Handwerkskonjunktur bleibt ohne Schwung
Die Handwerkskammer Münster warnt vor den Folgen einer anhaltenden Investitionszurückhaltung.
Das Handwerk im Kammerbezirk Münster kommt auch im Herbst 2026 nicht richtig in Schwung. Zwar hat sich die Geschäftslage gegenüber dem Frühjahr etwas stabilisiert, die Zukunftsaussichten haben sich jedoch eingetrübt. Das meldet die Handwerkskammer (HWK) Münster auf Basis ihrer Konjunkturumfrage mit 579 teilnehmenden Betrieben. Besonders die Investitionsschwäche bereitet ihr Sorgen. "Die Betriebe behaupten sich trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Doch es fehlt an Zuversicht und Investitionsbereitschaft", betont HWK-Präsident Jürgen Kroos. Er fordert mehr Freiräume für unternehmerisches Handeln: "Weniger Bürokratie und eine spürbare Entlastung bei Steuern und Abgaben sind wichtige Voraussetzungen, damit die Betriebe wieder in ihre Zukunft investieren." Die aktuelle Geschäftslage bewerten 40 Prozent der Betriebe als gut, drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahresherbst. Gleichzeitig ist der Anteil mit schlechter Geschäftslage von 18 auf 22 Prozent gestiegen. Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft damit zunehmend uneinheitlich.
Für die kommenden sechs Monate überwiegt die Skepsis. Nur 13 Prozent rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, 29 Prozent dagegen mit einer Verschlechterung, gut drei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. "Die Betriebe haben sich auf die schwierige Situation eingestellt. Dass die Zuversicht trotzdem nachlässt, zeigt, wie sehr Wachstumsimpulse fehlen", kommentiert der Kroos. Der Geschäftsklimaindikator fällt von 100,7 Punkten (Herbst 2025) auf 99,5 Punkte und liegt damit knapp unter der Stagnationsgrenze. Im Frühjahr 2026 hatte er noch 101,2 Punkte erreicht. Eine nachhaltige Erholung zeichnet sich nicht ab. Besonders besorgt zeigt sich die HWK über die nachlassende Investitionsbereitschaft. Der Investitionsindikator ist binnen Jahresfrist von 85,5 auf 78,4 Punkte gefallen. Mehr als jeder dritte Betrieb (35 Prozent) hat seine Investitionen reduziert. Für die kommenden Monate rechnen 39 Prozent mit weiteren Rückgängen, nur 12 Prozent wollen mehr investieren. "Wenn Betriebe Investitionen aufschieben, fehlen Mittel für Modernisierung, Digitalisierung und neue Technologien. Damit steht die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks auf dem Spiel", warnt Kroos.
Schwache Umsatzentwicklung
Auch die Umsatzentwicklung bleibt schwach. Der Anteil der Betriebe mit rückläufigen Umsätzen ist von 37 auf 41 Prozent gestiegen. Nur jeder fünfte Betrieb meldet Zuwächse. Bei den Auftragsbeständen zeigen sich leichte Verbesserungen: Der Anteil der Betriebe mit Zuwächsen steigt von 16 auf 19 Prozent. Allerdings berichten weiterhin 41 Prozent von Rückgängen. Die durchschnittliche Auftragsreichweite sinkt von 8,8 auf 8,3 Wochen. Eine durchgreifende Belebung der Nachfrage bleibt aus. Die Kapazitätsauslastung liegt mit durchschnittlich 78 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau. Für die kommenden Monate erwarten mehr Betriebe eine sinkende als eine steigende Auslastung.
Die schwache Konjunktur belastet auch die Beschäftigung. Etwa jeder vierte Betrieb meldet gesunkene Beschäftigtenzahlen. Für die kommenden sechs Monate rechnen 18 Prozent mit einem weiteren Rückgang, nur 11 Prozent mit zusätzlicher Beschäftigung. Gleichzeitig haben 38 Prozent offene Stellen. Konjunkturelle Beschäftigungsschwäche und Personalbedarf bestehen damit nebeneinander.
Die Entwicklung der einzelnen Handwerksgruppen fällt sehr unterschiedlich aus:
- Das Bauhauptgewerbe verzeichnet einen deutlichen Rückgang des Geschäftsklimaindikators von 108,9 auf 94,6 Punkte. Die aktuelle Geschäftslage bleibt überwiegend positiv, die Erwartungen haben sich jedoch erheblich verschlechtert.
- Das Ausbaugewerbe entwickelt sich vergleichsweise günstig. Der Indikator steigt von 95,8 auf 103,8 Punkte. Die Geschäftslage verbessert sich, die Erwartungen bleiben jedoch negativ.
- Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf stehen erheblich unter Druck. Ihr Indikator sinkt von 93,8 auf 80,7 Punkte. Sowohl Geschäftslage als auch Erwartungen werden überwiegend negativ bewertet. Die Branche befindet sich in einer ausgeprägten konjunkturellen Schwächephase.
- Das Kraftfahrzeuggewerbe erreicht 98,8 Punkte nach 102 Punkten im Vorjahresherbst. Gegenüber dem Frühjahr hat sich die Situation aber verbessert. Die Erwartungen bleiben verhalten.
- Besonders stark verschlechtert hat sich die Stimmung im Nahrungsmittelgewerbe. Der Indikator fällt von 116,8 auf 88,5 Punkte. Die Branche ist binnen Jahresfrist vom Hochkonjunktur- in den Rezessionsbereich gerutscht. Gegenüber dem Frühjahr hat sich die Lage auf niedrigem Niveau stabilisiert.
- Das Gesundheitsgewerbe weist mit 119,1 Punkten den höchsten Geschäftsklimaindikator auf (Vorjahr: 113,1 Punkte). Die Geschäftslage wird besonders positiv bewertet, die Erwartungen sind nahezu ausgeglichen.
- Die personenbezogenen Dienstleistungen entwickeln sich stabil. Ihr Indikator steigt von 103,1 auf 104,1 Punkte. Als einzige Handwerksgruppe weisen sie sowohl eine positive Geschäftslage als auch klar positive Erwartungen auf.
Fazit: "Die Unterschiede zwischen den Branchen zeigen, wie verschieden die wirtschaftlichen Herausforderungen sind. Insgesamt fehlt aber eine verlässliche Aufwärtsentwicklung", fasst Kroos zusammen. "Unsere Betriebe brauchen mehr Spielraum für unternehmerische Entscheidungen. Wenn sich Investitionen lohnen und Unternehmen Vertrauen in die Zukunft gewinnen, entstehen auch neue Chancen für Beschäftigung und Ausbildung."
Hintergrund: Handwerk im Kammerbezirk Hintergrund Zum Handwerk im Kammerbezirk Münster gehören 31.166 Betriebe (Stand: 30. September 2026) mit rund 234.000 Beschäftigten. Sie erwirtschaften ungefähr 33,6 Milliarden Euro Jahresumsatz.
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Text:
Handwerkskammer Münster /
handwerksblatt.de
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