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Attraktiver Arbeitgeber

Sechs Strategien gegen den Fachkräftemangel – so ­können Sie Mitarbeiter finden und binden!

Handwerk
Sechs Strategien helfen Arbeitgebern dabei, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Foto: © 3DKombinat/123RF.com

Es dauert im Schnitt 199 Tage, auf dem Arbeitsmarkt einen Hörakustiker zu finden. Die Branche ist damit laut Bundesagentur für Arbeit in besonderem Maße vom Fachkräftemangel betroffen – doch auch andere Gewerke leiden darunter. "Der Bedarf an Fachkräften ist heute fast in jedem Beratungsgespräch ein Thema", berichtet Claudia Steil, Betriebsberaterin bei der Handwerkskammer Trier. Unternehmen müssen sich daher als attraktiver Arbeitgeber präsentieren – und dieses Versprechen auch einlösen.

Dies sind die wichtigsten Punkte

Marketing: "Eine eigene Website ist Pflicht", sagt Mario Heinemann, Unternehmensberater bei der Handwerkskammer Münster. Der Internetauftritt müsse neben den Kunden auch potenzielle Mitarbeiter ansprechen. Gute Beispiele seien Fotos von der Belegschaft oder gemeinsamen Veranstaltungen, "so dass man die Unternehmenskultur und den Teamgeist nach außen trägt". Auch möglich: Bilder von besonders gelungenen Arbeiten. Stephan Lohmann, Geschäftsführer des Fachverbands Metall in Nordrhein-Westfalen, empfiehlt Sponsoring, etwa eines örtlichen Sportvereins, um sich als Arbeitgeber bekannt zu machen. Auch Fachmessen sind eine gute Gelegenheit, den Betrieb zu präsentieren.

Mitarbeitersuche: Neben der klassischen Stellenanzeige in der Tageszeitung gibt es viele weitere Möglichkeiten. So bieten einige Handwerkskammern neben der Vermittlung von Auszubildenden auch Unterstützung bei der Suche nach Fach- und Führungskräften an. Selbstverständlich gehören Hinweise auf freie Stellen auch auf die Website. Überdies können die vorhandenen Mitarbeiter bei der Suche nach neuen helfen. "So findet man Leute, die zum Betrieb passen", sagt Berater Heinemann von der Handwerkskammer Münster. Wenn die Beschäftigten Informationen über die freie Stelle über ihre persönlichen Netzwerke bei Facebook oder WhatsApp bekannt machten, könne durchaus ein großer Kreis von Empfängern erreicht werden.

Fluktuation verringern: "Mitarbeiter kommen zu Unternehmen und verlassen Führungskräfte", sagt Lohmann. Der Fachverband Metall bietet daher Schulungen in Unternehmensführung und Kommunikation an – für Betriebsinhaber und Meister, aber auch für den Führungsnachwuchs. Doch selbst wenn das Betriebsklima stimmt, sollten Führungskräfte das Gespräch mit ihren Mitarbeitern suchen, mahnt Beraterin Steil aus Trier. "Viele Handwerker halten das für überflüssig, weil sie denken: 'Wir sind ein kleiner Betrieb, wir sehen uns ja sowieso ständig.‘ In Wahrheit wird über die wirklich wichtigen Dinge im Alltag aber nicht gesprochen." Steil empfiehlt deshalb, zwei Mal im Jahr Mitarbeitergespräche zu führen.

Perspektiven aufzeigen: "Hochqualifizierte, die ich gern halten möchte, sind leider oft die ersten, die gehen", sagt Unternehmensberater Gabor Leisten von der HWK Dortmund. Betriebe sollten begabte Auszubildende und Gesellen daher frühzeitig fordern und fördern. Die Aussicht auf eine Weiterbildung zum Meister wäre eine Möglichkeit. "Sinnvoll ist auch, guten Mitarbeitern mehr Verantwortung zu geben – etwa, indem man ihnen einzelne Projekte oder Aufgaben im Betrieb überträgt", sagt Leisten. Ein Beispiel aus dem Elektrohandwerk: Interessant für hochqualifizierte Mitarbeiter sei etwa "die Einrichtung von Smart Homes", sagt Bernd Dechert vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke. "Wenn jemand nur Standardinstallationen macht, ist das möglicherweise weniger attraktiv."

Arbeitszeitgestaltung: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird für Beschäftigte immer wichtiger, selbst in klassischen Männerberufen. "Die Leute wollen wissen, ob ihr Arbeitgeber ihnen entgegenkommt, wenn sie ihre alten Eltern pflegen müssen", sagt Stephanie Bargfrede, stellvertretende Geschäftsführerin der HWK zu Köln. "Das läuft im Handwerk sogar oft besser als in Großunternehmen, aber es wird zu wenig damit geworben." Der Münsteraner Berater Heinemann gibt zu bedenken: "Flexible Arbeitszeiten sind nicht nur für Arbeitnehmer wichtig, sondern auch für Unternehmen, denn man hat mal Hochphasen und dann vielleicht auch ruhigere." Eine gute Lösung dafür seien etwa Stundenkonten.

Gesundheitsförderung: Wer in die Gesundheit seiner Leute investiert, reduziert Fehlzeiten und kann Ältere länger im Job halten. Wichtig dafür sei zunächst die Arbeitsplatzgestaltung, sagt Bargfrede: "Wo heben wir falsch, wofür sollten wir besser Maschinen einsetzen?" Die Krankenkassen beraten dazu und viele von ihnen unterstützen auch Gesundheitsprogramme wie Rückenschulungen im Betrieb.

 

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