Die Einschätzungen zur Geschäftslage verringerte sich um 13,7 Zähler auf 48,3 Punkte. Dies ist das niedrigste Niveau seit mehr als zehn Jahren.

Die Einschätzungen zur Geschäftslage verringerte sich um 13,7 Zähler auf 48,3 Punkte. Dies ist das niedrigste Niveau seit mehr als zehn Jahren. (Foto: © Creditreform)

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Das Handwerk leidet stark unter der Rezession

Die Lage des Handwerks ist innerhalb eines Jahres erneut schlechter geworden, meldet der Wirtschaftsdienst Creditreform. Die Stimmung sei auf dem tiefsten Stand seit über zehn Jahren. Auch die zunehmende Bürokratie belaste die Betriebe.

Die Wirtschaftskrise hat das Handwerk in Deutschland stark getroffen. Das geht aus einer Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen zur Geschäftslage verringerte sich um 13,7 Zähler auf 48,3 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit über zehn Jahren. Es ist auch einer der größten Rückgänge der letzten 20 Jahre. Jetzt sehen nur noch 55,3 Prozent der Handwerksbetriebe ihre Lage positiv. Vor einem Jahr waren es noch etwa 10 Prozent mehr. 7,0 Prozent der Befragten bezeichneten die Geschäftslage als mangelhaft oder ungenügend.

"Die schlechte Wirtschaftslage trifft ausgerechnet die Handwerksbetriebe mit voller Wucht. Kostensteigerungen, politische Unwägbarkeiten und das Ende des Baubooms führten zu einer historischen Verschlechterung der Stimmungslage", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Einzig das Kfz-Handwerk habe dem Negativtrend getrotzt und eine Verbesserung der Geschäftslage gemeldet.

Sinkende Umsätze, sinkende Investitionen

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Dem Handwerk könnte 2024 real weniger Umsatz drohen. 27,2 Prozent der befragten Betriebe erwarten sinkende Umsätze. Im Vorjahr waren es 16,8 Prozent. So viele Pessimisten gab es zuletzt 2009 während der Finanzkrise. Nur etwa ein Viertel (24,2 Prozent) hofft auf höhere Umsätze dieses Jahr. Letztes Jahr waren es 33,3 Prozent. Die Betriebe sind besorgt und rechnen mit schlechteren Zeiten. Sie fordern von der Politik mehr Vertrauen und Sicherheit. Ein klares Zeichen für die Sorge ist der Rückgang der Investitionsbereitschaft im Handwerk. Sie ist auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren. Nur 41,5 Prozent der Befragten wollen investieren.

Finanzierung wird schwieriger

Auch die Finanzierungsbedingungen haben sich verschärft und die Zinsen sind gestiegen. Rund die Hälfte der Betriebe (50,8 Prozent) berichtet von schlechteren Finanzierungskonditionen. Fast niemand berichtet von einer Lockerung. Das bremst die Bereitschaft zu Investitionen. Bei 13,6 Prozent der Antragsteller wurde der Kreditantrag abgelehnt. Auch das Interesse an Krediten ist gesunken. In den letzten sechs Monaten haben nur 20,9 Prozent der Betriebe ein Darlehen beantragt. Vor der Zinswende im Jahr 2021 war der Anteil höher, nämlich bei 32,7 Prozent. Besonders langfristige Kredite sind weniger gefragt.

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Eigenkapital wird wichtiger

Wegen finanzieller Engpässe mussten Handwerksbetriebe ihre Eigenkapital erhöhen. Der Anteil der Betriebe mit einer niedrigen Eigenkapitalquote unter 10 Prozent sank von 34,1 auf 32,0 Prozent. Diese Quote ist sogar tiefer als vor Corona – mit Ausnahme der Jahre 2016 und 2019. Der Anteil der Betriebe mit einer Eigenkapitalquote von über 30 Prozent stieg gleichzeitig von 22,8 auf 25,9 Prozent.

"Die Verschiebung hin zu höheren Eigenkapitalquoten bei vielen Unternehmen ist eine positive Entwicklung. Das deutet auf eine höhere Stabilität und Finanzierungssicherheit hin, aber auch auf große Vorsicht, sich finanziell nicht zu übernehmen", erklärte Hantzsch.

Weniger Beschäftigung
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Die Beschäftigung im Handwerk hat in den letzten Monaten abgenommen. Firmen stellten weniger ein, weil sie weniger Aufträge bekamen. Fast ein Viertel der Befragten (23,5 Prozent) beschäftigte weniger Mitarbeiter (17,9 Prozent) als im Vorjahr. Gleichzeitig hat etwa jeder fünfte Betrieb (19,6 Prozent) Personal aufgestockt. Das Handwerk sucht auch weiter nach Fachkräften: 20,6 Prozent der Befragten wollen demnächst mehr Personal einstellen. Dies ist aber weniger als letztes Jahr (25,2 Prozent).

"In den kommenden Jahren werden viele Leistungsträger in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig ist die Zahl der Ausbildungsabschlüsse deutlich niedriger als früher. Die Kapazitäten im Handwerk werden so weiter verknappt", warnt Creditreform-Sprecher Hantzsch.

Mehr Insolvenzen

Die Entwicklung bei den Handwerksinsolvenzen entspricht dem allgemeinen wirtschaftlichen Trend: Im Jahr 2023 gab es 4.050 Insolvenzen von Handwerksbetrieben. Im Jahr 2022 waren es noch 3.290. Das ist ein Anstieg um 23,1 Prozent.  "Viele Betriebe konnten Kostensteigerungen – insbesondere bei Energie und Finanzierungen – nicht mehr ausgleichen. Der schwache Konsum und Auftragsrückgänge belasteten zusätzlich", erklärt Hantzsch.

Bürokratie wird zum Mühlstein

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Die Umfrage zeigt, dass 80,3 Prozent der Handwerksbetriebe eine Zunahme der bürokratischen Anforderungen sehen. Staatliche Auflagen erschweren die Arbeit, sie führen zu zeitlichen Einschränkungen und finanziellen Problemen. 78,7 Prozent der Betriebe haben dadurch weniger Zeit für ihre Aufträge. Bürokratie verursache längere Wartezeiten für Kunden, sagen 49,2 Prozent. Handwerksleistungen werden teurer, weil mehr Zeit für Verwaltung nötig ist, sagen 51,0 Prozent der Befragten.

"Das Handwerk fühlt sich durch die Bürokratie nicht nur belastet, sondern immer mehr überlastet. Maßnahmen zum Bürokratieabbau bleiben anscheinend weitgehend wirkungslos", resümiert der Creditreform-Sprecher.Handwerkskonjuntur 2024 > Hier finden SIe den komplettten Bericht der CreditreformDeutsches Handwerksblatt jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Handwerksblatt registrieren! 

Text: / handwerksblatt.de

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