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Tempo beim Generationswechsel zieht an

Bei der Unternehmensnachfolge zeichnet sich ein Engpass ab. Laut einer Studie der KfW plant jeder sechste Mittelständler bis 2018 sein Unternehmen zu übergeben oder zu verkaufen. Nachfolger sind aber rar.

 

620.000 Unternehmen sollen bis 2018 an einen Nachfolger übergeben oder verkauft werden, so eine aktuelle Studie, die auf dem KfW-Mittelstandspanel basiert. Das sind 17 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Vier Millionen Beschäftigte sind betroffen. Der Generationenwechsel im Mittelstand legt damit an Tempo zu: Vor drei Jahren hatten noch 14 Prozent beziehungsweise 530.000 Mittelständler von kurzfristig anstehender Nachfolge berichtet, so die Autoren der Studie.

Einen geeigneten Nachfolger zu finden werde jedoch nicht leichter, heißt es: Die Zahl der Gründer in Deutschland sinke insgesamt – und mit ihr auch die Zahl derjenigen Gründer, die in Form einer so genannten Übernahmegründung ein bestehendes Unternehmen weiterführen.

"Die jüngere Generation ist zu dünn besetzt"


"Es zeichnet sich immer deutlicher ein demografischer Engpass bei der Nachfolge ab", sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. "Die Alterung erhöht Jahr für Jahr die Zahl der Unternehmen, die zur Übergabe anstehen. Die jüngeren Generationen sind aber zu dünn besetzt, weshalb die Nachfolger fehlen." Vor allem die geburtenstarke Babyboomer-Generation werde sich in den kommenden 20 Jahren aus dem Erwerbsleben zurückziehen und eine Lücke hinterlassen - auch in den Chefsesseln des Mittelstandes.

Gute Arbeitsmarktlage dämpft Interesse an Gründung und Übernahme


Gleichzeitig dämpfe die gute Arbeitsmarktlage in Deutschland die Gründungsneigung in Deutschland, so Zeuner. Die Zahl der Übernahmegründer, die ein bestehendes Unternehmen fortführen, sinke seit Jahren. "Im Jahr 2002 gab es noch rund 200.000 Übernahmegründer – 2015 waren es nur 62.000", sagt Zeuner. "Damit gibt es aktuell jährlich etwa dreimal so viele übergabebereite Unternehmer wie Übernahmegründer."

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Viele Mittelständler würden sich erheblich zu spät Gedanken über das Thema Nachfolge machen oder unterschätzten den Zeitbedarf, so KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Von den Inhabern kleiner und mittlerer Unternehmen, die binnen drei Jahren übergeben wollen, hätten lediglich 42 Prozent den Nachfolgeprozess gestartet, weitere 22 Prozent hätten immerhin konkrete Planungen. Zeuner: "Das heißt aber auch: Rund ein Drittel der Unternehmer hat wenig bis nichts unternommen, für sie droht die Zeit knapp zu werden."

Foto: © Tyler Olson/123rf.comWeiteres Ergebnis der Studie: Die Hälfte des Mittelstands identifiziert die frühe Nachfolgersuche und eine mehrjährige Planung als wichtige Erfolgsfaktoren der Unternehmensnachfolge.

Die größte Bedeutung messen die Unternehmer allerdings der intensiven Einarbeitung des Nachfolgers (72 Prozent) und dem Erhalt von Kunden und Lieferanten (60 Prozent) bei. Die Modernisierung des Unternehmens im Vorfeld der Übergabe wird hingegen nur selten als wichtiger Erfolgsfaktor angesehen (13 Prozent).

Diese Einschätzung könne zu Problemen führen, heißt es, denn auch in den Jahren vor dem Rückzug sollten Inhaber die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität ihres Unternehmens kritisch überprüfen - und wenn nötig investieren.

Quelle: KfW
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Text: / handwerksblatt.de