"Gemeinsam sind wir überzeugt: Unser deutsches Modell der dualen Ausbildung ist eine große Stärke", sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

"Gemeinsam sind wir überzeugt: Unser deutsches Modell der dualen Ausbildung ist eine große Stärke", sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. (Foto: © Markus Lambrecht/123RF.com)

Bundespräsident und Sozialpartner setzen sich für Ausbildung ein

Politik

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appelliert gemeinsam mit den Sozialpartnern aus Wirtschaft und Gewerkschaften an die Unternehmen, ihr Ausbildungsengagement auch in schwierigen Zeiten fortzusetzen.

Frank-Walter Steinmeier sorgt sich um die Zukunft von Schulabgängern, Auszubildenden und Studierenden und ihren Start ins Berufsleben. Angesichts der Corona-Pandemie und der tiefgreifenden Folgen für die Wirtschaft sei die Unsicherheit für junge Menschen nun viel größer als zuvor. "Die Weltwirtschaft taumelt, die deutschen Exporte brechen ein, ein heftiger Rückschlag für die deutsche Wirtschaft insgesamt. Unternehmen, Staat und Politik tun viel, um Arbeitsplätze zu sichern. Dennoch: Viele Menschen stehen vor einer ungewissen Zukunft", so der Bundespräsident.

Im Schloss Bellevue traf Steinmeier auf die Sozialpartner aus Wirtschaft und Gewerkschaften. Gemeinsam rufen sie die Unternehmen in Deutschland auf: "Engagieren Sie sich auch jetzt für Ihre Auszubildenden! Erhalten und schaffen Sie Ausbildungsplätze!" Ihre Botschaft an die jungen Menschen: "Bewerben Sie sich auch jetzt, trotz aller Widrigkeiten, um Lehrstellen! Unsere Wirtschaft braucht Sie, aber nicht nur das: Unser Land braucht Sie!"

"Duale Ausbildung ist eine große Stärke"

Frank-Walter Steinmeier Foto: © Bundesregierung/Steffen KuglerFrank-Walter Steinmeier Foto: © Bundesregierung/Steffen Kugler

Gerade berufliche Bildung müssen den Akteuren in Deutschland ganz besonders am Herzen liegen, erst recht, wenn die Pandemie tiefe Spuren auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zeigt. Steinmeier: "Gemeinsam sind wir überzeugt: Unser deutsches Modell der dualen Ausbildung ist eine große Stärke. Es ist ein großer Schatz. Besinnen wir uns gerade jetzt, in der Krise, auf diesen Schatz. Beweisen wir jetzt, was die Sozialpartnerschaft wert ist, und sorgen wir dafür, dass junge Menschen alle Chancen haben – auch nach der Corona-Pandemie."

Steinmeier und die Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ingo Kramer, des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Dieter Kempf, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, und der  Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, formulierten einen gemeinsamen Appell zur Zukunft der jungen Generation in Zeiten der Corona-Pandemie.

So lautet der Appell im Wortlaut:

"Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen haben Auswirkungen auf alle Bereiche des gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland und weltweit. Die deutsche Wirtschaft sieht sich nach Jahren des Aufschwungs und wachsender Beschäftigung mit einer schweren Rezession konfrontiert. Viele Unternehmen in Handwerk, Handel und Industrie, im Gastgewerbe und in vielen anderen Branchen verzeichnen Umsatzrückgänge und blicken mit großer Sorge in ihre Zukunft. Viele Beschäftigte bangen um ihren Arbeitsplatz, und viele Jugendliche fragen sich, ob sie mit ihrem Schulabschluss einen Ausbildungsplatz finden werden oder ob sie ihre bereits begonnene Ausbildung zum Abschluss bringen können.

In dieser kritischen Phase der Bewältigung der Corona-Pandemie ist es von besonderer Bedeutung, die Belange junger Menschen am Übergang von der Schul- in die Arbeitswelt im Blick zu behalten. Es geht um die Zukunft junger Menschen, die an der Schwelle zum Aufbau eines eigenen, selbstbestimmten Lebens stehen. Es geht um die Sicherung des Fachkräftebedarfs der Unternehmen in unserem Land. Es geht ebenso um die Sicherung der wirtschaftlichen Dynamik und der Innovationskraft der Wirtschaft zur Bewältigung anstehender globaler Herausforderungen wie etwa dem Klimaschutz, und damit um zukunftssichere und gut bezahlte Arbeitsplätze in Deutschland.

Wir beobachten mit Respekt und Anerkennung, dass viele Unternehmen ungeachtet der schwierigen Situation, in der sie sich befinden, alles tun, um ihre Auszubildenden zu halten und auch neue Ausbildungsplätze anzubieten. Ebenso registrieren wir, dass viele Jugendliche sich durch die Krise nicht beirren lassen und alle Hebel in Bewegung setzen, um einen Ausbildungsplatz für sich zu finden. Wir nehmen aber auch mit Sorge zur Kenntnis, dass viele Unternehmen mit Blick auf die Ungewissheit der weiteren Entwicklung noch zweifeln, ein Ausbildungsverhältnis fortzusetzen oder neu zu beginnen, und dass viele Jugendliche zögern, sich auf angebotene Ausbildungsplätze zu bewerben.

In der gemeinsam von uns angestoßenen Woche der beruflichen Bildung im April 2018 haben wir die Stärken unseres Systems der Dualen Berufsausbildung, um das uns viele Länder beneiden, in den Mittelpunkt gestellt. Jetzt – inmitten der Krise – gilt es, sich auf diese Stärken zu besinnen.

Wir rufen die Unternehmen in Deutschland auf: Setzen Sie wo immer möglich und trotz schwieriger Rahmenbedingungen, Ihr Engagement für die Ausbildung fort, schaffen Sie Ausbildungsplätze und nutzen Sie dafür auch die von Bund und Ländern in historischen Dimensionen bereitgestellten Hilfsprogramme für Unternehmen, Beschäftigte und Auszubildende. Es geht um die Zukunftschancen der jungen Generation und Ihre Fachkräfte von morgen. 

Zugleich appellieren wir mit Nachdruck an junge Menschen, sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben, um erfolgreich in das neue Ausbildungsjahr zu starten. Der Beginn einer Ausbildung ist auch nach dem 1. September noch möglich. Nutzen Sie alle Angebote der Information und Vermittlung, digital und analog. Alle Partner dieses Appells stehen Ihnen dafür zur Verfügung. Wir appellieren zugleich an die Lehrerinnen und Lehrer und die Eltern, die jungen Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen.

Wir setzen auf die Unterstützung und das Engagement der verantwortlichen Akteure in der Politik sowie in den Unternehmen, bei Betriebs- und Personalräten sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen, und wir setzen auf die jungen Menschen in unserem Land, um die Stärke der Sozialen Marktwirtschaft voll zur Geltung zu bringen und Deutschland einen kraftvollen Neustart nach der Krise zu ermöglichen. Dies ist nur möglich, wenn eine junge, gut ausgebildete Generation in allen Bereichen unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens Verantwortung übernehmen kann."

Quelle: Der Bundespräsident

Text: / handwerksblatt.de

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