Sind die Radmuttern festgezogen? Diese Kontrolle muss man nach einem Reifenwechsel wiederholen.

Sind die Radmuttern festgezogen? Diese Kontrolle muss man nach einem Reifenwechsel wiederholen. (Foto: © Dmitry Kalinovsky/123RF.com)

Autobesitzer muss Hinweis der Werkstatt befolgen

Gibt eine Kfz-Werkstatt einem Autofahrer nach einem Reifenwechsel den Rat, nach 50 Kilometern die Radmuttern zu prüfen, sollte er diesen befolgen. Anderenfalls trifft ihn eine Mitschuld an einem späteren Unfall.

Missachtet ein Autofahrer den Hinweis seiner Werkstatt, die Radmuttern nach einem Reifenwechsel später erneut überprüfen zu lassen, kann er bei einem Unfall nicht den vollen Schadensersatz verlangen.

Der Fall

Der Besitzer eines getunten, 830 PS starken Kfz hatte von seiner Werkstatt einen Reifenwechsel durchführen lassen. Kurz darauf löste sich ein Hinterrad und der Wagen hatte einen Unfall.

Der Fahrer beschuldigte die Werkstatt, sie habe die Radschrauben nicht ordnungsgemäß angezogen. Er forderte knapp 24.000 Euro plus Zinsen Schadensersatz, obwohl seine Vollkasko-Versicherung den Schaden übernahm. In der Summe enthalten waren neben einer Selbstbeteiligung von 4.715 Euro auch Transportkosten für das Auto, Wertminderung und Nutzungsausfall in Höhe von 9.044 Euro für 76 Tage.

Die Kfz-Werkstatt weigerte sich, zu zahlen. Sie habe keinen Fehler bei der Montage gemacht. Außerdem habe man den Fahrer sowohl mündlich als auch auf  der Rechnung darauf hingewiesen, dass nach einer Fahrtstrecke von 50 Kilometern die Radmuttern nachzuziehen seien. Der Autobesitzer zog vor Gericht.

Das Urteil

Das Landgericht München verurteilte die Werkstatt zur Zahlung eines Teilbetrags von rund 5.900 Euro. Die Hauptschuld sah das Gericht zwar bei dem Unternehmen, weil man dort die Schrauben nicht richtig festgezogen habe.

Dem Autofahrer sei aber ein Mitverschulden in Höhe von 30 Prozent anzulasten. Er habe einen Hinweis darauf, dass die Radschrauben nach einer Fahrt von 50 Kilometern nachzuziehen seien, zwar erhalten, aber nicht befolgt. Hätte er dies getan, wäre der Unfall zu vermeiden gewesen.

Keine Wertminderung, da Spezialumbau

Eine Entschädigung für die ausgefallene Nutzung des Wagens sprach das Gericht dem Besitzer nicht zu, da ihm für diese Zeit ein Firmenwagen zur Verfügung stand.

Außerdem konnte der Sachverständige keine Wertminderung an dem Kfz feststellen, da es sich bei dem Wagen um einen Spezialumbau mit Einzelstückcharakter handele. Damit gebe es keinen Markt und somit keine Vergleichsbasis für die Feststellung einer Wertminderung.

Landgericht München II, Urteil vom 9. April 2020, Az. 10 O 3894/17, nicht rechtskräftig, da Berufung eingelegt 

Streit zwsichen Werkstatt und Kunde Ärger droht der Kfz-Werkstatt immer dann, wenn der Kunde unzufrieden mit der Reparatur ist oder die Rechnung seiner Ansicht nach zu hoch ausfällt. Rechtsexperten geben > hier Tipps, was zu tun ist.

Text: / handwerksblatt.de

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