Fleischermeister Lutz Kluke wird den Familienbetrieb in Mettmann Metzkausen in dritter Generation weiterführen.

Fleischermeister Lutz Kluke wird den Familienbetrieb in Mettmann Metzkausen in dritter Generation weiterführen. (Foto: © Lutz Kluke)

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Interview: "Mitwirken und mitgestalten statt meckern"

Im Gespräch mit dem Deutschen Handwerksblatt äußert sich Fleischermeister Lutz Kluke über seinen Werdegang, sein ehrenamtliches Engagement und Herausforderungen sowie Chancen im Handwerk.

Lutz Kluke aus Mettmann ist Fleischermeister, Obermeister der Fleischer-Innung Düsseldorf-Bergisches Land, Vorstandsmitglied im Fleischerverband Nordrhein-Westfalen und bei den Junioren des Handwerks des Kammerbezirks Düsseldorf aktiv. Gemeinsam mit Vater Thomas Kluke führt er die Fleischerei Kluke, nach außen unter dem Namen Stierfleisch bekannt, im Mettmanner Ortsteil Metzkausen. "Dort, wo die Welt noch in Ordnung is(s)t", so Kluke.

Im Interview mit dem Deutschen Handwerksblatt (DHB) äußert der 32-Jährige seine Sicht auf das Handwerk und wagt einen Blick in die Zukunft.

DHB: Herr Kluke, knapp Ihr halbes Leben lang sind Sie nun Fleischer. Welche war Ihre Motivation, ins Fleischerhandwerk zu gehen?
Kluke:
Kurz gesagt bin ich der Klassiker, der aus der Familie entsprungen ist. Ich erinnere mich sehr gerne an einen Tag in der fünften Klasse zurück: Wir sollten mitteilen, welcher unser Traumjob ist. Bei mir stand fest: Fleischer. Weil ich damals schon wusste, dass ich die Fleischerei meines Vaters fortführen möchte. Daran hat sich meine gesamte schulische Laufbahn orientiert. Wobei ich dazu auch sagen muss, dass mein Handwerk tatsächlich mein Talent ist, ich habe das Richtige gefunden.

Foto: © Lutz KlukeFoto: © Lutz Kluke

DHB: Sie sind außerdem in mehreren Ehrenämtern aktiv. Was motiviert Sie zu diesem ehrenamtlichen Engagement?
Kluke:
Das Wissen darüber, dass ich diesen Job auch noch die nächsten 50 Jahre machen will. Ich möchte in diesem Beruf so lange tätig sein, wie ich es kann. Allerdings in dem Wissen, dass man letztlich durch das Ehrenamt, beziehungsweise die Verbandsorganisation, die gewissen Stellschrauben in die richtige Richtung bewegen kann, damit es eine Zukunft für unsere Gewerke gibt. Daher habe ich für mich relativ früh die Entscheidung gefasst, mich aktiv zu beteiligen. Natürlich bedeutet das gleichzeitig die Auszubildendengewinnung, also die Repräsentation bei den jüngeren Generationen.

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DHB: Seit diesem Jahr sind Sie Obermeister der Fleischer-Innung Düsseldorf-Bergisches Land, zuletzt wurden Sie zum Vorstandsmitglied im Fleischerverband Nordrhein-Westfalen ernannt.
Kluke:
Das stimmt. Als Nächstes kommt hinzu, dass ich aktuell für den Posten von einem von vier Vizepräsidenten des Deutschen Fleischer-Verbandes kandidiere – um mehr Einfluss auf die noch größeren Themen zu haben.

DHB: Welche sind aus Ihrer Sicht die aktuell größten Herausforderungen für das Fleischerhandwerk im Allgemeinen?
Kluke:
Das ist einmal eine überbordende Bürokratie als gewerkeübergreifendes Thema. Wir als Lebensmittelproduzenten müssen einerseits Dokumentationen und bürokratischen Wahnsinn bezüglich der Arbeitssicherheit einhalten, was alle müssen, andererseits betrifft uns das Lebensmittelrecht – die Rückverfolgbarkeit und viele Schritte, die doppelt und dreifach dokumentiert werden müssen. Gerade dieser extreme bürokratische Wahnsinn kann dazu führen, dass Unternehmensgründungen massiv darunter leiden.

Hinzu kommen der Personalmangel und das Betriebssterben. Wir verlieren dadurch eine Menge Vielfalt, da eben diese individuellen Handwerker sowie Handwerksbetriebe wegfallen. 

DHB: Was muss aus Ihrer Sicht verbandstechnisch passieren, damit die Betriebe auch in Zukunft erfolgreich auftreten können?
Kluke:
Der Verband muss sich deutlich stärker in die politischen Entscheidungen einmischen, sogenannte Lobbyarbeit tätigen. Es ist tatsächlich so, dass die Einflussnahme der Verbände in den vergangenen Jahren zu schwach gewesen ist – das liegt aber unter anderem auch daran, dass der Großteil, der im Lebensmittelrecht entschieden wird, aus Brüssel kommt. Und diese Eingriffssphäre nach Brüssel ist sehr schwierig, weil es dabei um EU-Recht geht.

Die essenziellste Aufgabe ist, dass der Verband sich darum bemühen muss, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass wir eine Planungssicherheit haben, und dass Betriebe mehr Eigenverantwortung zugesprochen bekommen. 

DHB: Wie kann es heutzutage gelingen, mehr junge Menschen für das Fleischerhandwerk zu begeistern?
Kluke:
Ganz klar Social Media, weil es uns Handwerkern und darunter auch den Fleischern den unglaublichen Vorteil bringt, unsere Geschichte erzählen zu können. Wir können zeigen, wofür wir stehen. Wir können den Leuten etwas an die Hand geben und wir haben ein Gesicht dazu. Am Ende ist es nämlich die Art und Weise, wie ich mich darstelle und präsentiere, auf die es ankommt. Diesen enormen Wandel nehme ich im gesamten Handwerk wahr: Kolleginnen und Kollegen aus jeglichen Gewerken haben erkannt, dass sich eine Präsenz in den sozialen Medien lohnt. Wir müssen zeigen, was wir können.

Ein Beispiel: Wir haben in diesem Jahr vier Auszubildende. Der Auftritt auf Social Media trägt nämlich dazu bei, mit den Negativklischees aufzuräumen und junge Menschen für unsere Branche zu begeistern. Das Handwerk erlebt in diesen Zeiten von unsicheren industriellen Arbeitsplätzen und einer gleichzeitig boomenden KI ein großes Comeback.

Die Fleischerei Kluke auf Social Media 

Der Mettmanner Betrieb Stierfleisch zählt zu den wenigen selbstschlachtenden Fleischereien Deutschlands. Das Wohl der Tiere hat dabei höchste Priorität. Auf Social Media gewährt die Fleischerei Kluke Einblicke in ihren Betriebsalltag. Im Video zu sehen: das Abholen sowie Verladen der Schweine beim Bauernhof in Wesel für den Transport nach Mettmann.

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DHB: Wo sehen Sie das Fleischerhandwerk in zehn Jahren?
Kluke:
Ich glaube, dass sich das Fleischerhandwerk in den nächsten zehn Jahren noch mehr reduzieren wird. Aber ich denke auch, dass sich in der gesamten Darstellung unseres Gewerks etwas Positives daraus entwickeln lässt – weil wir dann eine Vielzahl von jungen Fleischern haben, die Lust auf das haben, was sie tun, und eine Vision gemeinsam vertreten. Von einem Fleischerhandwerk, das für ein Morgen stehen kann, wo es nicht darum geht, Masse zu schaffen.

Mit Blick auf die kommenden Jahre sollten wir uns gesamtheitlich sehr groß spezialisieren, auf Qualität setzen, auf Nachhaltigkeit, auf Regionalität und ein Fleischerhandwerk darstellen, welches seine Werte kennt und zeigt. Wir profitieren bei uns in der Gegend schon davon, dass sich die Kunden ganz klar mit ihrer Fleischerei identifizieren und sagen: 'Ich gehe zum Kluke.' Sozusagen Klasse statt Masse.

DHB: Welche Empfehlung würden Sie Ihren Handwerkskollegen mit auf den Weg geben?
Kluke:
Ich würde vor allem jedem jungen Handwerker empfehlen, sich ehrenamtlich zu engagieren, weil wir am längsten etwas davon haben. Wir sind am längsten darauf angewiesen, dass die Rahmenbedingungen zu unserem Morgen passen. Wer sich nicht engagiert, kriegt auch kein Gehör. Gerade als Verband, in dem man sich vereint aufstellt, erhält man die nötige Öffentlichkeitswirksamkeit.

Auf Social Media kann man tolle Statements sehen, auch von jungen Handwerkern aus jeglicher Branche – nur auf der politischen Bühne wird das nicht Fuß fassen, sondern man muss das organisiert als Verband tun. Deswegen rate ich gerade den jungen Leuten, sich verstärkt in Verbänden zu engagieren. Am Ende bringt Meckern nichts – man muss aktiv mitwirken und mitgestalten.

Das Interview führte Verena S. Ulbrich.DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!

Text: / handwerksblatt.de

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