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Investieren und Steuern sparen

Kleineren Unternehmen steht mit dem Investitionsabzugsbetrag ein interessantes Steuersparmodell zur Verfügung. Wer für die nächsten drei Jahre eine teure Anschaffung plant, kann jetzt schon den Gewinn mindern. Ein Überblick:

So mancher Handwerker ist versucht, gerade mit Blick auf den Jahresabschluss steuersparend zu investieren. Nicht immer ist diese Entscheidung auch betriebswirtschaftlich sinnvoll, schließlich muss das Geld erst ausgegeben werden, bevor Steuern gespart werden können. Umgekehrt zeichnen sich viele betriebliche Investitionen schon weit im Voraus ab – zum Beispiel wenn das Lager runderneuert werden soll oder ein neuer Baustellenwagen angeschafft werden muss.

Kleinere Unternehmen profitieren

Normalerweise können derartige Ausgaben erst dann in der Gewinnermittlung angesetzt werden, wenn sie dem Unternehmer auch tatsächlich entstanden sind. Wer jedoch jetzt schon über notwendige Investitionen in den Betrieb nachdenkt, muss nicht unbedingt sofort Geld ausgeben, um die Kosten in der Steuererklärung geltend zu machen. Der Investitionsabzugsbetrag nach Paragraf 7g des Einkommensteuergesetzes (EStG) macht es möglich. Diese Variante der Abschreibung wurde eingeführt, um kleineren Unternehmen steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand zu geben.

Die entscheidende Voraussetzung lautet: Um den Investitionsabzugsbetrag nutzen zu können, darf der Jahresgewinn aus der Einnahmen-Überschuss-Rechnung 100.000 Euro nicht überschreiten. Diese Grenze gilt nur für das Jahr, in dem der Investitionsabzugsbetrag gebildet wird. Wie hoch der Gewinn in dem Jahr ist, in dem das Wirtschaftsgut tatsächlich angeschafft wird, ist nicht entscheidend. Bei der Bilanzierung darf das Betriebsvermögen (Eigenkapital) maximal 235.000 Euro betragen.

Nur bewegliche Wirtschaftsgüter 

Der Investitionsabzugsbetrag darf sowohl für neue als auch für gebrauchte Wirtschaftsgüter angesetzt werden. Einzige Einschränkung: Es darf sich nicht um Gegenstände oder Fahrzeuge aus dem Privatvermögen handeln, die ins Firmenvermögen wandern sollen. Darüber hinaus muss die geplante Investition zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden.

Außerdem muss es sich um bewegliche Wirtschaftsgüter handeln. Damit ist der Erwerb von Lizenzen oder Software hier nicht steuerlich begünstigt – zumindest dann nicht, wenn es um teure Systemsoftware geht. Bei sogenannter Trivialsoftware mit einem Anschaffungswert von bis zu 410 Euro erlaubt die Finanzverwaltung dagegen die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags.

Es genügt die Absicht zu investieren

Wer sich rechtzeitig zur Steuererklärungsfrist überlegt, innerhalb der nächsten drei Jahre beispielsweise teures technisches Gerät zuzulegen, kann für die geplanten Anschaffungen bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Kosten steuermindernd geltend machen. Es genügt die Absicht, zu investieren. Man muss nichts bestellen und benötigt auch kein Angebot des Lieferanten.

Das Finanzamt verlangt allerdings, dass die voraussichtlichen Anschaffungskosten und die Funktion des Wirtschaftsguts im Betrieb mitgeteilt werden. Wie hoch die Ausgabe wahrscheinlich sein wird, darf geschätzt werden – dazu bedarf es keiner Preislisten oder Kalkulationsunterlagen. Fragt der Sachbearbeiter nach, sollte man die Schätzung glaubhaft machen können.

Steuerfolgen nach der Investition

Von diesen Ausgaben darf der Unternehmer 40 Prozent als Investitionsabzugsbetrag vorab in der diesjährigen Steuererklärung ansetzen. Die Finanzverwaltung unterscheidet hier zwischen umsatzsteuerpflichtigen Betriebsinhabern und Kleinunternehmern: Wer zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, darf 40 Prozent der Netto-Anschaffungskosten geltend machen. Bei Kleinunternehmern, die keine Umsatzsteuer erheben, sind die Brutto-Anschaffungskosten die Basis für den Investitionsabzugsbetrag.

Wenn es zur Anschaffung kommt, muss man den Investitionsabzugsbetrag auflösen. Mit anderen Worten: Es erhöht sich der zu versteuernde Gewinn, und zwar genau um den Betrag, der vorher steuerlich geltend gemacht wurde. Im Gegenzug können die Anschaffungskosten um exakt diesen Betrag gekürzt werden. Auf diese Weise gleichen sich Gewinnerhöhung und Gewinnminderung aus. Allerdings verringert sich dadurch auch die Berechnungsgrundlage für die normale Abschreibung.

Was ist, wenn man es sich anders überlegt?

Wenn man es sich anders überlegt und auf die Anschaffung verzichtet, ändert das Finanzamt rückwirkend den Steuerbescheid des Jahres, in dem der Investitionsabzugsbetrag geltend gemacht wurde. Damit erhöht sich der Gewinn für das betreffende Jahr und es entsteht eine Steuernachforderung.

Achtung: Für die zusätzlich angefallenen Steuern fordert das Finanzamt Verzugszinsen (sechs Prozent). Allerdings beginnt die Verzinsung erst 15 Monate nach Ende des Jahres, für das die Rücklage gebildet worden ist.


Fünf Tipps zum Investitionsabzugsbetrag

1. Wer darf?
Einnahmen-Überschuss-Rechner mit einem Gewinn bis zu 100.000 Euro. Bei Bilanzierung Betriebsvermögen bis 235.000 Euro

2. Was darf man?
Neues und Gebrauchtes, es muss aber ein bewegliches Wirtschaftsgut sein

3. Wie viel darf man?
Bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten

4. Was ist außerdem wichtig?
Das Wirtschaftsgut muss mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden

5. Was passiert, wenn …?
Bei Nicht-Investition wird der Gewinn rückwirkend erhöht, die Steuernachforderung mit sechs Prozent verzinst. 

Autorin: Constanze Elter, Steuerjournalistin –  Steuern – leicht gemacht! –www.constanze-elter.de  
Fotos: Darren Jacklin/bauma; 123rf