Was tun, wenn Fachkräfte immer knapper werden?

Kompetente Mitarbeiter sind das Kapital der Unternehmen. Mitarbeiterbindung erfordert zukunftsorientierte, vielfältige und individuelle Personalarbeit. Auch eine durchgängige Laufbahnplanung oder die verstärkte Einbindung von Migranten oder Abiturienten kann ein Schlüssel zum Erfolg sein.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special So finden Sie gute Leute für Ihren Betrieb!
Foto: © auremar/123RF.com
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Fachkräfte zu bekommen ist nicht mehr so einfach, wie es einmal war. Besonders auch für Handwerksunternehmen. Wegen des demografischen Wandels wird sich die Situation weiter zuspitzen. Um Betrieben, die diesbezüglich Probleme haben, Hilfe anbieten zu können, hat die Handwerkskammer Münster eine Fachkräfte-Initiative ins Leben gerufen. "Das Thema Fachkräftemangel hat für das Handwerk schon eine hohe Relevanz. Deswegen wollen wir den Betrieben Ansprechpartner zu möglichst vielen Problemfeldern bieten", erklärt Carsten Haack von der Kammer Münster. "Außerdem soll so ein Netzwerk entstehen, aus dem wir Informationen zu aktuellen Problemen ziehen können", so der Abteilungsleiter für Nachwuchsgewinnung.

Wichtige Aspekte, wenn es um Fachkräftegewinnung und -bindung geht, sind Familienfreundlichkeit und Gesundheit. Um auf diesem Gebiet zu zeigen, welche Möglichkeiten und Ideen es im Handwerk gibt, hat die Kammer im Frühjahr 2010 einen Wettbewerb gestartet. "Mit unserem Unternehmenswettbewerb ,Familie + Gesundheit zählt!‘ als eine der Aktivitäten der Fachkräfte-Initiative der Handwerkskammer Münster wollten wir ausgewählte Beispiele zukunftsorientierter Personalarbeit in Handwerksbetrieben öffentlich darstellen. Damit zeigen wir, wie vielfältig und individuell Lösungen zur Fachkräftesicherung im Handwerk sein können", sagt Gisela Goos, Unternehmensberaterin der Handwerkskammer Münster und Leiterin des Projekts "Familie + Betrieb".

Bemühungen werden belohnt

27 Unternehmen haben in drei verschiedenen Größenkategorien daran teilgenommen, und am Ende kürte die Jury sechs Gewinner. Darunter war die MBH, Maschinenbau & Blechtechnik GmbH mit ihren 235 Beschäftigten in Ibbenbüren. Sie wurde vor allem für ihr Gesundheitsmanagementsystem geehrt. Erarbeitet wurde es vom Diplom-Sportlehrer und Gesundheitswissenschaftler Stephan Bartels. "Ich berate die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen möglichen Situationen und Krisen", erläutert er.

Herzstück des Programms ist aber das Gesundheitsbonussystem. Hier haben die Beschäftigten die Möglichkeit, mit der Teilnahme an gesundheitsfördernden Aktionen Punkte zu sammeln. "Jedes Bemühen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird belohnt." So können beispielsweise alle einen Herz-Kreislauf-Check machen. "Wenn der gut ausfällt, gibt es Punkte." Sollte der Test weniger gut ausfallen, sei das aber auch kein Problem – mit ein bisschen Training und einer entsprechenden Verbesserung der Werte könne sich jeder Beschäftigte doch noch die Punkte sichern. Einlösen kann man die Punkte mit Quittungen, etwa für Sportbekleidung oder Zahnarzt-Zuzahlungen. MBH erstattet dann einen gewissen Betrag. "Wir können so mehr unserer qualifizierten Fachkräfte halten. Die Fluktuation ist geringer geworden. Das passiert nicht nur meinetwegen, aber ich denke, ich habe daran schon einen Anteil", so Bartels. Für die Fachkräftegewinnung sei das ebenso ein wichtiger Faktor.

Aber MBH ist nicht nur in Sachen Gesundheit tätig. Das Unternehmen bemüht sich auch, möglichst familienfreundliche Arbeitsverhältnisse zu bieten – beispielsweise mit flexiblen Arbeitszeiten. Auch bei privaten Notfällen sei bisher immer eine Lösung gefunden worden. Zudem setzt MBH auf kontinuierliche Weiterbildung. "Einmal jährlich führen die Vorgesetzten mit ihren Teammitgliedern Personaleinzelgespräche", sagt die Prokuristin Heike Hassink-Lah. Auf dieser Grundlage werden Personalentwicklungspläne erstellt, in denen für alle ein individueller Schulungsbedarf festgehalten wird. Für die notwendigen Maßnahmen hat der Betrieb eigens ein Budget bereitgestellt. "Wir merken, dass sich unsere qualifizierten Beschäftigten wohler fühlen, nicht so schnell überfordert und weniger krank sind."

Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Ein weiterer Preis ging in der Kategorie "Betriebe mit 16 bis 50 Beschäftigten" an die Bäckerei Geelink in Vreden. Hier kümmert man sich vor allem um die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf. "Bei den exotischen Arbeitszeiten im Bäckerhandwerk muss man über Lösungen nachdenken", erklärt Geschäftsführer Wilhelm Geelink. Und da geht die Bäckerei ungewöhnliche Wege. Um Familie und Beruf möglichst effizient miteinander zu vereinbaren, wird der Partner oder die Partnerin des jeweiligen Teammitglieds in Gesprächen miteinbezogen. "Wichtig ist, dass die Familienangehörigen die Entscheidungen mittragen. Wir wollen Zufriedenheit in der Breite haben." Das funktioniere so gut, dass die Bäckerei kaum Probleme habe, ihre Teammitglieder zu halten. Manche sind schon seit 20 Jahren dort beschäftigt. "Wir sind in Vreden dafür bekannt, dass unsere Leute kompetent und freundlich sind – das geht nur, wenn sie gerne hier arbeiten."

Das Problem des Fachkräftemangels hat man natürlich nicht nur in Nordrhein-Westfalen erkannt. Auch andere Bundesländer sind schon aktiv geworden. So hat beispielsweise die rheinland-pfälzische Landesregierung bei der Handwerkskammer Rheinhessen das Kompetenzzentrum für "Zukunftsfähige Arbeit in Rheinland-Pfalz" eingerichtet. Zielgruppe sind kleine und mittlere Betriebe. Das Kompetenzzentrum konzentriert sich auf fünf Arbeitsschwerpunkte: Gesundheitsprävention und Arbeitsschutz, alternsgerechtes Arbeiten, Fachkräftesicherung, Kompetenzzentwicklung sowie Führung und Unternehmenskultur. In erster Linie kümmern sich die Mitarbeiter um die Strategieberatung. Dabei wird die aktuelle Situation im Unternehmen analysiert, es werden Stärken und Schwächen festgestellt sowie Handlungsempfehlungen gegeben. Die Umsetzung dieser Vorschläge ist dann Aufgabe des Unternehmers. Möchte er dabei auf die Hilfe entsprechender Experten zurückgreifen, helfen ihm die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums bei der Suche.
Ansprechpartner für die Betriebe sind Cornelia Musseleck (Fachkräftesicherung und betriebliche Weiterbildung) und Kevin Keber (Gesundheitsprävention und Arbeitsschutz). Sie sind telefonisch unter 06131/ 9992-733 bzw. 06131/ 9992-732 zu erreichen.
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