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Handwerk: EU-Angriff auf den Meisterbrief

Handwerksverbände protestieren scharf gegen die Pläne der Europäischen Kommission, sämtliche Berufszugangsregeln zu überprüfen. Betroffen ist auch die handwerkliche Meisterpflicht.

Meisterbrief 123rf
Foto: © vschlichting/123RF.com


Ziel der Initiative ist, die nationalen Qualifikationsanforderungen nach Möglichkeit aufzuheben, um Wirtschaftswachstum und Fachkräftemobilität zu steigern. Deutsche Handwerksverbände üben heftige Kritik an den Absichten der EU-Kommision. „Europa braucht in der Tat mehr Wachstum und Arbeitsplätze. Die Deregulierung von Berufen ist jedoch ein falsches Signal, insbesondere an das Handwerk", erklärt dazu Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

„Unser weltweit anerkanntes und bewährtes duales Ausbildungssystem basiert auf der hohen Qualifikation der Meisterinnen und Meister."  Eine Schwächung dieses bewährten Qualifizierungssystems sei daher nichts anderes als ein Angriff auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung" warf Schwannecke der EU-Kommission vor, sich in Widersprüche zu verstricken: „Auf der einen Seite lobt sie das duale Ausbildungssystem als Beispiel für die krisengeschüttelten Südländer Europas, auf der anderen Seite setzt sie Deutschland unter Druck, sich für jegliche Qualifikationsanforderungen erneut zu rechtfertigen."

Verbände wollen für den Erhalt des Meistertitels kämpfen

Die besorgten Stimmen aus dem Handwerk mehren sich. Reiner Nolten, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT), beurteilt das Verhalten der EU-Kommission als ignorant. Er will für den Erhalt des Meisters kämpfen. „Wir wissen, dass die Europäische Kommission von der Annahme ausgeht, Zugangsbeschränkungen wirkten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus", so Nolten.

Der WHKT halte das für falsch und sehe sich – besoners im Bezug auf die Bauhandwerke – von einer EU-Studie bestätigt. Diese kam zu dem Ergebnis, dass die nationalen Qualifikationsanforderungen je nach Branche unterschiedlich wirken. Für die deutschen Bauhandwerke stellte sie sogar eine tendenziell positive ökonomische Wirkung der Reglementierungen fest.

Eine Zusammenfassung der Studie hat der WHKT online veröffentlicht.

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