Blick auf den Hafen von Arrecife.

Blick auf den Hafen von Arrecife. (Foto: © niekrasova/123RF.com)

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Lanzarote – eine Insel, die Verantwortung lebt

Panorama - Reise

Man spürt es nicht sofort. Lanzarote schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Die Insel liegt da, still, rau, fast zeitlos. Schwarze Lava, Wind, wenig Grün. Und doch ist sie voller Leben, voller Ideen und voller Menschen, die verstanden haben, dass Zukunft Verantwortung bedeutet.

Nachhaltigkeit auf Lanzarote erleben: nicht als klassischer Tourist, sondern als Beobachter, als Lernender. Die Möglichkeit, zu verstehen, wie eine Insel mit begrenzten Ressourcen umgeht – mit Wasser, Energie, Abfall und mit sich selbst.

In einem deutsch geführten Familienhotel der Seaside-Gruppe in Arrecife wird Nachhaltigkeit nicht erklärt, sondern gelebt. Vom Umgang mit Lebensmitteln bis zum letzten Tropfen Wasser ist alles durchdacht, kontrolliert und bewusst gestaltet. Energie stammt größtenteils aus Solaranlagen, die wiederum Wärmepumpen, Warmwasser- und Gassysteme versorgen. Das Hotel verfügt über eine eigene Wasseraufbereitungsanlage, mit dem Ziel, das genutzte Wasser wieder trinkbar zu machen. Nichts wirkt zufällig, nichts verschwenderisch.

Nachhaltigkeit auf Lanzarote: Umweltbewusstsein und Innovation

Unberührte Schönheit auf Lanzarote: die Grüne Lagune bei El Golfo. Foto: © kotangens/123RF.comUnberührte Schönheit auf Lanzarote: die Grüne Lagune bei El Golfo. Foto: © kotangens/123RF.com

Besonders beeindruckend ist der Umgang mit Abfall. Papier, Glas, Plastik – alles wird konsequent getrennt. Öle werden gesondert abgeholt. Plastik wird auf Nachbarinseln recycelt. Lanzarote ist noch nicht vollständig autark in der Abfallverarbeitung, vieles wird in anderen Ländern weiterverarbeitet. Der Transport erfolgt per Schiff. Auch das ist Teil der Realität – und Teil eines ehrlichen Umgangs mit den eigenen Grenzen. 

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Was Lanzarote jedoch wirklich besonders macht, sind die Menschen. Viele kleine, geführte Gruppen und selbstständige Initiativen kümmern sich um die Reinigung von Stränden, Dörfern, Straßen und sogar abgelegenen Bergregionen. Kein großes Spektakel, keine lauten Kampagnen. Einfach Menschen, die handeln, weil sie sich verantwortlich fühlen.

Die Knappheit an Wasser ist allgegenwärtig. Man sieht sie in der Landschaft, man spürt sie in der Natur. Und doch haben sich Mensch und Umwelt über Jahrzehnte angepasst. Wein wächst hier in vulkanischer Erde, geschützt durch kleine Steinmauern. Kartoffeln und andere landwirtschaftliche Produkte werden unter Bedingungen angebaut, die Geduld und Erfahrung verlangen. Es ist Landwirtschaft im Einklang mit dem, was möglich ist – nicht mit dem, was bequem wäre.

César Manriques Vermächtnis

Untrennbar verbunden mit dieser Haltung ist der Name César Manrique. Er hat Lanzarote nicht einfach gestaltet, er hat es verstanden. Kunst, Architektur und Natur verschmelzen in seinen Werken zu einer Einheit. Orte wie Jameos del Agua, der Mirador del Río oder der Jardín de Cactus sind keine Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn – sie sind Statements. Sie zeigen, dass Entwicklung auch respektvoll sein kann. 

Manrique prägte sogar das Erscheinungsbild der Häuser: weiß mit blauen Details an der Küste, weiß mit grünen Elementen im Inselinneren. Diese klare Linie verleiht Lanzarote eine Identität, die man sofort erkennt. Sein Vermächtnis lebt weiter, nicht nur in der Fundación César Manrique, sondern vor allem in den Menschen der Insel. Viele von ihnen fühlen sich seinem Gedanken verpflichtet und tragen ihn bewusst weiter. 

Gleichzeitig steht Lanzarote vor Herausforderungen. Massentourismus, Billigflüge und große Kreuzfahrtschiffe bringen täglich Tausende Menschen auf die Insel. Politisch wird versucht, neue Regelungen zu schaffen, um diesen Druck zu kontrollieren und die Balance zu bewahren. Es ist ein schwieriger Weg, aber ein notwendiger. 

Lanzarote zeigt auf, dass Nachhaltigkeit kein perfektes System ist. Sie ist ein Prozess. Einer, der Mut braucht, Ehrlichkeit und Konsequenz. Diese Insel ist nicht laut, nicht grün im klassischen Sinn – aber sie ist wach, reflektiert und erstaunlich entschlossen. Vielleicht ist genau das ihre größte Stärke.

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Text: / handwerksblatt.de

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