Von Schmiede- bis hin zu Federkunst: Im Rahmen der Ambiente, Leitmesse für die globale Konsumgüterindustrie, fand die Verleihung des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk 2026 statt.
Das Kunsthandwerk fördern und zu besonderen Leistungen anspornen: 1951 vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn ins Leben gerufen, zählt der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk heute zu einer der bedeutendsten Auszeichnungen für Kunsthandwerkerinnen und -handwerker in Deutschland.
Im Fokus des Wettbewerbs stehen eigenständige Gestaltungsansätze, Innovation, Beherrschung von Material und Technik sowie ein überzeugendes Gesamtbild der Arbeiten. Der 74. Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk wurde im Zuge der Ambiente, Leitmesse für die globale Konsumgüterindustrie, in Frankfurt verliehen.
Künstlerische Exzellenz mit großer Aktualität
Während sich Goldschmiedin Pura Ferreiro den ersten Platz sicherte, landeten der Möbeltischler Martin Wilmes und der Schmiede- und Metallbaumeister Günter Matten auf Platz zwei und drei. Den Förderpreis erhielt der Fashion-Designer Maurizio Paul Hirmer für sein Federkunstwerk "Plumage".
Erster Preis: Pura Ferreiro, Goldschmiedin aus München
Goldschmiedin Pura Ferreiro überzeugte mit ihrer Halskette "Third-Millennium-Revival-Necklace". Der Halsschmuck besteht aus insgesamt 260 Einzelteilen aus granuliertem 900er-Gold und schwarz oxidiertem 925er-Silber, die eine 100 cm lange Kette bilden, die von antiken hellenistischen Vorbildern inspiriert ist. Alle goldenen Elemente sind mit unterschiedlichen Mustern granuliert.
Mit der Granulation – bei dieser werden winzige Kügelchen aus Gold ohne Löt auf die Schmuckstücke aufgeschweißt, sodass feinste Ornamente, Muster, Formen und Linien auf der Oberfläche der Objekte entstehen – befasst sich Ferreiro bereits seit 1990.
Zweiter Preis: Martin Wilmes, Möbeltischler aus Bremen
"Ein Schrank, der an luftiger Leichtigkeit kaum zu überbieten ist", beurteilte die Jury das Möbelobjekt "Round About" von Möbeltischler Martin Wilmes. Der Schrank ist aus europäischem Ahorn gefertigt, der nicht sichtbare Drehkranz besteht aus Stahl.
Wilmes‘ Möbelkunst wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Möbeltischler bewegt sich im Grenzbereich zwischen Objekt und Möbel. Frei im Raum stehend, entfalten seine allansichtigen Werkstücke ihre skulpturale Wirkung. Bei seinen Kreationen treffen so Funktionalität und ästhetische Wandelbarkeit aufeinander.
Dritter Preis: Günter Matten, Schlossermeister aus Lindau
Schmiede- und Metallbaumeister Günter Matten wurde schon 1988 für einzigartigen Feuerstellen mit dem Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk ausgezeichnet. Nun setzte er sich mit der von ihm gestalteten Feuerstelle "Faro" durch. Das Exponat stellt eine ungewöhnliche, sowohl innen wie außen um 360 Grad drehbare Feuerstelle dar.
Vor allem überzeugte die Jury der ästhetisch behutsame Umgang mit dem Element Feuer, welcher Ästhetik, Sicherheit und hohe Funktionalität auf elaborierte Weise vereint.
Förderpreis: Maurizio Paul Hirmer, Federkünstler aus Leipzig
Designer Maurizio Paul Hirmer ist seit seiner Kindheit von organischen Formen aus der Natur fasziniert. Seine Federkunstwerke "Plumage" basieren auf einer von ihm weiterentwickelten Variante der Puttawus-Knotentechnik, inspiriert von der Federkunst nordamerikanischer Ureinwohner.
Hirmers Objekte bewegen sich zwischen tragbarer Dekoration, Wandobjekt, traditionellem Handwerk und zeitgenössischem Design – sein Ziel: nachhaltige Alternativen aufzeigen und kulturelles Erbe erfahrbar machen. Dafür sowie für seine kunsthandwerkliche Finesse erhielt er den Förderpreis.
Bilder: Die Gewinner-Objekte und eine Auswahl der Nominierten
"Kunsthandwerk verbindet handwerkliche Exzellenz, Kreativität und gesellschaftliche Verantwortung. Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie viel Qualität, Leidenschaft und Innovationskraft im Kunsthandwerk stecken. Sie machen sichtbar, wie aus traditionellem Können zukunftsweisendes Design entsteht – und warum das Kunsthandwerk ein wichtiger kultureller und wirtschaftlicher Pfeiler unseres Landes ist", betonte WirtschaftsministerKaweh Mansoori, der den Staatspreis überreichte.
"Zeitgenössisches Kunsthandwerk findet Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit in seinen eigenen Stärken: Können, Präzision und kulturelles Erbe. Gerade daraus entsteht Neues – zukunftsweisend, relevant und international anschlussfähig. Dieser Anspruch passt perfekt zur Ambiente, die sich als verlässlicher Kompass für die globale Konsumgüterindustrie versteht", äußerte sich Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, über die große transformative Kraft des zeitgenössischen Kunsthandwerks.
Trend zur Verjüngung des deutschen KunsthandwerksDie 74. Edition des Wettbewerbs hat gezeigt, dass sich das deutsche Kunsthandwerk sukzessive verjüngt. Rund 140 Einreichungen für den Hessischen Staatspreis 2026 gingen ein – dabei kamen über 40 davon von Kunsthandwerkerinnen und -handwerkern, die aufgrund ihres jungen Alters für den Förderpreis infrage gekommen wären. Diese Entwicklung spiegelt sich sowohl im sinkenden Altersdurchschnitt der Teilnehmenden als auch in den konzeptionell starken Ansätzen wider, welche Technologie und Handwerk in einem zukunftsweisenden Prozess vereinen.Quelle: Bundesverband Kunsthandwerk / Messe Frankfurt Exhibition GmbHDHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!
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