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HWK des Saarlandes | September 2026
Baum der Gewerke setzt ein wichtiges Zeichen
Mit dem Baum der Gewerke in der St. Ingberter Innenstadt setzt die Stadt ein wichtiges Zeichen für Vielfalt und Wirtschaftskraft.
"Nur Ausgang" steht an der Wand. Für Antonius Lange führt der Weg gerade in eine neue Richtung: zum eigenen Betrieb. In die Übernahme ist er bereits eingestiegen – auf die künftige Verantwortung bereitet er sich auch mit dem Coaching-Programm NachfolgeKompass vor. (Foto: © Sabrina Wacker Fotografie)
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18. September 2026
Maurer- und Betonbaumeister Antonius Lange will ein Handwerksunternehmen übernehmen. Im Coachingsprogramm NachfolgeKompass bereitet er sich vor.
Manchmal beginnt ein beruflicher Weg an einem ziemlich ungewöhnlichen Ort. Bei Antonius Lange war es eine rund 80 Quadratmeter große Hütte im Garten seines Großvaters. Während Lange mitten in den Abiturprüfungen steckte, sollte das unfertige Gebäude für künftige Partys hergerichtet werden. Verschiedene Gewerke waren gefragt – und Lange packte mit an. Besonders die Arbeit der Maurer gefiel ihm. Das Grobe, das Handfeste, die Vielseitigkeit. Dass er nach dem Abitur eine Maurerausbildung begann, war deshalb keine Notlösung. "Ich wusste: Studium ist es auf keinen Fall", sagt Lange. Das Handwerk dagegen machte ihm Spaß. Und schon zu Beginn der Ausbildung war da der Ehrgeiz, es darin weit zu bringen.
Nach der Ausbildung wechselte er zunächst den Arbeitgeber, weil er neben der Sanierung auch den Neubau kennenlernen wollte. Gleichzeitig wurde sein berufliches Ziel konkreter: Er wollte nicht dauerhaft Mitarbeiter bleiben, sondern selbst einen Betrieb führen. Eine Nachfolgeperspektive gab es bei seinem damaligen Arbeitgeber aber nicht. Heute ist Lange Maurer- und Betonbaumeister.
Die Gelegenheit kam über einen Zufall. Während der Vollzeit-Meisterschule am HBZ Münster hörte Lange ein Gespräch über die E. Liebing GmbH in Gelsenkirchen. Der Baubetrieb suchte einen Nachfolger. Der Name blieb ihm im Gedächtnis – und auch ein halbes Jahr später stand das Unternehmen noch auf seiner persönlichen To-do-Liste. Kurz vor der Meisterprüfung griff Lange schließlich zum Telefon. An einem Freitagnachmittag erreichte er einen der Geschäftsführer, stellte sich vor und schickte seinen Lebenslauf. Es folgte ein erstes gemeinsames Essen beim Italiener. Aus der Frage, ob eine Nachfolge denkbar wäre, wurde ziemlich schnell die Frage, wie und wann sie gelingen könnte.
Seit November 2025 arbeitete Lange zunächst auf geringfügiger Basis im Unternehmen, seit Juli ist er dort in Vollzeit tätig. Noch ist er auf der Baustelle ebenso anzutreffen wie im Büro. Doch der Schwerpunkt soll sich zunehmend verschieben. Lange will verstehen, wie der Betrieb funktioniert: Wie laufen Informationen? Wie wird kommuniziert? Wo greifen kaufmännische und technische Abläufe ineinander? Gleichzeitig lernen die Mitarbeiter den Mann kennen, der einmal ihr Chef werden soll. Von Anfang an wurde Lange als künftiger Betriebsinhaber vorgestellt. Er sucht bewusst das Gespräch mit der Belegschaft. Die Mitarbeiter kennen schließlich Abläufe und mögliche Schwachstellen aus jahrelanger Erfahrung. Lange will hören, was gut funktioniert – und auch, was künftig anders laufen könnte. Dabei muss er bereits eine Balance finden: Nähe schaffen, ohne die künftige Führungsrolle aus dem Blick zu verlieren. Die vollständige Übergabe ist zum Jahreswechsel 2028/29 vorgesehen. Am 1. Januar 2029 soll Lange den Betrieb vollständig übernommen haben. Bis dahin liegt noch eine Menge Arbeit vor ihm.
Auf diese Verantwortung bereitet sich Lange systematisch vor. Auf den Meister folgte der Geprüfte Betriebswirt nach Handwerksordnung. Vieles davon kann er auf den künftigen Betrieb übertragen. In einer Projektarbeit beschäftigte er sich beispielsweise mit der Einführung einer ERP-Software (Enterprise-Resource-Planning). Für Lange ist das kein abstraktes Weiterbildungsthema: Die Digitalisierung betrieblicher Abläufe ist eine konkrete Aufgabe im Unternehmen. Doch weder technische Meisterqualifikation noch betriebswirtschaftliches Wissen beantworten jede Frage einer Unternehmensnachfolge. Wie finanziert man eine Übernahme? Wie verändert sich die eigene Rolle gegenüber den Mitarbeitern? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den bisherigen Inhabern? Und wie geht man mit der Unsicherheit um, die eine Entscheidung dieser Größenordnung zwangsläufig mit sich bringt?
Genau an dieser Stelle kommt für Lange der NachfolgeKompass ins Spiel. Auf das Coaching-Programm wurde einer der beiden Geschäftsführer aufmerksam – durch einen Hinweis im Handwerksblatt-Newsletter. Das Konzept überzeugte Lange: zwölf Monate, regelmäßig anderthalb Tage und vor allem eine Gruppe von Menschen, die vor ähnlichen Aufgaben stehen. Gerade dieser Austausch ist für ihn entscheidend. Die Teilnehmer befinden sich zwar alle im Prozess einer Unternehmensnachfolge, bringen aber unterschiedliche Erfahrungen und Wissensstände mit. "Wenn man von anderen hört, wie die das gelöst haben, bekommt man einen anderen Blickwinkel", sagt Lange sinngemäß. Die Gruppe sei schnell zusammengewachsen.
Dabei geht es keineswegs nur um Bilanzen und Kaufpreise. Finanzierung gehört dazu: So kommen beispielsweise auch die NRW.Bank und die Bürgschaftsbank NRW im Programm zu Wort. Genauso wichtig sind für Lange jedoch die sozialen Fragen einer Übernahme: Mitarbeiter übernehmen, miteinander kommunizieren, Führung gestalten. Auch für die Übergebenden sind Termine vorgesehen. Das kann helfen, beide Seiten auf den Wechsel vorzubereiten und miteinander ins Gespräch zu bringen.
Was Lange am NachfolgeKompass schätzt, ist dessen konkreter Bezug zur Situation eines Übernehmers. Die Meisterschule war für ihn stark technisch geprägt, der Betriebswirt vor allem kaufmännisch. Der NachfolgeKompass dagegen richtet den Blick unmittelbar auf den Prozess, der vor ihm liegt.
Manchmal bedeutet das auch, sich mit unangenehmen Fragen zu beschäftigen. Eine Aufgabe im Coaching ist Lange besonders in Erinnerung geblieben: Er sollte durchspielen, was passiert, wenn seine Übernahme scheitert. Zunächst klingt das kaum nach einer Übung, die einem angehenden Unternehmer Mut macht. Bei Lange bewirkte sie genau das Gegenteil. Das gedankliche Durchspielen des schlimmsten Falls habe ihm viel von seiner Angst genommen.
Denn Respekt vor der Aufgabe hat er durchaus. "So etwas macht man nicht häufig im Leben", sagt Lange über die Betriebsübernahme. Vieles kenne man vielleicht aus der Theorie, müsse es nun aber zum ersten Mal tatsächlich umsetzen. Seine Konsequenz daraus ist nicht, jede Frage allein lösen zu wollen. Im Gegenteil: Für die verschiedenen Themen gebe es Unterstützung – von der Handwerkskammer über Steuer- und Unternehmensberater bis zum Notar. Die Herausforderung werde beherrschbar, wenn man sich Hilfe hole und die einzelnen Themen nacheinander angehe.
Genau darin sieht Lange auch den Nutzen des NachfolgeKompasses für andere junge Handwerker: individuelles Coaching auf der einen, Lernen in einer Gruppe von Menschen in vergleichbarer Situation auf der anderen Seite – und eine praxisnahe Vorbereitung auf einen Prozess, den die meisten nur einmal im Berufsleben durchlaufen. Lange selbst ist inzwischen mittendrin. Noch arbeitet er auf der Baustelle, lernt die Mitarbeiter und die betrieblichen Abläufe kennen. Zugleich rückt das Büro näher – und mit ihm die Verantwortung.
Dass er diesen Weg gehen will, hat viel mit seiner Vorstellung vom Handwerk zu tun. Es sei etwas "Handfestes", sagt Lange. Man könne am Ende eines Tages sehen, was man geschaffen habe. Gleichzeitig treibt ihn die Neugier an, immer weiterzulernen und Entscheidungen selbst zu treffen. Verantwortung zu übernehmen, schreckt ihn nicht ab.
Bis zum 1. Januar 2029 bleiben noch gut zwei Jahre. Für Lange sind sie keine Wartezeit. Sie sind Teil der Übergabe.
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