Seit 1980 ist die Verlagsanstalt Handwerk in­­ ­Düsseldorf Auf´m Tetelberg zu Hause.

Seit 1980 ist die Verlagsanstalt Handwerk in­­ ­Düsseldorf Auf´m Tetelberg zu Hause. (Foto: © Monika Nonnenmacher)

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100 Jahre Verlagsanstalt Handwerk

Sechs Männer haben dieses Kind aus der Taufe gehoben. Jetzt wird es 100 Jahre alt und ist keineswegs betagt: Die Verlagsanstalt Handwerk, kurz VH, verlegt ­heute vor allem Medien für den handwerklichen Mittelstand.

Stunde Null: Deutschland liegt nach dem Ersten Weltkrieg wirtschaftlich, innenpolitisch und außenpolitisch am Boden. Ruhrbesetzung, Reparationen festgelegt im Versailler Vertrag, Börsencrash Ende der 20er Jahre und schließlich die Notverordnungen des letzten demokratischen Kanzlers Heinrich Brüning prägen die Weimarer Republik.

Ausgabe Nr. 1 aus dem Jahr 1949 Foto: © Bildarchiv VHAusgabe Nr. 1 aus dem Jahr 1949 Foto: © Bildarchiv VH

In Berlin entfliehen die Menschen in die Roaring Twenties, die Goldenen Zwanziger. Marlene Dietrich tanzt vier Jahre vor dem legendären Film "Blauer ­Engel" über Berliner Bühnen und brilliert in einer Nebenrolle in dem Film "Manon Lescaut". Sechs Herren aus den Führungsetagen der Handwerkskammern in Arnsberg, Bielefeld und Dortmund haben Wichtigeres zu tun.

Rund 1,70 Reichsmark soll die "­Westdeutsche Handwerks und Gewerbe­zeitung" im ­Quartal kosten und im ­Abonne­ment statt im Pflicht­bezug ­vertrieben ­werden.

Am 21. Juni 1926 unterzeichnen sie den Gesellschaftervertrag für die Verlagsanstalt. Mit 9.000 Reichsmark Stammkapital haben die beiden ersten Leitenden, Schornsteinfegermeister Paul Steinkühler, Präsident der HWK Dortmund, und Syndikus Dr. Theodor Sackmann, Hauptgeschäftsführer der HWK Dortmund, eine besondere Aufgabe wahrzunehmen: "die Herstellung und den Vertrieb von Verlagswerken, Büchern und Formularen, die das Handwerk betreffen". Das erste Ergebnis ihrer publizistischen Tätigkeit ist ein Handwerker-Adressbuch.

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Reichsverband empfiehlt Handwerker-Adressbuch-Erstellung

Ein Projekt, das besonders gut beim Reichsverband des Deutschen Handwerks ankommt. Prompt empfiehlt dieser allen Handwerkskammern des Reichsgebiets die dringende Erstellung von Adressbüchern. Die Verbandsoberen in Hannover versprechen sich damit eine reichseinheitliche Handwerkerliste und letztendlich ein Reichshandwerker-Adressbuch als willkommenes Material für statistische Zwecke.

Die Handwerksorganisation war schon damals eigenwillig: In Berlin und Dortmund entstehen solche Adressbücher, doch nur die Dortmunder verlegen ihr Werk mit Unterstützung der noch jungen Verlagsanstalt. Wie viel Personal, welche Geschäftsfelder von der Verlagsanstalt bedient werden, das ist heute kaum zu erschließen. Fest steht nur, dass es in den unsicheren Jahren der Weimarer Republik zumindest unter dem Dach der Verlagsanstalt keine eigene Redaktion einer überregionalen Handwerkszeitung gibt, die Meister und Gesellen mit ihren Kommentaren und Berichten beglückt: Jede Kammer veröffentlicht ihr eigenes Blatt.

"Es wird schon wieder besser"

Ausgabe von 1960 Foto: © Bildarchiv VHAusgabe von 1960 Foto: © Bildarchiv VH

Erste zaghafte Versuche, ein einheitliches wirtschaftspolitisches Presseorgan in diesen bewegten Zeiten zu etablieren, starten die Handwerkskammern Dortmund und Arnsberg mit dem "Westfälischen Handwerksblatt". Die Bielefelder und Münsteraner Kollegen kommen bald hinzu. Alle Mitglieder der Handwerkskammern erhalten das Handwerksblatt im Pflichtbezug. In den letzten Jahren der Weimarer Republik wird es spannend. Die Unzufriedenheit nicht nur der Handwerker wächst so beständig wie Regierungskabinette instabil regieren. In einer Monographie über die Wirtschaftskammern von Prof. Dr. Ralf Stremmel arbeitet der Leiter des Krupp Archivs gut heraus, wie sehr sich die Betriebe über die Verwaltung echauffieren und wie populistisch die Prunkbauten und Vergütungen der Handwerkseliten gegeißelt werden.

Heinz Rühmann versucht derweil, auf der Leinwand für Zerstreuung zu sorgen und sendet die Botschaft "Es wird schon wieder besser". Die Handwerksorganisation gerät wie viele Stellen des Staates und des Verbandswesens mehr und mehr unter Druck. Mitgliedsbeiträge bleiben aus, und auf dem Zeitungsmarkt für das Handwerk geht es ebenfalls turbulent zu. Unruhe verbreiten die Macher der "Nordwestdeutschen Handwerkszeitung", die am 1. Oktober 1932 mit dem Anspruch als "Deutsche Allgemeine Handwerkszeitung" verlegt wird und zudem als offiziöses Sprachrohr dem Reichsverband angeboten wird.

Historischer Aufstieg der Westdeutschen Handwerkszeitung

Die Herren der Verlagsanstalt aus Nordrhein-Westfalen sind alarmiert, da sie meinen, dass "die bezirklichen Eigenarten, Wünsche und Forderungen nicht einfach übergangen werden dürfen". Die Kammerleute aus Westfalen und dem Rheinland handeln und bestehen auf ihrer eigenen Zeitung. Rund 1,70 Reichsmark soll das Blatt im Quartal nun kosten und im Abonnement statt im Pflichtbezug vertrieben werden. Am 1. ­Januar 1933, einen Monat vor Hitlers Machtergreifung, erscheint zum ersten Mal die "Westdeutsche Handwerks und Gewerbezeitung".

Nur 798 Bezieher lesen das Blatt zu Jahresbeginn, bis Dezember steigert sich die Auflage auf 8.150. Herausgeber sind die Handwerkskammern Arnsberg, Düsseldorf, Bielefeld und Dortmund, die im Laufe der 30er Jahre das Blatt in "Westdeutsche Handwerkszeitung" umbenennen. Auch der Verlag erhält einen neuen Namen und nennt sich fortan "Verlagsanstalt des Westdeutschen Handwerks, Gesellschaft mit beschränkter Haftung".

Verlagsanstalt Handwerk im Wandel der Macht

Paul Steinkühler wird unter den neuen Machthabern aus der Leitung des Hauses gedrängt, und als Nachfolger wird Syndikus Dr. Heinrich Hampe aus Arnsberg bestellt. Das Geschäftsfeld dehnt die Verlagsanstalt in den folgenden Jahren aus. Aachen und Münster kommen hinzu und verzichten auf eigene Presseorgane. Der Abonnementenkreis vergrößert sich kontinuierlich und erreicht 1939 schließlich einen Kundenstamm von 25.500 Lesern.

Der Verlag schließt das Jahr 1939 "zweifellos sehr erfolgreich" ab, wie die damalige Geschäftsführung schreibt – unbeeindruckt vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Vielleicht auch deshalb, weil sich die ­Macher politisch mit dem braunen Zeitgeist und dem nationalsozialistischen System ohne großes Aufbegehren arrangieren. Am längsten widerstehen die Biele­felder Handwerksvertreter der braunen Gleichschaltung, nämlich bis 1937. Schornsteinfegermeister Steinkühler und sein Präsidentenkollege und Kürschnermeister Louis Wurm werden viel schneller aus ihren Ämtern gedrängt, die Machthaber erlauben noch gerade, dass sie Ehrenpräsidenten der Kammern werden, jene Kammern, die sie so lange und erfolgreich geleitet hatten. Stremmel kann in seinen Forschungen feststellen, dass wenig etablierte und der neuen Bewegung ­verbundene Handwerker in Führungspositionen der Kammern kommen. Hauptsache das Parteibuch stimmt. Auch das Hauptamt in den Kammern versucht sich schließlich zu arrangieren, ob IHK oder HWK. Manchmal reicht auch das Hören­sagen über eine Nacht bei der Gestapo, um das Personal und die Vertreter der Kammern gefügig zu machen. Man kann festhalten, dass die ­politische Couleur der langjährigen Handwerksvertreter national-konservativ war, absolut republikfeindlich, aber auch nicht NS-freundlich. Der frühere Münsteraner Professor Hans-Ulrich Thamer hat in seinem Buch "Verführung und Gewalt" sehr anschaulich dargestellt, wie es den neuen Machthabern gelungen ist, den Staat und seine Körperschaften, aber auch Verbände und Gewerkschaften sukzessive zu überrumpeln und gefügig zu machen. Dieser schleichenden Anpassung hat sich auch die Handwerkszeitung der Verlagsanstalt Handwerk GmbH ergeben, diese mitgemacht und nicht aufbegehrt. Die Berichterstattung der Zeitung ist eine unangenehme Hommage an die Herrschenden.

1943 wurde zum medialen Desaster

Es kommt, wie es kommen muss, weil die Kriegsmaschinerie auf Hochtouren läuft, werden im Inland die Rohstoffe knapp. Papier sowieso! Auch die Presse bekommt das zu spüren. Die Behörden schränken den Verbrauch von Papier stark ein und legen 1942 die Auflage der "Handwerks-Zeitung" auf 23.000 Abonnenten fest. Das Blatt bricht wirtschaftlich ein und erlebt im Jahr von Stalingrad 1943 ein mediales Desaster. Die Zeitung wird auf Anordnung der Reichspressekammer eingestellt. Fast sechs Jahre dauert es, bis wieder eine gemeinsam getragene Handwerks­zeitung erscheint.

In China beginnt ein Bürgerkrieg, im Nahen Osten der Unabhängigkeitskrieg, und Deutschland erlebt die Berlin-Blockade und Währungsreform. Für die Verlagsanstalt entscheidend ist aber ein anderes Ereignis, denn vor allem dem Düsseldorfer Kammerpräsidenten Georg Schulhoff gelingt es, mit Hilfe des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Karl Arnold die Genehmigung für die "Handwerks-Zeitung" zu bekommen.

Während Deutschland sein neues Grundgesetz erhält, wird 1949 die neue Handwerkszeitung mit einem Bezieherkreis von 14.967 Abonnenten in den Handwerks­kammern Arnsberg, Bielefeld, Detmold, Düsseldorf, Dortmund verlegt. Die Kammern Aachen, Köln und Münster beharren noch jahrelang auf ihren Kammer­publikationen, berichtet der erste Schriftleiter der Nachkriegszeit, Dr. Heinrich Schild, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Fachverbände des Landes NRW.

Mitte der 50er Jahre kommen die vier Handwerks­kammern in Rheinland-Pfalz – Koblenz, Trier, Rheinhessen und der Pfalz – hinzu. Außerdem leistet sich der Verlag eine Bundesausgabe, die außerhalb seines Verbreitungsgebietes angeboten wird. Mit den Wirtschaftswunderjahren steigt auch die Auflage auf 52.000 Exemplare im Jahr 1959.

Das Verlagshaus setzt auf Expansion

Georg Schulhoff hat sich stark für die Wiederauflage der Handwerkszeitung nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert. Der Düsseldorfer Kammerpräsident und Bundestagsabgeordnete hatte beste Beziehungen in die Politik – hier im Gespräch mit dem Vater der Sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard. Foto: © Bildarchiv VHGeorg Schulhoff hat sich stark für die Wiederauflage der Handwerkszeitung nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert. Der Düsseldorfer Kammerpräsident und Bundestagsabgeordnete hatte beste Beziehungen in die Politik – hier im Gespräch mit dem Vater der Sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard. Foto: © Bildarchiv VH

Auch Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard erkennt die Bedeutung der Handwerkszeitung. "Gerade heute ist es indessen notwendiger denn je, dass der handwerklich schaffende Mensch sich sowohl auf seinem Fachgebiet als auch im Wirtschaftsleben auskennt, dass er über den Bereich des vor Jahren Erlernten, über Werkstatt und Arbeitsplatz hinauswächst, sich für größere Zusammenhänge interessiert und so mit der technischen und wirtschaftspolitischen Entwicklung Schritt hält."

Flower-Power und die Beat-Ära sind Geschichte, der Vietnamkrieg neigt sich dem Ende zu. China wird Mitglied der UNO, Erich Honecker löst Walter Ulbricht ab, während die Gesellschafter mit dem Namen der Zeitung immer noch nicht zufrieden sind. Im Jahr 1972 wird der ungelenke Titel "HZ Deutsches Wirtschaftsblatt" kreiert. Man versteckt die "Handwerkszeitung" hinter dem Kürzel HZ und will sich als Wirtschaftszeitung einmischen, erläutert seinerzeit Gerd Wieneke, langjähriger Hauptgeschäftsführer der Kammer Düsseldorf. Das Verlagshaus setzt nun auf Expansion. Die Verlagsanstalt Handwerk GmbH gibt unter tatkräftiger Mitwirkung des damaligen Geschäftsführers Karl-Günther Nicola weitere Zeitschriften heraus. Die Größe des Verlages verlangt nach einem Domizil. Während Rhodesien unabhängig von Großbritannien wird und die Grünen sich als Bündnispartei zur Bundespartei formieren, zieht die Verlagsanstalt 1980 von Dortmund nach­­ ­Düsseldorf in ein eigenes Haus Auf´m Tetelberg um.

Modernes Dienstleistungszentrum für Handwerk und Mittelstand

Ein modernes Dienstleistungszentrum entsteht, in dem auch andere Organisationen des Handwerks ihren Service anbieten. Die Zeitschriftenpalette ist auf acht Fachtitel angewachsen, darunter "Kunst und Handwerk", eine ständige Präsentation des deutschen Kunsthandwerks im europäischen Raum. Diese kunsthandwerklichen Titel sorgen zwar nicht für Gewinn, steigern aber das Renommee der Verlagsanstalt. "Neues Glas" erscheint 1983 in einer deutsch-amerikanischen Ausgabe, derweil die Grünen erstmals in den Bundestag einziehen, die Flickaffäre vor Gericht landet und im Stern die gefälschten Hitler-Tagebücher erscheinen.

In der neuen VH-Zentrale wird die Berufsbildungsliteratur ausgebaut, darunter sogar handwerkliche Belletristik. Die 1970 gegründete WWG Wirtschaftswerbegesellschaft als Verlagstochter übernimmt das Anzeigengeschäft. Die wirtschaftliche Basis der Verlagsanstalt Handwerk sind "HZ Deutsches Wirtschaftsblatt" sowie die Fach- und Ausbildungsliteratur vom "Sackmann" über Fachhandwerksliteratur bis zu Handwerksverzeichnissen auf KH-Ebene vom Norden bis in den Süden der Republik. Die Verlagsanstalt entdeckt Anfang der 80er Jahre neue Kommunikations­felder. Das Tochterunternehmen Telemedienmittelstand, kurz TMM, bearbeitet den BTX-Markt und listet bis zu 100.000 Firmen in den Bildschirm-Textangeboten auf. Wenige Jahre später werden diese Aktivitäten eingestellt. Der Grund: BTX kann sich als wirtschaftlich interessantes Kommunikationsmedium nicht am Markt etablieren. Die Verlagsanstalt hat sich mit ihrem neuen Projekt überhoben.

Handwerksblatt: Neue Führung, neue Märkte, neues Layout

Der neue Geschäftsführer Dieter Kalisch, durch und durch Betriebswirt und gelernter Gebäudereiniger, kehrt den Verlag ordentlich durch, setzt auf Printprodukte und führt die Handwerkszeitung in neue Märkte. Als Kunden kann die VH die Handwerkskammern in Leipzig, Rostock und die Handwerkskammer des Saarlandes gewinnen. Mit dem neuen Chefredakteur Dr. Rüdiger Gottschalk erarbeitet die Crew von HZ Deutsches Wirtschaftsblatt ein neues Layout und führt den modernen Ganzseitenumbruch ein. Die 90er Jahre sind geprägt vom schnellen Ausbau des handwerklichen Medienunternehmens. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts erscheinen mehrere Branchen­titel des Handwerks: "Glas+Rahmen" in Kooperation mit dem Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks, die "GENAU" in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Holz und Kunststoff, mit dem Bundesverband Friseure "Das Deutsche ­Friseurhandwerk" sowie "DH report", ein Magazin für das handwerkliche Ehrenamt in enger Abstimmung mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks in Bonn.

Ausgabe 1994 Foto: © Bildarchiv VHAusgabe 1994 Foto: © Bildarchiv VH

Erfolgreicher agiert schon länger das "HZ Deutsches Wirtschaftsblatt", das seit Mitte der 90er Jahre unter dem neuen Namen "Deutsches Handwerksblatt" weiterpowert. Mit Cottbus, Frankfurt/Oder und Potsdam kommen drei neue Kammern zum großen Handwerksblattverbund dazu. Eine Teilauflage erscheint im Magazinformat, auch die Zeitung erhält ein neues, modernes Outfit. Neben dem traditionellen Standbein Handwerksblatt entwickelt sich parallel mit dem Meisterlernbuch "Sackmann" der Buchsektor unter der Leitung von Prokuristin Barbara Schnell zu einer weiteren Säule der Verlagsanstalt, die als Medienunternehmen ihren Platz in einem hart umkämpften Markt behaupten muss. Sicherlich auch in Folge der Krise am Neuen Markt wird das Jahr 2004 ein wirtschaftlich extrem schwieriges Jahr für den Anzeigenmarkt und damit für die Verlagsanstalt Handwerk.

Services werden zu Shootingstars

Regionales Magazinformat 1998 Foto: © Bildarchiv VHRegionales Magazinformat 1998 Foto: © Bildarchiv VH

Überhaupt gerät die Welt ins Wanken: Zerstörung des World Trade Centers, erster Irakkrieg und Börsencrash. Spät – aber mit Vollgas – startet die Verlagsanstalt im Jahr 2005 ihr Internetangebot in völlig eigener Regiehandwerksblatt.de wird als moderne Website kreiert. Während andere Websites des Handwerks unter großem Medientamtam Millionen Euro versenken, reift handwerksblatt.de mit Augenmaß. Die Services, "Meisterschulen", "Azubi-Test", "Handwerkslexikon" und das "Who-is-Who-im-Handwerk", werden neben tages­aktuellen Meldungen zu Shootingstars.

Beim Google-Ranking rangiert handwerksblatt.de unter dem Suchbegriff Handwerk meist unter den Top 10. Ein ­Relaunch der Website wird vorgestellt. Mit Web 2.0 geht das Unternehmen weiter auf die digitale Reise. Ein ­digitalaffines Team in der VH treibt die Entwicklung zügig voran.

Transformation im Verlagswesen: Herausforderungen und Chancen

Die Lehrbücher Sackmann Teil 3 und Teil 4 sind ­inzwischen in der 45. ­Auflage und haben durch die Ent­wicklung zusätzlicher Online-Lernmedien den Weg ins ­digitale Zeitalter gefunden. Foto: © Bildarchiv VHDie Lehrbücher Sackmann Teil 3 und Teil 4 sind ­inzwischen in der 45. ­Auflage und haben durch die Ent­wicklung zusätzlicher Online-Lernmedien den Weg ins ­digitale Zeitalter gefunden. Foto: © Bildarchiv VH

Die Printpalette wird unter Kalischs Nachfolger, dem Juristen Hans Jürgen Below, immer kleiner. Das Magazin fürs Ehrenamt "DH report" verschwindet vom Markt. Genauso wie das "Deutsche Friseur-Handwerk". Die Tischlerzeitung "Genau" wird nach Hannover verkauft und dort erfolgreich weiter­geführt. Auch das Gastgewerbe-Magazin muss aufgegeben werden, weil die entlassene Chefredaktion das Blatt mit in einen anderen Verlag nimmt. HKH Perspektiven verliert der Verlag genauso wie die Bau-Info, die mit ihrem Verband dem Verlag den Rücken kehrt. Die Bundeszeitschrift des Verbandes "Bestattungskultur", die der Verlag lediglich als Druck-Dienstleister für den Verband organisiert, überlebt, wie auch der Titel "Glas + Rahmen", der aber konsequent rote Zahlen schreibt.

Ausgabe von 2009 Ausgabe von 2009

Hans Jürgen Below hat andere Dinge im Kopf: Er erfindet den neuen Wettbewerb und Kalender‚ "Miss und Mister" und etabliert ihn gegen den Widerstand in Teilen der Handwerksorganisation im Laufe der Jahre, das Projekt wird auch wirtschaftlich erfolgreich.

Below kauft kurz vor seinem Beschäftigungsende bei der VH mit Zustimmung der Verlagsgremien neue Magazine, wie vor allem das "RTS", das "Lift-Journal" und die "Fassade". Der wirtschaftliche Effekt zeigt sich nur in Umsatzzahlen, weniger im Ergebnis. Ohne die Gewinne des Handwerksblattes wären die neuen Produkte nicht lebensfähig gewesen. Die Integration wird zu einer Herausforderung.

Neuaufstellung der Geschäftsführung sichert Verlagsstabilität

Die neue Geschäftsführung unter Dr. Rüdiger Gottschalk stellt mit Hilfe des VH-Teams und tatkräftiger Unterstützung von Prokurist Thomas Lieven und Bettina ­Fischer den Verlag auf eine neue, wieder solide Basis. Das Controlling wird komplett neu geordnet, so dass der Verlag transparent und besser lenkbar wird. Der neue Lektoratsleiter Heinz Schmidt setzt den Buchbereich auf ein wirtschaftlich gutes Fundament.

Leider müssen Mitarbeiter entlassen werden, weil die Personalaufstockung durch den Zukauf der neuen Titel nicht wirtschaftlich umgesetzt wurde. Aus "Fassade" und "Glas+Rahmen" wird die "Gebäudehülle". Die hochdefizitären Fachzeitschriften werden alle saniert und weisen daraufhin jahrelang positive Ergebnisse aus. Stefan Buhren, ein erfahrener Magazin-Macher und langjähriger Mitarbeiter der VH, übernimmt als Chefredakteur das DHB und etabliert damit das "auflagenstärkste Wirtschaftsmagazin" in Deutschland.

Foto: © Bildarchiv VHFoto: © Bildarchiv VH

Palette an digitalen Ausgaben wächst weiter

Alle Bereiche des Verlages erleben einen Digitalisierungsschub. Die neue Digitalabteilung unter Liz Thielen begleitet den Prozess mit sehr guten Dienstleistern. Mit neuem und vor allem jungen Personal. Heute kann der Verlag digitale, stark verbesserte Arbeitspro­zesse vorweisen, seit 2019 eine Digithek mit modernen Publikationen wie dem digitalen DHB, Suu:m, artifex, erfolgreichen Newslettern mit hohen Öffnungsraten und Social-Media-Accounts, ohne die das Werbegeschäft auch im Print gar nicht mehr möglich wäre. Der Werbekunde erwartet omnipräsente digitale Angebote, der Verlag muss investieren, schafft dies aber ohne Kredite und Rückgriff auf die Rücklagen.

Foto: © Bildarchiv VHFoto: © Bildarchiv VH

Künstliche Intelligenz und Automatisierung werden auch in der Verlagsanstalt Handwerk zu einem immer wichtigeren Thema, die Herausforderung für die nächsten Jahre schlechthin – für das ganze Team, auch wegen der zu erwartenden Personalfluktuation. Reichlich Aufgaben für die neue Geschäftsführung, die im 101. Jahr das Haus weiter in die Zukunft führen muss.

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Text: / handwerksblatt.de

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