Foto: © alphaspirit/123RF.com
HWK Münster | Oktober 2026
Gründungstage Münster: HWK bietet Workshops an
Bei den Gründungstagen Münster vom 9. bis 11. November 2026 unterstützt die Handwerkskammer Münster angehende Unternehmer mit vier Workshops.
Im Interview: Wilhelm Buchmüller, Ford Pro Direktor für Deutschland, Österreich und die Schweiz. (Foto: © Ford)
Vorlesen:
16. Oktober 2026
Wilhelm Buchmüller ist Ford Pro Direktor für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wir sprachen mit ihm über das neue Ford Pro Ökosystem und die Modellpalette.
DHB: Mit dem Transit City haben Sie ein chinesisches Modell in Ihre Transit-Familie aufgenommen, kostengünstig und kaum Optionen. Haben Sie keine Angst, Ihre eigenen Modelle zu kannibalisieren?
Buchmüller: Nein, überhaupt nicht. Denn wir haben genau in dem Bereich, in den der Transit City stößt, eine Marktnachfrage gesehen. Er ist auf Wirtschaftlichkeit und Effizienz ausgelegt und wurde gemeinsam mit unseren Ford Pro Ingenieuren speziell für innerstädtische Einsätze entwickelt. Mit dem Transit City erfüllen wir gezielt die Bedarfe von urbanen Gewerbekunden wie Bäckereien, Handwerksbetrieben oder Lieferdiensten und stärken so unsere Position im wichtigen 1-Tonnen-Nutzlast-Segment.
DHB: Der chinesische Partner hat dafür im Gegenzug ein starkes Vertriebsnetz bekommen, also das, woran chinesische Wettbewerber noch scheitern.
Buchmüller: Wir setzen mit JMC auf einen Partner, mit dem wir bereits seit mehr als 30 Jahren Transit-Modelle für den chinesischen Markt produzieren. Aus dieser langjährigen Partnerschaft erhalten wir nun auch für Europa ein wirtschaftlich attraktives Modell, das unser breites Portfolio noch ergänzt. Hinzu kommt: Bislang hatten wir im Ein-Tonnen-Bereich noch kein Fahrgestell. Diese Lücke schließen wir mit dem Transit City. Auf der IAA Transportation haben wir drei Aufbauvarianten auf Basis des Fahrgestells präsentiert, die wir als One-Stop-Shop-Lösung anbieten können.
DHB: Dabei setzen Sie auf gängige Aufbauten…
Buchmüller: …von Scattolini, Junge und Sortimo. Mit Kofferaufbau und als Pritschenwagen können wir den Transit City bereits im Einrechnungsgeschäft anbieten. Das heißt, Kunden können diese Umbauten direkt bei ihrem Transit-Center bestellen. Das gilt künftig auch für die Variante mit Regalaufbau.
DHB: Sehen Sie im Vertriebsnetz noch Lücken bzw. weiße Flecken auf der Landkarte?
Buchmüller: Nein, vielmehr sehe ich das umfassende Ford-Vertriebsnetz als eine unserer ganz großen Stärken. Mit mehr als 200 Transit-Centern in Deutschland sind wir flächendeckend präsent. Die Mitarbeiter sind auf Nutzfahrzeuge spezialisiert und speziell für die Bedürfnisse von Gewerbekunden geschult. Zudem bieten wir fast 100 mobile Service-Vans für Einsätze direkt beim Kunden und mit Ford Pro Mobility auch einen bundesweiten Verleih-Service für umgebaute Spezialfahrzeuge an.
DHB: Das ist bei den vielen individuellen Aus- und Umbauten eine große Herausforderung.
Buchmüller: Ja, in der Tat. Denn jedes zweite Nutzfahrzeug fährt mit einer Sonderausstattung oder Umbauten vom Hof. Inzwischen haben wir unser Ford Pro Mobility Netzwerk auf mehr als 100 Standorte in Deutschland ausgebaut. Damit stehen für unsere Gewerbekunden innerhalb von vier Stunden deutschlandweit maßgeschneiderte Nutzfahrzeuge wie Kipper oder Kühltransporter bereit.
DHB: Um Ausfallzeiten zu verringern, haben Sie auf der IAA Transportation auch neue Software-Tools präsentiert.
Buchmüller: Genau, wir bauen auch unser Angebot an datenbasierten Lösungen kontinuierlich aus. Bereits im Juli haben wir mit Dealer Uptime Services ein Software-Tool speziell für kleinere und mittlere Flotten ausgerollt. Händler vor Ort können damit die Fahrzeugdaten ihrer Gewerbekunden überwachen und so bei Bedarf proaktiv handeln. Für Großflotten führen wir nun Ford Uptime Services ein. Hier übernehmen Ford Pro Mitarbeiter die Überwachung der Daten, priorisieren Handlungsbedarfe und koordinieren Wartungstermine. Für unsere Kunden reduziert sich so die Ausfallzeit ihrer Flottenfahrzeuge um bis zu 50 Prozent. Sie sparen Zeit und damit Geld und können sich voll auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren. Mit unseren Uptime Services heben wir uns deutlich ab – gerade mit Blick auf neue Wettbewerber.
DHB: Fürchten Sie die neuen Konkurrenten, vor allem die neuen chinesischen Wettbewerber?
Buchmüller: Ford Pro bietet das branchenweit führende Ökosystem: Unsere Kunden profitieren also von unserem umfassenden Angebot an maßgeschneiderten Fahrzeugen, smarten Software-Lösungen sowie einem flächendeckenden und spezialisierten Service- und Händlernetz. Deshalb fürchten wir uns auch nicht, sondern sehen den Wettbewerb vielmehr als Ansporn, unser Angebot weiter zu verbessern.
DHB: Mit Ihrem Ökosystem sind Sie im Vergleich zum Wettbewerb deutlich besser aufgestellt, weil Sie früh angefangen haben, Fahrzeugdaten der Kunden auszuwerten. War es schwierig, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen?
Buchmüller: Eigentlich nicht, denn als Händler des Vertrauens haben unsere Ford-Partner einen Vertrauensvorschuss. Vor allem aber steht hinter dem Ökosystem ein überzeugendes Geschäftsmodell, das dem Kunden echten Mehrwert bietet. Die Kunden wissen ganz genau: Wenn mein Fahrzeug steht, verdiene ich kein Geld – und mit unseren Daten können wir deutlich machen, wie stark wir die Stillstandzeiten reduzieren und den Kunden echte Wettbewerbsvorteile verschaffen können.
DHB: Der Betriebsinhaber muss aber auch seine Mitarbeiter überzeugen, wenn er mit Hilfe der Daten vom Standort über die Fahrweise bis hin zu Fehlermeldungen alles erfassen kann.
Buchmüller: Das ist richtig, ohne Zustimmung der Mitarbeiter geht es nicht. Aber auch die Mitarbeiter sehen die Vorteile, weil zum Beispiel Daten erfasst werden, die sie sonst händisch selbst nachliefern müssten. Und die Tatsache, dass die Fahrweise mit Blick auf Verbräuche oder Verschleiß erfasst werden kann, nutzen manche Betriebe sogar als positive Motivation: Der Mitarbeiter mit den geringsten Verbräuchen bekommt eine Prämie. Gerade in kleineren Betrieben herrscht oft ein besonderes Vertrauensverhältnis.
DHB: Ford ist eine Partnerschaft mit Renault eingegangen. Wie ist der Stand der Dinge?
Buchmüller: Wir hatten Ende letzten Jahres konkret die gemeinsame Entwicklung zweier Pkw-Modelle angekündigt. Kürzlich haben wir erste Designstudien ausgewählten Händlern vorgestellt. Die Modelle sind extrem gut angekommen. Im Bereich leichter Nutzfahrzeuge haben wir zudem eine Absichtserklärung für eine mögliche Zusammenarbeit unterschrieben. Zu künftigen Modellen äußern wir uns grundsätzlich nicht. Aber Ford Pro ist ohnehin mehr als ein Fahrzeughersteller. Wir sehen uns als integrierter Partner für Gewerbekunden, deren Arbeitsalltag wir mit unseren Produkten und Services produktiver machen. Und in dieser Rolle kann man auch in Zukunft einiges von uns erwarten.
DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!
Kommentar schreiben