem Schaden, wird es praktisch so gut wie unmöglich sein, den Fälscher zur Rechenschaft zu ziehen. Der Handwerker hingegen bezieht seine Produkte aus sicherer Quelle, meist aus dem Fachhandel oder direkt vom Hersteller. Diese Teile halten, was der Herstellername verspricht.

Risiko "Gewährleistung"
Egal ob bei Reparaturen oder bei neuen Werken, Material und Ersatzteile können Fehler haben und kaputt gehen. Hat der Kunde das Material oder das Ersatzteil selbst besorgt, muss er sich mit seinem Internetlieferanten auseinandersetzen und für Ersatz sorgen. Die Handwerkerkosten, die für den Ausbau des defekten Teils und für den Einbau des Ersatzteils anfallen, hat der Kunde zu tragen. Unter Umständen kann er sich diese beim Internethändler wiederholen. Praktisch wird dies oft schwierig sein. Vor großen Schwierigkeiten steht der Kunde, wenn der Internethändler den gemeldeten Mangel nicht anerkennt, sondern behauptet, der Fehler gehe auf eine falsche Montage des Handwerkers zurück, während der Handwerker den Fehler beim Produkt sieht und nicht in seiner Handwerksleistung. Im Vorteil ist, wer den Handwerker beauftragt, der auch gleich das Material besorgt: Der Handwerker haftet zwei Jahre lang für auftretende Mängel, bei Arbeiten an Gebäuden sogar fünf Jahre, auch wenn das Material fehlerhaft war. Er muss den Mangel kostenfrei abstellen, inklusive Ein- und Ausbau.

Fazit
Das Internet als günstige Bezugsquelle kann am Ende teuer werden. Nur wer sich gut auskennt und aus seriösen Quellen bezieht, kann eventuell etwas Geld sparen. Der Laie geht hingegen erhebliche Risiken ein. Tritt ein Mangel auf, wird es auf jeden Fall kompliziert und es besteht die Gefahr, auf den Kosten für die Mängelbeseitigung sitzen zu bleiben. Nur wer den Handwerker mit der kompletten Leistung beauftragt, geht in jeder Hinsicht auf Nummer sicher.

Text: Handwerkskammer Cottbus Foto: © kzenon/123RF.com

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