Sascha Kündgen

Vom Kfz-Elektriker bis zum Dachdeckermeister mit eigenem Unternehmen: Sascha Kündgen hat seinen Weg gemacht. (Foto: © Monika Nonnenmacher)

Handwerkskarriere: Viele Wege führen nach oben

Unternehmer Sascha Kündgen hat mehrere (Handwerks-)Berufe ausgeübt, bevor er seine Bestimmung fand – die ihm schon in die Wiege gelegt war.

Ein leidenschaftlicher Dachdecker sei sein Vater gewesen, erinnert sich Sascha Kündgen. Doch ihm habe er dringend davon abgeraten, den Beruf zu ergreifen. Denn mit nur 41 Jahren musste Hubert Kündgen der Gesundheit wegen seinen Traumberuf aufgeben. Stattdessen hat er eine Gastwirtschaft übernommen. Also hat Sascha Kündgen, den es auch aufs Dach zog, 1985 eine Lehre als Kfz-Elektriker angefangen. Sein Onkel arbeitete als Betriebselektriker in einem Panzerwerk in Quadrath-Ichendorf, einem Stadtteil von Bergheim. Dort machte Kündgen die Ausbildung und blieb danach noch drei Jahre. Aber Anfang der 1990er Jahre wurde das zum Bund gehörende Werk privatisiert. Kurz darauf musste es schließen.

Kündgen ging 1991 und hat "verschiedene Berufe ausprobiert", wie er sagt. Er verdiente seine Brötchen als Personenschützer, Metzger- und Steinmetzgehilfe, arbeitete drei Jahre in der Gastronomie bei seinem Bruder. 1995 wagte er mit einem Kfz-Sachverständigenbüro den Sprung in die Selbstständigkeit. "Aber das Unternehmen ist nach neun Monaten gescheitert", sagt Kündgen. Das sei eine harte Zeit gewesen. Zum Glück habe seine damalige Partnerin und heutige Frau Michaela ihn immer unterstützt. Er habe sich nicht entmutigen lassen, sei aufgestanden und habe weitergemacht, und 1997 besann er sich auf seine Wurzeln: das Dachdeckerhandwerk. Immer mal wieder habe er auf dem Dach gearbeitet, die Betriebe hätten immer gut zu tun gehabt. Doch am 12. Februar 1997 machte er ernst und fing als Dachdeckerhelfer bei der Firma Jodo Stein in Kerpen an. Engelbert Stein, einer der Inhaber, habe ihm damals zum Einstieg eine Werkzeugkiste mit einem einzelnen Hammer darin überreicht. "Was soll ich damit anfangen?", habe er gefragt. Die lapidare Antwort: "Mit mehr kannst Du ohnehin nicht umgehen." Der Humor passte – und auch das Arbeitsverhältnis.

Umschulung als Bester abgeschlossen

Im Jahr 2000 startete Kündgen am Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks im rheinland-pfälzischen Mayen die viermonatige Weiterbildung zum Gesellen. "Die Umschulung ist eine Ausnahme, die nur für das Dachdeckerhandwerk gilt", erklärt er. Voraussetzung sei eine abgeschlossene Ausbildung und drei Jahre Berufserfahrung als Dachdecker. Kündgen schloss die Weiterbildung als Lehrgangsbester ab. Danach arbeitete er fünf Jahre als angestellter Geselle, bevor er nach Mayen zurückkehrte, um den Meister zu machen. Seit dem 20. Mai 2006 darf er sich nicht nur Dachdeckermeister nennen, sondern auch staatlich anerkannter Fachleiter für Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik.

Zum 1. Juni 2006 hat Kündgen mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau in Bergheim das Unternehmen Kündgen Bedachungen gegründet. Bis heute arbeitet sie im Büro mit. Für den Start mietete Kündgen eine Halle in dem ehemaligen Panzerwerk, seiner ersten Wirkungsstätte. Seitdem sei sein Unternehmen stetig gewachsen. "Ich hatte einen guten Einstieg, denn mein Vater ist hier über 20 Jahre lang Dorfdachdecker gewesen und hatte danach die Gastwirtschaft. Wir waren bekannt." Seine steile Dachdeckerkarriere habe der Vater jedoch leider nicht miterlebt, weil er 1992 im Alter von nur 58 Jahren gestorben sei.

Berufs-"Exkursionen" waren nützlich

Im April wird Sascha Kündgen 50 Jahre alt und kann auf eine erfolgreiche Laufbahn zurückblicken. Zusätzlich zu all seinen Qualifikationen hat er sich zum Manager und zum Energieberater im Dachdeckerhandwerk weitergebildet. Die "Exkursionen" in andere Berufe hätten ihm nicht geschadet, sagt er. Er habe aus allen Tätigkeiten etwas mitgenommen. Aus der Gastronomie etwa den Umgang mit Menschen. Mittlerweile beschäftigt er sechs Gesellen und zwei Auszubildende. Mehr sollen es nicht werden, denn der familiäre Zusammenhalt im Betrieb ist Sascha und Michaela Kündgen wichtig.

Für die Mitarbeiter sorgt Kündgen gut: Er hat einen Rahmenvertrag mit einem Sportclub abgeschlossen, in dem sie ihren Rücken stärken können, lädt regelmäßig zum Grillen ein, einmal im Jahr zu einem großen Ausflug. Zum zehnjährigen Bestehen des Betriebs spendierte er gar eine Aida-Kreuzfahrt. Regelmäßig besucht er mit ihnen Schulungen, denn auf die Qualität der Arbeit legt er großen Wert. Von vier Auszubildenden haben zwei die Lehre als Innungsbeste abgeschlossen.

Freundschaft bleibt bestehen

Mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Stein verbindet Kündgen immer noch eine Freundschaft. Als dessen Sohn Collin ein triales Studium im Dachdeckerhandwerk anstrebte, habe Stein darauf bestanden, dass der Junior die Lehre bei Sascha Kündgen macht. Im Sommer 2017 habe Collin Stein das Studium als Innungsbester mit der Note 1,0 abgeschlossen. "Da konnte ich ein bisschen von dem zurückgeben, was Jodo Stein damals für mich getan hat", freut sich Kündgen. An Collins erstem Arbeitstag überreichte Kündgen ihm – in guter Tradition – einen Werkzeugkoffer. Darin lag: ein Hammer.

Text: / handwerksblatt.de

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