Koalitionsgespräche in Brandenburg: Fokus Handwerksförderung
Nach dem Bruch des Regierungsbündnisses von SPD und BSW soll es jetzt eine neue Koalition richten. Wird der Neustart gelingen? Die neuen Regierungspläne für das Handwerk: Unterstützung für Betriebe und Meister und vereinfachte Förderungen.
Die Verhandlungsführer beider Parteien, Ministerpräsident Dietmar Woidke für die SPD und CDU-Landeschef Jan Redmann, setzen auf Tempo bei der Regierungsbildung. Der Koalitionsvertrag soll bis Ende Februar ausgehandelt sein, damit anschließend ein SPD-Parteitag (am 14. März) und die CDU-Mitglieder per Mitgliederentscheid ihr Votum abgeben können.
Die Details des Koalitionsvertrages werden unter dem Dach der Hauptverhandlungsgruppe in fünf Arbeitsgruppen ausgearbeitet. Drei dieser Arbeitsgruppen sind dabei für die Belange des Handwerks besonders interessant.
- Die Arbeitsgruppe 1 befasst sich mit den Bereichen Wirtschaft/Energie sowie Agrar/Umwelt.
- Arbeitsgruppe 2 ist für Bildung und Wissenschaft zuständig.
- Arbeitsgruppe 5 beackert die Themen Infrastruktur und Digitalisierung.
Brandenburger Handwerk fordert stärkere Landesunterstützung
Das brandenburgische Handwerk hat die klare Erwartung, dass die kleinen und mittelständischen Betriebe in den verbleibenden vier Jahren der Legislaturperiode noch besser von der Landesregierung unterstützt werden.
Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, benennt die wesentlichen Forderungen, die alle drei Handwerkskammern im Land mittragen: "Jeder zweite Betrieb in Brandenburg steht in den nächsten Jahren vor der Herausforderung einer Unternehmensübergabe. Betriebsübergaben und Existenzgründungen im Handwerk müssen daher gezielt durch eine Weiterentwicklung der Meistergründungsprämie unterstützt werden. Die derzeitige Meistergründungsprämie ist ein gutes Instrument, aber das Antragsverfahren sollte spürbar vereinfacht und entbürokratisiert werden. Wer einen Meisterabschluss erlangt und einen Betrieb im Handwerk übernommen hat, sollte die Förderung von bis zu 18.000 Euro ohne aufwendiges und mehrstufiges Nachweisverfahren ausgezahlt bekommen."
Bührig erneuert auch eine Forderung, die das Handwerk schon länger umtreibt: "Wir treten unverändert dafür ein, die akademische und berufliche Ausbildung gleichzustellen. Daher sollte die Meisterausbildung vom Land unterstützt werden. Meisterschüler sollten wenigstens einen Teil ihrer Ausbildungskosten erstattet bekommen. Wir haben die Hoffnung, dass sich diese Einsicht im neuen Koalitionsvertrag widerspiegelt, denn die CDU hatte selbst einen entsprechenden Antrag im Landtag bereits gestellt."
Mehr Unterstützung auch im Bereich Ausbildung erwartet
Ralph Bührig: "Das Handwerk bildet überproportional und über den eigenen Bedarf junge Menschen aus. Daher erwarten wir, dass unsere Ausbildungsbetriebe auch künftig dahingehend entlastet werden, dass das Land weiter einen Teil der Kosten für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung trägt."
Ferner erinnert Bührig an ein Versprechen, das Ministerpräsident Woidke im Wahlkampf 2024 gegeben hatte und das dann an den Engpässen des Haushalts scheiterte – die Praktikumsprämie: "Wir brauchen diese Motivationsprämie für junge Menschen, die in den Ferien ein freiwilliges Betriebspraktikum absolvieren. Derartige Praktika sind Türöffner auf dem Weg ins Handwerk."
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Text:
Karsten Hintzmann /
handwerksblatt.de
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