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Mit KI leichter Fachkräfte für den Handwerksbetrieb finden

Stellenanzeigen zum Hingucker machen, bei Google gefunden werden, Gespräche vorbereiten: Wie Handwerker KI als Werkzeug in der Personalarbeit nutzen können und wo sie aufpassen müssen.

Die Personalarbeit verändert sich. Früher ging es darum, in Zeitungen präsent zu sein. Danach wurde Google wichtig: Wer bei Suchbegriffen wie beispielsweise "Dachdecker Ausbildung Düsseldorf" weit oben erschien, hatte bessere Chancen. Heute fragen Nutzer direkt die KI: "Nenne mir drei gute Dachdeckerbetriebe in Düsseldorf, die modern ausbilden und ein gutes Team haben." Google zeigt dann Trefferlisten, Karten, Bewertungen und Webseiten. Das Unternehmen von Dachdeckermeister und Industriekletterer Sebastian Leinung erscheint bei dieser konkreten Anfrage in den Treffern ganz weit oben. "Ich arbeite tagtäglich mit KI", sagt der Unternehmer. Sein Betrieb wirbt seit Jahren auf vielen Kanälen – online, über Social Media, auf Plakaten oder bei Aktionen mit Schulen. Das verschafft ihm Sichtbarkeit. Eine KI fasst nur die Informationen zusammen, die sie im Internet finden kann. Sie bewertet öffentlich auffindbare Inhalte und nennt in ihren Suchergebnissen oft nur wenige Betriebe.

Das ist ein wichtiger Punkt für Betriebe, die ausbilden und Personal suchen: Gesucht und gefunden werden sie immer seltener über klassische Anzeigen und stattdessen immer häufiger über Google und Social Media. Auf dem "Aktionstag Personal" der Handwerkskammer Düsseldorf zeigte HWK-Unternehmensberaterin Sarah Eichhorn, wie kleinere Betriebe KI nutzen können, um sichtbarer zu werden, bessere Stellenanzeigen zu schreiben und Bewerber einfacher zu erreichen.

250.000 Fachkräfte fehlen derzeit bundesweit im Handwerk. Gerade kleine Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden haben selten ein eigenes Marketingteam für Stellenanzeigen oder Social Media. Genau hier kann KI unterstützen, so Sarah Eichhorn. Nicht als Ersatz für persönliche Ansprache oder gute Personalarbeit, sondern als Werkzeug. "Die Entscheidung bleibt letztendlich beim Betrieb." KI könne Ideen für Stellenanzeigen liefern, Entwürfe formulieren, Texte verbessern und Varianten erstellen. Nutzen müsse der Betrieb das Ergebnis aber bewusst.

Viele Betriebe haben die Entwicklung noch nicht im Blick: Eine Chance für die anderen

Für Handwerksbetriebe sei das Risiko – aber auch eine Chance, so Unternehmensberaterin Eichhorn. Viele Wettbewerber hätten diese Entwicklung noch nicht im Blick. Damit KI einen Betrieb überhaupt empfehlen kann, braucht sie Informationen. Entscheidend bleiben deshalb die eigene Website, Kunden-Bewertungen, Unternehmensprofile, Stellenportale, Social Media und Presseberichte. Auch Veröffentlichungen Dritter können eine Rolle spielen: Artikel über Aktionen, Auszeichnungen, ehrenamtliches Engagement, Sport-Sponsoring oder Berichte der Handwerksorganisationen.

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Besonders wichtig sei nach wie vor die eigene Website. Sie sei "ein Schatz", weil der Betrieb dort selbst steuern könne, welche Informationen öffentlich sichtbar sind. Wer Ausbildung anbietet oder Fachkräfte sucht, sollte dort verständlich erklären, was Bewerber wissen wollen:

  • Arbeitszeiten,
  • Vergütung oder zumindest Vergütungsrahmen,
  • typische Tätigkeiten,
  • Projekte,
  • Team,
  • Ansprechpartner und
  • ein einfacher Bewerbungsweg. 

Viele Betriebe machen das in Form eines Fragen-und-Antworten-Katalogs (FAQ). 

Junge Menschen legen übrigens laut Eichhorn Wert auf Nähe zum Wohnort, einen guten Ruf, ein gutes Betriebsklima und Infos über konkrete Tätigkeiten. Der Betrieb von nebenan habe deshalb gute Chancen. KI kann dabei helfen, diese Informationen in passende Texte zu bringen. Dafür braucht es jedoch gute Anweisungen, sogenannte Prompts. "Wer nur schreibt 'Gestalte mir eine Stellenanzeige', bekommt ein austauschbares Ergebnis", so die Expertin.

Der KI für die Stellenanzeige Kontext geben: 

  • Wer ist der Betrieb?
  • Wie groß ist das Team?
  • Welche Besonderheiten gibt es?
  • Werden Azubis, Fachkräfte, Quereinsteiger oder Wiedereinsteiger gesucht?
  • Soll der Ton freundlich, bodenständig oder humorvoll sein?
  • Ist der Text für eine Jobbörse, Social Media oder die Website gedacht?
  • Soll geduzt oder gesiezt werden? 

Auch vorhandene Texte können überarbeitet werden. Ein Betrieb kann der KI zum Beispiel den aktuellen Ausbildungstext geben und fragen: "Welche Informationen fehlen aus Sicht eines 16-jährigen Bewerbers?" Anschließend kann die KI eine neue Fassung vorschlagen. So entstehen schnell bessere Entwürfe, die der Betrieb prüfen und anpassen kann.

Eichhorn warnte zugleich vor "langweiligen Stellenanzeigen". Viele Texte begännen mit austauschbaren Beschreibungen des Betriebs und langen Anforderungen. Gerade der Einstieg sei aber entscheidend. Jobbörsen nutzen ihn oft für Vorschauen. Wenn der erste Satz nicht neugierig macht, werde nicht geklickt.

Wichtig für das Handwerk ist auch lokale Sichtbarkeit

Manche junge Betriebe glauben, eine Website sei nicht mehr nötig, wenn sie auf Instagram oder TikTok aktiv seien. Hier widerspricht die Personalexpertin der Handwerkskammer. Gerade regional könne man mit wenig Aufwand viel erreichen, weil andere Betriebe dort oft wenig tun.

Der erste Impuls entsteht häufig vor Ort:

  • ein Plakat an einem Bauzaun, 
  • eine Aktion an einer Schule,
  • Engagement im Verein (Bandenwerbung, Trikotwerbung) oder 
  • Werbung im Stadtteil. 

Danach wird auf dem Handy entschieden, ob daraus Kontakt wird. Deshalb brauche es einen QR-Code, echte Einblicke in das Team und eine einfache Möglichkeit, sich schnell zu melden. Als gelungen beschrieb Eichhorn eine "Bewerberreise ohne Brüche":

  • Ein Interessent sieht vor Ort Werbung,
  • schaut online nach,
  • findet glaubwürdige Informationen, Bewertungen und Einblicke,
  • erkennt einen passenden Betrieb und
  • kann unkompliziert Kontakt aufnehmen – etwa per WhatsApp oder über ein kurzes Formular. 
  • Jeder Übergang muss verständlich und einfach sein.

Versprechen müssen zum Betrieb passen

Wichtig dabei ist Authentizität: Wenn Website, Social Media oder Anzeige ein modernes, wertschätzendes Bild zeichnen, der Bewerber im Gespräch aber einen völlig anderen Eindruck bekommt, fällt das schnell auf.

Tipps für die Praxis:

  • Die eigene Website aus Sicht eines 17-jährigen Bewerbers prüfen lassen.
  • Eine Stellenanzeige mit echten Vorteilen neu formulieren.
  • Drei authentische Teameinblicke für Social Media planen.
  • Lokale Kontaktpunkte suchen und mit einem kurzen Bewerbungsweg verbinden.
  • Auch Plakatwerbung, Werbung auf Bierdeckeln, Brötchentüten oder besondere Aktionen könnten Aufmerksamkeit schaffen.

Personalgewinnung endet nicht bei der Bewerbung

Wenn der neue Mitarbeiter, die neue Mitarbeiterin gefunden ist, dann muss man sie auch halten. Wichtig sind hier Wertschätzung, Gespräche, Willkommensbriefe oder regelmäßige Mitarbeitergespräche, so Eichhorn. Und auch da kann KI helfen.

Mitarbeitergespräche mit KI vorbereiten:

  • Gesprächsleitfäden,
  • Formulierungen oder
  • strukturierte Abläufe. 

Die menschliche Führung ersetze das nicht, könne aber entlastet werden. Dachdeckermeister Sebastian Leinung kann das bestätigen: "Was früher acht, neun oder mehr Stunden gedauert hätte, geht heute deutlich schneller." Für den Unternehmer schafft KI Freiraum für das, was er selbst "das Menscheln" im Betrieb nennt: persönliche Gespräche, Arbeit mit jungen Menschen, Ausbildung und Teamkultur.

👉🏻 Alle Handwerkskammern beraten zum Thema Personal und Fachkräftebindung. Das Angebot ist für Handwerksbetriebe kostenfrei. 

KI im Personalbereich: Verantwortung bleibt beim Betrieb

Generative KI kann Handwerksbetriebe im Alltag unterstützen: Stellenanzeigen formulieren, Anforderungsprofile vorbereiten, Social-Media-Beiträge erstellen, Dienstpläne entwerfen oder Vorlagen für Mitarbeitergespräche liefern.

KI ist ein Werkzeug, aber sie nimmt Betrieben keine Verantwortung ab, betont Kenan Tilki von der Creditreform Compliance Services GmbH. Besonders im Personalbereich sei große Vorsicht geboten, sobald Entscheidungen Auswirkungen auf Menschen haben, so der Experte beim Aktionstag Personal der Handwerkskammer Düsseldorf. Oder wenn man sensible Informationen wie Namen und Adressen eintippt. Eine Stellenanzeige mit KI zu formulieren sei etwas anderes, als Bewerbungen automatisiert bewerten oder Absagen erstellen zu lassen.

Rechtlich kommt zur bestehenden Gesetzeslage die europäische KI-Verordnung hinzu. Sie ersetzt Datenschutzrecht, Arbeitsrecht, Urheberrecht oder Persönlichkeitsrechte nicht, sondern ergänzt sie, erklärt Tilki. Betriebe müssen deshalb prüfen, welche Daten sie in KI-Systeme eingeben, wo diese verarbeitet werden und ob Betroffene ihre Rechte ausüben können (interne KI-Richtlinie). 

Ein zentrales Risiko seien fehlerhafte oder verzerrte Ergebnisse. KI errechne Wahrscheinlichkeiten und liefere nicht automatisch richtige Antworten. Werden schlechte, unvollständige oder diskriminierende Daten genutzt, können falsche oder ungerechte Ergebnisse entstehen. Gerade bei Bewerberauswahl, Punktesystemen oder automatisierten Absagen könne der Einsatz schnell in den Hochrisikobereich fallen.

Tilki rät Betrieben, KI-Kompetenz im Team aufzubauen. Beschäftigte sollten wissen, welche Daten eingegeben werden dürfen und wo die (rechtlichen) Grenzen liegen. 

Bei Chatbots oder anderen KI-Systemen, die mit Menschen kommunizieren (KI-Anrufbeantworter etc.) müsse man die Transparenzpflicht (mehr dazu hier) beachten, damit die Nutzer erkennen, dass sie nicht mit einem Menschen sprechen. 

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Text: / handwerksblatt.de

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