Das Handwerk lebt Nachhaltigkeit. Die Politik sollte diese Erfahrungskompetenz stärker nutzen und durch mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen flankieren, forderte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer (l.).

Das Handwerk lebt Nachhaltigkeit. Die Politik sollte diese Erfahrungskompetenz stärker nutzen und durch mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen flankieren, forderte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer (l.). (Foto: © Broris Trenkel/ZDH)

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ZDH-Forum: "Wir denken in Generationen"

Das nachhaltige und auf Langlebigkeit angelegte Handeln im Handwerk genießt in Politik und Wissenschaft eine hohe Anerkennung. Handwerk hat die besten Zukunftsaussichten, hieß es beim ZDH-Forum in Berlin.

Beim ZDH-Forum zum Thema Nachhaltigkeit hoben Politiker und Wissenschaftler die Rolle des Handwerks bei der nachhaltigen Entwicklung Deutschlands hervor. "Für das Handwerk ist Nachhaltigkeit ein gewachsener Teil seiner Werte, seines Selbstverständnisses und seines Handelns", sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer in seiner Einführung. Und: "Nachhaltiges Denken und Handeln im Handwerk gehen weit über Umwelt- und Klimaschutz hinaus." Das Handwerk lebe Nachhaltigkeit auch bei der Ausbildung, Beschäftigung und Existenzgründung, Generationengerechtigkeit oder bei der Ausrichtung von Produktionsbereichen. Die Politik sollte diese Erfahrungskompetenz stärker nutzen und durch mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen flankieren, forderte Wollseifer.

Handwerk als zentraler Treiber für Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Beste Zukunftsaussichten bescheinigte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dem Handwerk. Sei es bei der energetischen Gebäudesanierung, der Energieversorgung oder der Kreislaufwirtschaft. "Das Handwerk ist ein zentraler Treiber für Nachhaltigkeit und Klimaschutz", so die Ministerin. Niemand im Land wisse besser als die Handwerkerinnen und Handwerker, was Nachhaltigkeit in der Praxis bedeutet.

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Das von Familienbetrieben geprägte Handwerk denke schon immer in Generationen, betonte auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Nachhaltigkeit sei seit jeher ein Geschäftsmodell des Handwerks, lange bevor das Thema mit weltweiten Strategien verbunden wurde. "Mit Blick auf zukünftige Generationen brauchen wir die Innovationskraft und wirtschaftliche Stärke des Handwerks. Ob Wärmedämmung, Modernisierung von Heizanlagen oder die Installation von EEG-Anlagen – ohne Handwerk läuft da nichts", so Laschet. Viele Handwerksbetriebe seien selbst Vorbilder, was Elektromobilität und Klimaschutz im eigenen Betrieb angeht.

Handwerk steht für Erhalt und Fortschritt

Die wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks hob Annalena Baerbock, Vorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen, hervor. Das Handwerk stehe für Erhalt und Fortschritt, für Pragmatismus und Kreativität zugleich. "Das Handwerk ist einer der größten Wirtschaftsfaktoren und einer der wichtigsten Treiber der Nachhaltigkeitsstrategie", betonte Baerbock. "Nachhaltiges, klimaneutrales Wirtschaften bietet riesige Chancen für die Betriebe." Nachhaltig im Sinne der Fachkräftegewinnung sei es aber auch, wenn der Meisterbrief genau wie das Studium kostenfrei gestellt würde. Alle Politiker waren sich einig, dass bürokratische Hürden wie beispielsweise Berichtspflichten wo immer möglich reduziert werden müssten.

Aus der Praxis berichtete Katja Hobler, kaufmännische Leiterin des Steinmetzbetriebes Glöckner Natursteine, ein auf Restaurierung spezialisiertes Unternehmen, das alle Entscheidungen unter Nachhaltigkeitsaspekten trifft und sich dafür die europäische Norm für Nachhaltigkeit als Blaupause genommen hat. "Ich habe nicht mehr Arbeit oder mehr Vorschriften als vorher", betont Katja Hobler. "Wir arbeiten nur anders. Es ist mehr Transparenz da." Unterstützung auf dem Weg dahin bekam der Betrieb unter anderem vom Umweltzentrum der Handwerkskammer des Saarlandes. 

Text: / handwerksblatt.de

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