Wenn der Rücken nicht mehr mitspielt
Schweres Heben und ungünstige Körperhaltungen belasten im Handwerk den Rücken. Ein Bandscheibenvorfall kann lange Ausfälle nach sich ziehen. Was Betroffene wissen sollten und wie sich vorbeugen lässt.
Handwerker sind bei ihrer täglichen Arbeit extremen Belastungen für den Rücken ausgesetzt. Hier schnell einen Sack Baustoff auf die Schulter genommen, dort stundenlang auf dem Boden ohne Knieschoner gearbeitet: Die Folgen werden oftmals erst sichtbar, wenn ein Arbeiten ohne Schmerzen plötzlich nicht mehr möglich ist. Die Diagnose lautet dann nicht selten: Bandscheibenvorfall. Gerade für Selbstständige ist das eine bittere Diagnose. Neben den Schmerzen, die die Betroffenen aushalten müssen, plagen die Sorgen, wie es weitergehen soll.
Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?
Bei einem Bandscheibenvorfall gerät das natürliche Puffersystem der Bandscheibe aus den Fugen. Aufgrund von Fehl- und Überbelastungen verrutscht der gallertähnliche Kern und drückt permanent gegen seinen äußeren Faserring. Die Folge ist eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion). Allein diese Vorwölbung kann sich schmerzhaft auf einzelne Nerven, Nervenbündel, Nervenwurzeln oder das Rückenmark auswirken. Ist der Faserring selbst instabil geworden, tritt der Gallertkern aus und der Bandscheibenvorfall ist komplett.
In beiden Fällen sollte zügig der Hausarzt aufgesucht werden, rät die IKK classic. Dieser überweist den Patienten dann an einen Neurologen, Orthopäden oder Neurochirurgen. Ein MRT macht eine genauere Diagnose möglich. In den seltensten Fällen passiert ein Bandscheibenvorfall über Nacht. Vielmehr sind gerade im Handwerk jahrelange Fehlbelastungen wie falsches Heben von schweren Lasten oder eine schlechte Körperhaltung die Ursache. Auch Übergewicht spielt eine zentrale Rolle. Der natürliche Alterungsprozess verstärkt die Anfälligkeit. Daher ist es kein Wunder, dass die meisten Bandscheibenvorfälle zwischen 30 und 50 Jahren auftreten.
Der Verlauf – und was Betroffene tun können
Ist ein Bandscheibenvorfall einmal eingetreten, lässt sich nicht generell sagen, wie lange er dauert, da jedes Krankheitsbild anders verläuft. Im Schnitt braucht der Körper etwa sechs Wochen, um die ausgetretene Flüssigkeit selbst abzubauen und damit den Druck von den Nervenwurzeln zu nehmen. In dieser Zeit sollten sich die Schmerzen deutlich verringern. Wenn nicht, kann unter Umständen eine Operation notwendig sein. Bis sich der äußere Faserring der Bandscheibe komplett erholt hat, kann bis zu einem Jahr vergehen. Wichtig ist, etwas zur Stärkung der Rumpfmuskulatur zu tun. Das gilt auch für Zeiten, wenn der Schmerz vorüber ist. Denn Bewegung ist entscheidend für Heilung und Vorbeugung. Nach ca. sechs Wochen ist sanfte Bewegung oft möglich. Danach kann mit gezieltem Krafttraining begonnen werden.
Auch die Ernährung spielt bei der Genesung eine zentrale Rolle. Gut sind kalziumreiche Lebensmittel wie Milch, Brokkoli, Grünkohl, Nüsse oder Tofu. Vitamin D liefern fettreicher Fisch, Eigelb oder Pilze. Vollkornprodukte und Nüsse sowie Hülsenfrüchte und Bananen enthalten wertvolles Magnesium. Gut gegen Entzündung sind darüber hinaus Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch, Leinöl und Walnüssen enthalten sind.
ikk-classic.de/bgm
VorbeugemaßnahmenDamit es erst gar nicht so weit kommt, empfiehlt die IKK classic Sport und Bewegung zur Vorbeugung, eine gesunde Körperhaltung, ausreichend trinken, Gewichtskontrolle, genügend Schlaf und eine passende Matratze. Vor allem aber gilt für viele Handwerkerinnen und Handwerker: Bei schweren Lasten lieber die Sackkarre nehmen oder sich von Kollegen helfen lassen, auf schonendes Heben (nicht aus der Vorbeuge) achten, Knieschoner nutzen und bei starker Belastung häufiger pausieren und Ausgleichsübungen machen.
Quelle: IKK classic
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Text:
Claudia Stemick /
handwerksblatt.de
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