Arbeiten bis 67: Jetzt aktiv werden!

Angelika Klimaszewski von der Handwerkskammer Dortmund ist Expertin auf dem Gebiet des demografischen Wandels. Sie bietet Betriebsinhabern eine gezielte Beratung, damit sie selbst und ihre Mitarbeiter gut bis zum 67. Lebensjahr arbeiten können. Die Demografie-Expertin rät Betriebsinhabern, sorgfältig vorauszuplanen:

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special So finden Sie gute Leute für Ihren Betrieb!
Foto: © nyul/123RF.com
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DHB: Wieso ist das Thema jetzt wichtig?
Klimaszewski: Die Geburten gehen zurück, die Lebenserwartung steigt, die Zahl der Älteren nimmt zu, wir gehen später in Rente. Das hat Folgen für Betriebe. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit halten zu können, müssen sie Nachwuchs finden und ältere Beschäftigte arbeitsfähig halten. Noch ist das Thema bei den meisten Betrieben nicht angekommen, aber in den nächsten Jahre wird es sich bemerkbar machen. Maßnahmen müssen aber jetzt ergriffen werden.

HandwerkDHB:
Wie gehen Sie bei Ihrer Beratung vor?
Klimaszewski: Zunächst klären wir im Vorgespräch, welche Ziele der Unternehmer hat, und es werden Zuständigkeiten im Betrieb geklärt. Dann analysiere ich die Altersstruktur im Betrieb. Dazu sammle ich Daten über das Alter der Mitarbeiter. Gibt es viele junge Beschäftigte, kann es sinnvoll sein, ältere Fachkräfte einzustellen, um mehr Erfahrung zu gewinnen. Ist der Großteil der Mitarbeiter älter, spielen gesundheitlich bedingte Einschränkungen der Leistungsfähigkeit und möglicher Know-how-Verlust eine Rolle. Sind vor allem 35- bis 45-Jährige tätig, sollte ihre Beschäftigungsfähigkeit mit gezielter Gesundheitsförderung, Arbeitsgestaltung und Weiterbildung gesichert werden. In einem weiteren Schritt werden Alters- und Personaldaten miteinander verknüpft und um zehn Jahre fortgeschrieben. Dadurch erkennt man, ob zum Beispiel die Facharbeiter jünger sind als der Vertrieb und wo in zehn Jahren Leute fehlen werden. Dieser Entwicklung kann man mit gezielten Maßnahmen entgegenwirken. Danach widmet man sich der Arbeitsfähigkeit. Was hat der Betrieb bisher zur Qualifikation, Motivation und Gesundheit der Mitarbeiter geleistet? Reicht das? Wie sichert man die Wissensweitergabe? Anhand der bisherigen Ergebnisse kann man passende Maßnahmen entwickeln. Das können altersgemischte Lern- und Arbeitsgruppen sein, Arbeitszeitregelungen oder gesundheitsverträgliche Schichtsysteme. Sind die Ergebnisse der Analyse ausgewertet, kann der Betrieb Personalpolitik und Planung langfristig darauf abstimmen. Aktivitäten zur Personalgewinnung können besser mit solchen zur Weiterbildung oder zum Personaleinsatz abgeglichen werden, um einen Fachkräftemangel oder eine überalterte Mitarbeiterstruktur zu vermeiden.

DHB:
Wie ist das bei kleinen Betrieben?Unsre Serie zum Thema "Arbeiten bis 67":
Arbeiten bis 67: Es gibt viel zu tun
Investitionen in ältere Mitarbeiter lohnen sich

Klimaszewski: Das funktioniert für jedes Unternehmen. Aber jeder Betrieb muss es individuell durchführen. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen und vorzubeugen. Bei den Jüngeren dafür zu sorgen, dass sie ihre Arbeit schonender ausführen, technische Hilfsmittel einsetzen und ergonomische Arbeitsplätze haben. Dann sind die Mitarbeiter fitter und können ihre Arbeit hoffentlich bis ins hohe Alter ausführen. In einigen Berufsgruppen wird das schwer, aber man muss alles versuchen. Krankenkassen und Handwerkskammern unterstützen mit Angeboten zur betrieblichen Gesundheitsförderung.
In kleinen Betrieben wird vieles intern gelöst, aber es fehlt oft eine langfristige Planung. Auch dort sollte man sich Gedanken über die Zukunft machen: Was passiert, wenn man keine Auszubildenden findet? Was, wenn Ältere ausscheiden? Mit der Beratung von der Handwerkskammer kann man sich einen Überblick verschaffen und sehen, wo man konkret ansetzen muss, und sie ist für Mitglieder kostenlos.

Das Interview führte Melanie Dorda
Fotos: © nyul/123RF.com; Handwerkskammer Dortmund

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