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Handwerk: EU-Angriff auf den Meisterbrief

Handwerksverbände protestieren scharf gegen die Pläne der Europäischen Kommission, sämtliche Berufszugangsregeln zu überprüfen. Betroffen ist auch die handwerkliche Meisterpflicht.


Ziel der Initiative ist, die nationalen Qualifikationsanforderungen nach Möglichkeit aufzuheben, um Wirtschaftswachstum und Fachkräftemobilität zu steigern. Deutsche Handwerksverbände üben heftige Kritik an den Absichten der EU-Kommision. „Europa braucht in der Tat mehr Wachstum und Arbeitsplätze. Die Deregulierung von Berufen ist jedoch ein falsches Signal, insbesondere an das Handwerk", erklärt dazu Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

„Unser weltweit anerkanntes und bewährtes duales Ausbildungssystem basiert auf der hohen Qualifikation der Meisterinnen und Meister."  Eine Schwächung dieses bewährten Qualifizierungssystems sei daher nichts anderes als ein Angriff auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung" warf Schwannecke der EU-Kommission vor, sich in Widersprüche zu verstricken: „Auf der einen Seite lobt sie das duale Ausbildungssystem als Beispiel für die krisengeschüttelten Südländer Europas, auf der anderen Seite setzt sie Deutschland unter Druck, sich für jegliche Qualifikationsanforderungen erneut zu rechtfertigen."

Verbände wollen für den Erhalt des Meistertitels kämpfen

Die besorgten Stimmen aus dem Handwerk mehren sich. Reiner Nolten, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT), beurteilt das Verhalten der EU-Kommission als ignorant. Er will für den Erhalt des Meisters kämpfen. „Wir wissen, dass die Europäische Kommission von der Annahme ausgeht, Zugangsbeschränkungen wirkten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus", so Nolten.

Der WHKT halte das für falsch und sehe sich – besoners im Bezug auf die Bauhandwerke – von einer EU-Studie bestätigt. Diese kam zu dem Ergebnis, dass die nationalen Qualifikationsanforderungen je nach Branche unterschiedlich wirken. Für die deutschen Bauhandwerke stellte sie sogar eine tendenziell positive ökonomische Wirkung der Reglementierungen fest.

Eine Zusammenfassung der Studie hat der WHKT online veröffentlicht.

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Die besorgten Stimmen aus dem Handwerk mehren sich. Der Meisterbrief als Zulassungsvoraussetzung für die berufliche Selbstständigkeit sichere nicht nur das fachliche und betriebswirtschaftliche Know-how der Unternehmer, sondern die Qualität des deutschen Ausbildungssystems, heißt es in einer Stellungnahme der Handwerkskammer zu Leipzig. „Das duale System hat dazu geführt, dass es in Deutschland eine vergleichsweise geringe Jugendarbeitslosigkeit gibt. Die EU-Kommission hat das duale Ausbildungssystem immer als vorbildlich gelobt. Viele Länder beneiden uns darum. Durch die Abschaffung der Meisterpflicht in mehreren Berufen wäre dieses Erfolgsmodell gefährdet, denn im Handwerk sind die Meisterbetriebe, die Ausbildungsbetriebe", so Ralf Scheler, Präsident der Leipziger Kammer. Wer im Handwerk einen Meistertitel erwerbe, der habe auch seine Ausbildereignung nachgewiesen.

„Der Meisterbrief ist ein Qualitätssiegel", sagt auch Peter Dreißig, Präsident der Handwerkskammer Cottbus. „Umso mehr freuen wir uns, dass diese Wertigkeit auch von der deutschen Politik anerkannt wird." Auf europäischer Ebene gebe es leider ganz unterschiedliche Meinungen. „Auf der einen Seite wird unser duales Ausbildungssystem als Erfolgsmodell hochgejubelt. Auf der anderen Seite wollen einige EU-Kommissare dem Meisterbrief an den Kragen", kritisiert der Cottbuser Kammerpräsident. Diese EU-Vertreter wollten nicht begreifen, dass der Meisterbrief ein Garant für Beschäftigung und Ausbildung auf hohem Niveau sei. „Wer den Meister abschafft, der schwächt unser Land. Dagegen müssen und dagegen werden wir uns wehren", so Peter Dreißig.

Meistertitel sichert Qualität

Der Meistertitel sichere in Deutschland eine hohe fachliche Qualität und sei ein Garant für das Vertrauen bei den Kunden in die handwerklichen Leistungen und Produkte sowie und das betriebswirtschaftliche Wissen der Handwerksunternehmer, betont ebenfalls Hans-Peter Siegmeier, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Der Meisterbrief sichere auch die Qualität des dualen Ausbildungssystems in Deutschland. „Dieses gilt als Vorbild für andere EU-Länder vor allem mit Blick auf die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Deshalb darf der Meisterbrief nicht in Frage gestellt werden", fordert Siegmeier.

Diese Forderung des regionalen Handwerks soll deshalb auch ein Schwerpunkt des diesjährigen landesweiten Obermeistertages am 11. November in Güstrow mit Vertretern der Handwerksorganisationen aus Mecklenburg-Vorpommern werden. Dazu sinddas Mitglied des Europäischen Parlaments Werner Kuhn, der Staatssekretär des mecklenburg-vorpommerschen Wirtschaftsministeriums Dr. Stefan Rudolph und Geschäftsführer Dirk Palige vom Zentralverband des Deutschen Handwerks geladen.

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Text: / handwerksblatt.de

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