Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Das sagen die Grünen zur Handwerkspolitik
Vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz beantworten die im Landtag vertretenen Fraktionen Fragen zu handwerkspolitischen Themen. Hier finden Sie die Antworten von Bündnis90/Die Grünen.
Am 22. März 2026 ist Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Im Vorfeld der Wahl haben die Handwerksorganisationen ihre Forderungen veröffentlicht. Darin skizzieren sie, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, um die Zukunftsfähigkeit des Handwerks im Land zu sichern. Wir haben die Grünen - wie die anderen im Landtag vertretenen Fraktionen - befragt, wie Sie zu den Forderungen des Handwerks zur Landtagswahl stehen und was ihre Positionen sind.
➡️ Die Positionen der anderen Fraktionen finden Sie über diesen Link
Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März ist Katrin Eder. Seit Dezember 2021 ist sie Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz.
DHB: Wie wollen sie die Rahmenbedingen für das Handwerk verbessern - was unternehmen Sie als künftige Landesregierung etwa im Sinne des Handwerks, damit ein "Industriestromtarif" auch beim Handwerk ankommt?
Grüne: Wir Grüne wollen Voraussetzungen schaffen, die dem Handwerk Planungssicherheit, faire Wettbewerbsbedingungen und wirtschaftliche Perspektiven bieten. Dazu gehört, dass bezahlbarer Strom aus erneuerbaren Energien auch bei kleinen und mittleren Betrieben ankommt. Entlastungen bei Strompreisen dürfen sich nicht auf die energieintensive Industrie beschränken.
Deshalb setzen wir uns für die Senkung von Abgaben und Umlagen auf Strom ein und für Modelle, mit denen Betriebe direkt von regional erzeugtem erneuerbarem Strom profitieren. Gleichzeitig unterstützen wir Grüne Handwerksbetriebe aktiv auf ihrem Weg zur Klimaneutralität. Wir bauen den bestehenden "EffCheck" zu einem "Klimacheck Mittelstand und Handwerk" aus. Dieser bietet praxisnahe Beratung mit konkreten, umsetzbaren Vorschlägen zu Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und klimafreundlicher Produktion.
Wir wollen dem aktuellen Fachkräftemangel im Handwerk mit frühzeitiger Berufsorientierung und unterstützenden Maßnahmen wie Alltagsbegleitung oder Sprachförderung während der Ausbildung entgegenwirken. Außerdem unterstützen wir attraktive Umschulungs- und Qualifizierungsprogramme. Um die Fachkräftelücke zu schließen und finanzielle Hürden zu senken, wollen wir den kostenfreien Meisterbrief einführen. Mit einer Nachfolgezentrale wollen wir Betriebsinhaber:innen und Nachfolger:innen besser vernetzen und eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge ermöglichen.
DHB: Wie wollen Sie Bürokratie abbauen?
Grüne: Wir Grüne wollen unnötige bürokratische Hürden für kleine und mittlere Betriebe abbauen, ohne notwendige Umwelt-, Sozial- und Verbraucherschutzstandards zu senken. Gemeinsam mit Praktiker:innen aus Betrieben, Verwaltung und Kammern überprüfen wir Regelungen auf ihre Alltagstauglichkeit. Neue und bestehende Vorschriften, die in Zuständigkeit des Landes liegen, sollen einem Praxis-Check unterzogen werden, damit sie im Betrieb umsetzbar sind und keine unbeabsichtigten Mehrbelastungen erzeugen. Wir wollen Verfahren vereinfachen, bündeln und digitalisieren, statt immer neue Nachweis- und Dokumentationspflichten zu schaffen.
DHB: Wie werden die Grünen die Bildungsoffensive voranbringen?
Grüne: Wir Grüne wollen das Lernen in unseren Schulen spürbar verbessern. Wir setzen dabei auf sozial durchmischte Klassen und mehr integrierte Gesamtschulen, um der Abwärtsspirale in Brennpunkten strukturell entgegenzuwirken. Wir entschlacken die Lehrpläne, fokussieren auf zukunftsrelevante Kompetenzen und geben Lehrkräften mehr Freiraum für projektorientierten Unterricht, Individualisierung und Lernzeiten.
Statt reiner Notenfixierung setzen wir auf eine moderne Feedbackkultur mit individueller Rückmeldung, die Lernfortschritte sichtbar macht und so die Motivation stärkt. Wir Grüne wollen die Berufsorientierung weiter früh, kontinuierlich und praxisnah verankern, mit Praxistagen, Kooperationen mit Betrieben und einer starken Einbindung von Handwerk, Pflege- und Klimaberufen. Wir stärken Schulsozialarbeit und Berufsberatung, damit alle Jugendlichen realistische Perspektiven entwickeln und Übergänge in Ausbildung oder Studium gut begleitet gelingen.
DHB: Wie wollen Sie die – auch gesellschaftliche - Gleichwertigkeit von dualer Ausbildung und Studium in Zukunft stärken?
Grüne: Wir Grüne in Rheinland-Pfalz werten die duale Ausbildung gezielt auf und stellen klar, dass berufliche und akademische Bildung gleichwertig sind. Das Land stärkt bereits Berufsschulen, überbetriebliche Ausbildungsstätten und schafft moderne Ausbildungsrahmenpläne, die eng mit Betrieben und Kammern abgestimmt sind.
Wir werben mit Wohnangeboten, vergünstigtem ÖPNV-Ticket und zeitgemäßen Berufsbildungsstätten für die duale Ausbildung und entwickeln Modelle wie duale Oberstufe und triales Studium, in denen Ausbildung und Studium systematisch zusammengeführt werden. Zudem setzen wir uns dafür ein, dass Meisterausbildung wie ein Erststudium kostenfrei wird und Abschlüsse der beruflichen Bildung im Qualifikationsrahmen den gleichen Stellenwert wie akademische Abschlüsse erhalten.
DHB: Wie möchten Sie den Wohnungsbau ankurbeln beziehungsweise die Infrastruktur modernisieren?
Grüne: Um den Wohnungsbau anzukurbeln, muss Bauen wieder günstiger werden. Dazu wollen wir die Landesbauordnung grundlegend überarbeiten, ohne Klima- und Naturschutz zu vernachlässigen. Wir überprüfen Luxusstandards, die das Bauen unnötig teurer machen. Gleichzeitig wollen wir die Voraussetzungen für das Bauen im Bestand weiter verbessern.
DHB: Und wie werden Sie Investitionsspielräume für die Kommunen schaffen?
Grüne: Unsere Kommunen erhalten in den nächsten zwölf Jahren insgesamt vier Milliarden Euro finanziellen Spielraum aus Sondervermögen des Bundes und weiterer zusätzlichen Landesmitteln. Jetzt kommt es darauf an, diese Mittel zukunftsgerichtet für Klimaschutz und soziale Infrastruktur vor Ort einzusetzen.
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Text:
Kirsten Freund /
handwerksblatt.de
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