Foto: © alphaspirit/123RF.com
HWK Münster | Oktober 2026
Gründungstage Münster: HWK bietet Workshops an
Bei den Gründungstagen Münster vom 9. bis 11. November 2026 unterstützt die Handwerkskammer Münster angehende Unternehmer mit vier Workshops.
Florian Kraft, Vorstandsvorsitzener der Renault Deutschland AG. (Foto: © Renault)
Vorlesen:
14. Oktober 2026
Florian Kraft ist Vorstandsvorsitzender der Renault Deutschland AG. Wir sprachen mit ihm über den Markt, die Rolle der E-Transporter und das Servicenetz Renault Pro+.
Der Nutzfahrzeugmarkt zeigt sich 2026 bislang verhalten. Die Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover in der zweiten Septemberhälfte war für die Aussteller eine gute Gelegenheit, neue Modelle und Services vorzustellen. Renault feierte die Premiere des E-Transporters Trafic und den Aufschlag für ein erweitertes Dienstleistungsspektrum ihres Labels Renault Pro+. Wir sprachen auf der Messe mit dem Renault-Deutschland-Chef Florian Kraft über die neue Konkurrenz aus Fernost und die neuen Angebote, die die französische Marke ihren Gewerbekunden anbietet.
Deutsches Handwerksblatt (DHB): Wie sehen Sie die neuen Anbieter aus Fernost, die in den Nutzfahrzeugmarkt drängen?
Kraft: Grundsätzlich stellen wir uns dem Wettbewerb. Der war schon immer anspruchsvoll und wird es auch künftig bleiben. Trotz neuer Wettbewerber ist unser Marktanteil in diesem Jahr deutlich gestiegen. Es kommt letztlich nicht auf die Zahl der Wettbewerber an, sondern darauf, wie wir uns mit Produkten, Preisen und Services behaupten.
DHB: Stoßen Sie bei Gewerbetreibenden derzeit nicht auf eine gewisse Kaufzurückhaltung?
Kraft: Ja, das beobachten wir durchaus. 2025 war der Nutzfahrzeugmarkt deutlich gestiegen, heute, 2026, sehen wir im Markt eine leicht rückläufige Entwicklung. Es ist richtig: Bei größeren Investitionen halten sich Gewerbetreibende zurück. Aber wenn ein Fahrzeug nicht mehr fahren kann und sich die Reparatur nicht mehr lohnt, muss man nachkaufen. Über diesen klassischen Ersatzbedarf haben wir den Zugang zu kleineren Flotten weiter ausgebaut. Ohnehin ist Renault traditionell im kleinen Flottenmarkt mit bis zu zehn Fahrzeugen erfolgreich. Dieses Segment macht rund die Hälfte des Marktes aus.
DHB: Sehen Sie einen Trend zum Elektrotransporter?
Kraft: Absolut, das ist eines der Highlights in diesem Jahr. Wir hatten bereits Monate, in denen wir mehr Elektro-Master verkauft haben als Verbrenner. Lag das Verhältnis noch im vergangenen Jahr bei etwa einem E-Transporter auf zehn Verbrenner, sehen wir heute in einzelnen Monaten bereits ein Verhältnis von nahezu 1:1. Die Entwicklung ist also enorm: Auf einen Verbrenner kommt inzwischen oft schon ein E-Transporter.
DHB: Das klingt nach einem Wendepunkt …
Kraft: Das ist es tatsächlich in vielen Bereichen. Wir schreiben deutlich mehr Angebote für E-Fahrzeuge. Das liegt daran, dass erstens immer mehr Gewerbetreibende ihre positiven Erfahrungen aus dem Pkw-Bereich auf das Nutzfahrzeugsegment übertragen. Zweitens, und das ist aus meiner Sicht der entscheidende Punkt, haben sich die Produkte enorm weiterentwickelt. Nehmen wir den Trafic im mittleren Segment oder den Master bei den großen Transportern. Bis vor kurzem schaffte kaum ein Fahrzeug mehr als 170 Kilometer Reichweite, inzwischen sind die Hersteller deutlich weiter. Wir von Renault schaffen beim neuen Master E-Tech Electric je nach Version bis zu 470 Kilometer WLTP-Reichweite. Und die aktuellen Kraftstoffpreise sind ein weiterer Faktor, sodass die Total Cost of Ownership in vielen Anwendungsfällen heute deutlich für elektrische Transporter spricht.
DHB: Auch die Preise für E-Transporter sind im Sinkflug.
Kraft: Der Preisabstand zwischen E-Transportern und Verbrennern hat sich in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Galt früher oft die Rechnung, dass ein E-Transporter deutlich teurer war als ein vergleichbarer Verbrenner, nähern sich die Preise mittlerweile zunehmend an. Noch immer sind E-Transporter gerade im Leasing häufig einen Tick teurer, aber auf die Lebensdauer gerechnet liegen sie vielfach auf einem vergleichbaren Preisniveau. Wer eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Betriebsgelände hat, für den fällt die Rechnung häufig sogar noch deutlich stärker zugunsten des E-Transporters aus.
DHB: Nicht jeder hat zum Beispiel in die Photovoltaik investiert.
Kraft: Das stimmt. Aber wer privat investiert, weil er einen Elektro-Pkw fährt, überlegt sich nach dem Tanken mit einem Verbrenner sehr wohl, ob sich das nicht auch für den Betrieb rechnet. Natürlich sind damit Investitionen in Ladeinfrastruktur verbunden. Gleichzeitig stellt man sich damit für die Zukunft auf – mit der Flotte und mit dem eigenen Betrieb.
DHB: Hinzu kommen steuerliche Erleichterungen für den Handwerker.
Kraft: Richtig. Der Gesetzgeber hat zuletzt attraktive steuerliche Anreize geschaffen, die Investitionen erleichtern können. Welche Möglichkeiten konkret genutzt werden können, sollte allerdings immer individuell geprüft werden. Das könnte sich im letzten Quartal 2026 positiv bemerkbar machen. Zudem sehen wir traditionell zum Jahresende eine höhere Investitionsbereitschaft.
Aber wir haben außerdem unsere Verkäufer geschult, die gezielt auf Fördermöglichkeiten oder zum Beispiel die Treibhausgasminderungsquote, die THG-Quote, aufmerksam machen, sofern diese im jeweiligen Fall genutzt werden kann.
DHB: Damit hängen die Verkaufszahlen an der Kompetenz Ihrer Händler.
Kraft: Das war schon immer so. Wir haben Händler, die proaktiv sind und zum Teil Partnerschaften vor Ort aufgebaut haben, wenn es darum geht, nicht nur ein Auto zu verkaufen, sondern auch dafür zu sorgen, dass der Betrieb seine Ladeinfrastruktur bekommt. Genau diese Beratungsqualität macht oft den Unterschied.
DHB: Spezielle Wünsche haben Käufer auch an die Fahrzeuge. Merken Sie schon einen Effekt durch Renault Converted, dem umgebauten Transporter ab Werk im Ein-Rechnungsgeschäft?
Kraft: Wenn ich die Stückzahlen sehe, sind wir zufrieden. Wir haben viele Bestellungen. Mittlerweile ist jedes dritte Fahrzeug umgebaut, entweder über Converted by Renault oder durch den individualisierten Umbau Qstomize. Das Auf- und Umbaugeschäft ist in Deutschland ein großer Markt und vor allem profitabel – auch für die Händler.
DHB: Kennen Ihre Kunden das Umbau-Angebot sowie das ganze Ökosystem, das Renault als Servicedienstleistungen unter Pro+ anbietet?
Kraft: Da haben wir noch nicht die Marktdurchdringung wie andere Marken. Wir versuchen natürlich, den Renault-Händler als den Ort zu definieren, der den Kunden bestmöglich abholt. Dazu spielen Ersatzmobilität, eine gewisse Nähe zum Standort des Kunden, schnelle Terminfindung, passende Öffnungszeiten und Dienstleistungen für das Kunden-Backoffice eine große Rolle.
DHB: Auch hier ist wieder der Händler der Schlüssel.
Kraft: Wir schauen ganz genau, was der Kunde will und braucht. Das kann ich nicht von oben verordnen, sondern muss das zusammen mit dem Händler vor Ort erarbeiten und umsetzen. Maßnahmen im Markendesign sind für den Kunden oft weniger relevant als etwa passende Öffnungszeiten oder ein guter Service. Das kann nur der Handel vor Ort leisten.
Aber es lohnt sich: Hat ein Händler einmal das Vertrauen gewonnen, ruft der Kunde selbst bei einem Neukauf nur noch an: "Mach mal fertig!" Einen Extremfall haben wir im Händlernetz. Dort sind die Beziehungen zu vielen Kunden über Jahre so eng gewachsen, dass Fahrzeugkäufe häufig mit einem kurzen Anruf vorbereitet werden können. Das zeigt, wie vertrauensvoll und partnerschaftlich diese Kundenbeziehungen entstanden sind. Mehr Vertrauen kann man sich als Händler kaum wünschen.
Mehr zum neuen Trafic und dem Dienstleistungsangebot von Renault lesen Sie hier!
DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!
Kommentar schreiben