Herausforderungen im Handwerk: Fachkräftesicherung und Nachfolge
Vertreter des Handwerks erläutern im Wirtschaftsausschuss Herausforderungen bei der Fachkräftesicherung, Ausbildung und Betriebsnachfolge.
Es war das erste Mal in der noch jungen Legislaturperiode, dass der Wirtschaftsausschuss des Brandenburgischen Landtags zu einem "Fachgespräch zur Zukunft des Handwerks" eingeladen hatte.
Wie wichtig dieser Austausch war, zeigte sich nicht nur an dem ausgesprochen angeregten Austausch und den vielen konkreten Fragen der Parlamentarier an die Vertreter des Handwerks, sondern auch daran, dass dieser Tagesordnungspunkt mehr als zwei Stunden bearbeitet wurde und so die komplette Tagesordnung der für insgesamt drei Stunden angesetzten Ausschusssitzung (mit acht weiteren Tagesordnungspunkten) auf den Kopf stellte.
Fachkräftemangel im Handwerk: Politik muss handeln
Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, erläuterte den Abgeordneten zunächst die aktuelle Lage bei den Themen Fachkräftesicherung und Ausbildung: "Die Zahl der Erwerbstätigen im Handwerk ist rückläufig. In den letzten fünf Jahren ist sie um fünf Prozent gesunken." Um die Leistungskraft des märkischen Handwerks zu erhalten, brauche es daher, so Bührig, gute Instrumente, die den Rückgang nachhaltig stoppen. Wie dramatisch die Lage ist, verdeutlichte er mit einer weiteren Zahl: "Bei unseren selbstständigen Betriebsinhabern ist die Hälfte älter als 55 Jahre. Das heißt, wir befinden uns bereits in einer großen Umbruchsituation, wo viele Jüngere gebraucht werden, die den Staffelstab übernehmen müssten."
Bührig appellierte an die Ausschussmitglieder und den ebenfalls anwesenden Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD): "Wir brauchen mehr Unterstützung seitens der Politik bei der Ausbildung junger Menschen. Ausbildung ist der Schlüssel für die Fachkräftesicherung." Das Handwerk selbst hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um jungen Menschen den Weg ins Handwerk zu ebnen. Bührig: "Hatten wir im Jahr 2019 noch 7.300 Azubis, waren es im vorigen Jahr schon 7.900. Das ist ein Anstieg von acht Prozent." Dieser Anstieg reicht jedoch nicht aus, um den Fachkräfterückgang zu kompensieren.
Handwerk in Brandenburg: Förderung und Anerkennung gefordert
Dazu kommt ein weiteres Problem: Das Handwerk in Brandenburg bildet nicht nur für die eigenen Betriebe aus, sondern auch für die Industrie und den öffentlichen Dienst. Bührig: "13 Prozent der Erwerbstätigen in Brandenburg arbeiten im Handwerk. Aber wir bilden 28 Prozent aller Azubis im Land aus. Die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe ist unverändert hoch. Daher muss es eine Kompensation für die hohen Kosten geben, die unsere Betriebe bislang ganz allein tragen." Die Kostenentlastung durch die Landesförderung bei der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und für die Bildungsstätten sei wichtig. Die Politik müsse jedoch noch stärker unterstützen.
Bührig nannte konkrete Punkte, bei denen die Politik helfen soll: "Wir brauchen eine verlässliche Berufsorientierung in allen Schulen, auch in den Gymnasien. Eine Praktikumsprämie, die es in anderen Ländern längst gibt, würde helfen, die Betriebe für zusätzliche Aufwendungen zu entschädigen. Und wir brauchen mehr Wertschätzung für die berufliche Bildung. Wir erwarten eine Gleichbehandlung von akademischer und beruflicher Bildung."
Digitale Infrastruktur: Handwerk fordert besseren Breitbandausbau
Sylke Radke, kommissarische Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Cottbus, verdeutlichte den Abgeordneten, wie wichtig digitale Innovationen für das Handwerk im Land sind: "Unsere Betriebe sind auf eine stabile digitale Infrastruktur angewiesen. Denn die internen Prozesse laufen bei vielen Firmen längst digital, etwa die Buchhaltung oder Teilnahme an Vergabeverfahren. Aber der Breitbandausbau lässt, gerade auch in der Lausitz, zu wünschen übrig. Es gibt nach wie vor Gegenden, wo wir keine ausreichenden Verbindungen haben."
Es brauche deutlich mehr Möglichkeiten, damit das Handwerk stabil mit Behörden und Verwaltung kommunizieren kann. Unsere Unternehmer wollen Antworten und keine Warteschleifen. Radke: "Es ist nach wie vor so, dass Abfragen von Behörden mehrfach erfolgen. Obwohl im Handels- und Transparenzregister oder mit dem steuerlichen Jahresabschluss viele Angaben durch unsere Betriebe bereits gemacht wurden. Dieser unnötige bürokratische Mehraufwand kostet Zeit und Geld und ist von vielen Betrieben nicht zu leisten."
Sylke Radke forderte die Politik auf, mehr niedrigschwellige Förderprogramme für Digitalisierungsmaßnahmen aufzulegen, ohne bürokratische Hürden. Das sei existenziell für die Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen. "Handwerk ist heute längst nicht mehr nur schippen und Stress. Handwerk ist auch Digitalisierung und Technologie." Um diesen Weg weitergehen zu können, braucht es Investitionen in die Bildungsstätten, damit die Fachkräfte der Zukunft rechtzeitig an modernste Technik und Verfahren herangeführt werden können. Hier ist das Handwerk auf Fördermittel des Landes angewiesen."
Herausforderungen bei Unternehmensnachfolge im Handwerk
Frank Ecker, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Ostbrandenburg, erläuterte die angespannte Situation im Bereich der Betriebsentwicklungen und Unternehmensnachfolgen im brandenburgischen Handwerk: "Derzeit sind bei den drei Handwerkskammern im Land rund 37.500 Mitgliedsbetriebe gemeldet. Im Jahr 2011 waren es noch 40.200 Betriebe. Wir haben heute also sieben Prozent weniger Betriebe als noch vor 14 Jahren. Es gibt weniger Betriebsgründungen und mehr Betriebsaufgaben, da es immer schwieriger wird, Nachfolger zu finden. Selbstständige Tätigkeit ist bei vielen jungen Menschen offenbar nicht erstrebenswert."
Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts der Mitgliedschaft prognostizierte Ecker eine "große Nachfolgewelle" zwischen 2028 und 2035, da in diesem Zeitraum viele Inhaber in den Ruhestand gehen werden. Frank Ecker forderte, wichtige Förderinstrumente fortzuführen: "Die Nachfolgerichtlinie endet zum 31.12.2027. Sie sollte dringend verlängert werden. Denn über dieses Instrument konnten wir in Sachen Unternehmensübergabe 10.600 Sensibilisierungsgespräche führen und mehr als 6.000 Nachfolgechecks realisieren. Auch die Nachfolgezentrale, eine Online-Plattform für ein perfektes Matching zwischen Inhabern, die ihr Unternehmen übergeben möchten, und Gründern oder jungen Fachleuten, die eine Firma übernehmen wollen, muss über Dezember 2027 hinaus erhalten bleiben."
Ecker brach auch für die Fortführung der Meistergründungsprämie eine Lanze. Sie endet nach der aktuellen Regelung zum 31.12.2026. "Die Meisterausbildung ist teuer. Und vielen jungen Menschen stellt sich die Frage, ob sie sich diese Ausbildung, die oft mehr als 10.000 Euro kostet, leisten können. Um dauerhaft für Meisternachwuchs zu sorgen, sollte es endlich eine Gleichstellung von akademischer und beruflicher Ausbildung geben. In jedem Fall muss die Meistergründungsprämie bleiben. Denn sie fördert mit bis zu 19.000 Euro Existenzgründungen im Handwerk."
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Text:
Karsten Hintzmann /
handwerksblatt.de
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