Theresia Quint leitet die Fleischerei Quint in Kenn bei Trier seit 20 Jahren, hat den Betrieb auf Bio umgestellt und wollte eine neue Produktion bauen. Doch die Mühlen der Verwaltung mahlten zu langsam.

Theresia Quint leitet die Fleischerei Quint in Kenn bei Trier seit 20 Jahren, hat den Betrieb auf Bio umgestellt und wollte in eine neue Produktion investieren. Doch die Mühlen der Verwaltung mahlten zu langsam. (Foto: © Quint)

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Bürokratie: Fleischerei Quint schließt nach 96 Jahren

Die Fleischerei Quint stellt ihre Produktion am 31. März ein. Geplant war das ganz anders. Firmenchefin Theresia Quint wollte fünf Millionen Euro investieren. Doch die Bürokratie machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Theresia Quint wollte rund fünf Millionen Euro in einen Umbau mit Neubau ihrer Fleischerei investieren - ein Familienbetrieb aus Kenn bei Trier, der in vier Jahren sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hätte. Doch die Bürokratie und eine langsame Verwaltung machten ihr einen Strich durch die Rechnung. Der Prozess vom ersten Bauantrag 2021 bis zur Baugenehmigung im Oktober 2023 dauerte am Ende zu lange. Statt zu investieren stellt die Unternehmerin die Produktion Ende März ganz ein. 

Der Prozess vom ersten Bauantrag 2021 bis zur Baugenehmigung im Oktober 2023 dauerte am Ende zu lange. Immer wieder kollidierten die Anforderungen an den Brandschutz und die des Veterinäramts. Neue Pläne mussten her, Entscheidungen verzögerten sich, weil Behörden-Mitarbeiter im Urlaub oder krank waren. "Akten wurden hin und hergeschoben oder ein halbes Jahr lang gar nicht bearbeitet", berichtet Theresia Quint, die ein unternehmerisches Denken in der Verwaltung und eine Zusammenarbeit zwischen den Behörden vermisst.

Auch für den Förderantrag kam die Baugenehmigung zu spät

In der Zwischenzeit explodierten die Baukosten, änderte sich die wirtschaftliche Lage und die Situation auf dem Fachkräftemarkt. Auch für den Antrag auf Fördermittel kam die Baugenehmigung letztlich zu spät. Hierzu hätte das Unternehmen nach der Baugenehmigung innerhalb von zwei Monaten Ausschreibungen machen und jeweils drei Angebote einholen müssen. Bis Ende 2024 hätte das Projekt abgeschlossen und in Betrieb genommen werden müssen. "Der Zeitrahmen war unrealistisch, deshalb mussten wir eine schnelle Entscheidung treffen."

Am 24. Januar wurde der Beschluss bekannt gegeben, dass die 1928 gegründete Fleischerei zum 31. März 2024 ihre Produktion einstellen wird. Es kam in den vergangenen drei Jahren eines zum anderen: Erst die Verzögerung der Baugenehmigung und währenddessen die gestiegenen Energiekosten, das veränderte Konsumentenverhalten, die hohe Inflation, die Zinswende und nicht zuletzt der Fachkräftemangel.

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2023 feierte das Familienunternehmen erst die Umstellung auf 100 Prozent Bio. In der Umstrukturierung steckten zehn Jahre Arbeit und Herzblut. Mit dem Neubau sollte die Produktion auch energetisch auf den neuesten Stand gehoben werden. "Die bereits angeschafften Geräte muss ich jetzt mit Verlust verkaufen", sagt die Unternehmerin, die die Fleischerei 20 Jahre lang geführt hat.

Standards aus der Industrie werden den kleinen Betrieben übergestülpt

Gemeinsam mit ihrem Sohn Luis Sanktjohanser betreibt sie noch mehrere Edeka-Märkte in Trier und will sich jetzt auf den Lebensmitteleinzelhandel fokussieren – zumal einer der Märkte gerade neugestaltet wird. "Es ist einfach alles zu bürokratisch geworden, deshalb können wir nicht mehr alle Felder bespielen." In der Stadt Trier laufe die Zusammenarbeit mit der Verwaltung übrigens hervorragend. "Hier hat man sich mit uns als Bauherren an einen Tisch gesetzt und gemeinsam versucht Lösungen zu schaffen, die für beide Seiten gut sind."

Auf einen klärenden Anruf des Landkreises Trier-Saarburg wartet Theresia Quint bis heute. Auch der Landrat und die Ministerpräsidentin hätten sich nicht gemeldet. Es sei nicht solidarisch, sagt sie, dass man Großunternehmen hofiert und den kleinen Betrieben, die etwas tun möchten und sich in der Region engagieren, Steine in den Weg legt. Oder dass man Standards – etwa im Bereich der Hygiene – für die Industrie konzipiert und sie dann den kleineren Betrieben eins zu eins überstülpt. Oder dass man die strengen Auflagen, die an einen Fleischereibetrieb gelegt werden, nicht in gleichem Umfang bei der mobilen Hähnchenbraterei nachverfolgt. "Das passt alles nicht mehr zusammen, wir bürokratisieren uns kaputt."  

Bürokratie: Größte Sorge im Fleischerhandwerk Im Herbst 2023 hat der Deutsche Fleischerverband Mitgliedsbetriebe zur Lage in den Unternehmen befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die Bürokratie die größte Sorge der Unternehmen ist. Knapp mehr als 90 Prozent der Fleischer sagten laut des Branchenportals fleischwirtschaft.de, dass ihnen die zunehmende Bürokratisierung Sorgen bereitet. Über 60 Prozent bezeichnen die Sorgen sogar als groß. Die Bürokratie belaste mehr als der Fachkräftemangel oder steigende Energiekosten. 

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Text: / handwerksblatt.de

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